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Stormarn „Menschen zusammen zu bringen, das ist mein Credo“
Lokales Stormarn „Menschen zusammen zu bringen, das ist mein Credo“
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18:23 15.10.2016

Für die einen ist es Fluch, für die anderen Segen: Maria Herrmann liebt das klare Wort, die offene Ansprache. Das haben in der Vergangenheit viele Bad Oldesloer gespürt, die mit ihr zu tun hatten. Seit mehr als 20 Jahren lebt die gebürtige Saarländerin in der Kreisstadt, hat sich von einem ehrenamtlichen Engagement im Kindergarten ihres Sohnes und ihrer Tochter bis in die Politik gearbeitet. Oder wie sie es selbst formuliert: „Ich habe die Entwicklung von einer streitbaren Bürgerin zu einer Politikerin hinter mir.“

So eine „Karriere“ hatte die 57-Jährige, die aus einer erzkonservativen Familie stammt, eigentlich gar nicht geplant. Es hat sich in Bad Oldesloe aber so ergeben. „Bei uns im Saarland war es immer so, das Kinder dort in den Kindergarten kommen, wo sie leben. Als wir hierhergezogen sind, hatte ich gedacht, dass ist hier auch so“, erinnert sich Herrmann. Aber weit gefehlt. „Ich musste alle Einrichtungen abklappern, bis ich einen Platz für meinen Sohn hatte.“ Und auch gleich ihr erstes ehrenamtliches Engagement. So sollte es weitergehen in den kommenden Jahren.

Waren es zu Beginn die eigenen Interessen, die im Fokus standen, entwickelte sich die Initiative von Maria Herrmann immer mehr zur Herzensangelegenheit für die Entwicklung Bad Oldesloes. „Mich treibt mein Gerechtigkeitsempfinden an“, erzählt sie an einem ihrer Lieblingsorte, dem Nachbarschaftstreff am Schanzenbarg, den sie als Quartiermanagerin ins Leben gerufen hat. Zudem müsse sie den Dingen auf den Grund gehen, wissen, was sich dahinter verbirgt. Was wohl auch einer der Gründe war, warum sie Informationswissenschaften studiert hat. „Mich treibt an, Dinge genauer zu verstehen.“ Um sich dann auch auf eine Lösungssuche zu begeben. Ein Leitsatz, den sie übernommen hat: „Sagen Sie nicht, es geht nicht, sondern fragen Sie sich, wie es geht.“

Es sind die Menschen in Bad Oldesloe, die für sie die Stadt so schön machen und sie dahin gebracht haben, wo sie heute steht. „Es sind die Menschen, die mir hier begegnen“, erzählt sie und spricht beispielsweise von einem Klaus Klingner, dem ehemaligen Justizminister des Landes, den sie bei ihrem Einsatz gegen die Bebauung des Steinfelder Redder kennengelernt hat. Herrmann hatte ein bestimmtes Bild von ihm im Kopf, um in der persönlichen Begegnung zu erkennen, dass dieses Bild nicht stimmt.

Das Schöne sei, und das gelte nicht nur für den Einsatz damals am Steinfelder Redder, sondern für viele andere Themen und Projekte, „dass dabei Menschen zusammengebracht werden, die sonst nichts miteinander zu tun haben“. Herrmann hätte sonst auch nicht Hagen von Massenbach kennengelernt, der von der SPD zum Bürgermeisterkandidaten aufgebaut wurde, gegen Tassilo von Bary 2010 dann aber unterlag. Von Massenbach war einer der „Menschen, die mich begeistert haben“. Über ihn ist sie letztlich in die Politik gekommen. „Er hatte mich in einem Hauptausschuss angesprochen, in dem ich als Bürgerin saß“, erzählt Herrmann. „Ich hatte ihn noch gewarnt, dass ich nicht so diplomatisch bin. Und das klingt jetzt so negativ, aber ich habe eine grundsätzliche Skepsis, übrigens auch Autoritäten gegenüber.“ Das hat ihr bis heute nicht immer Sympathien eingebracht. Bürgerliches Mitglied im Bau- und Planungsausschuss wurde sie damals trotzdem. Und lernte schnell. Auch, dass es unklug ist, persönlich zu werden, dass es besser ist, im Sachthema zu bleiben.

Heute ist sie selbst diejenige, die Menschen zusammenbringt, „das ist mein Credo“. Wie beispielsweise als Quartiermanagerin von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf im Schanzenbarg und am runden Tisch für die Flüchtlingshilfe. „Denn dann kann man etwas verändern.“

Sie wollte sich auch als Bürgermeisterin in Bad Oldesloe einbringen, um die Stadt weiterzuentwickeln. Scheiterte aber. „Dass ich das Amt nicht bekommen habe, da bin ich jeden Tag froher darüber. Aber das Ergebnis und warum das so gekommen ist, das treibt mich um und lässt mich nicht los. Das steckt man nicht so leicht weg.“ Darüber grübelt sie noch nach. Und glaubt, dass es vielleicht auch daher kommt, dass viele der Bürger nicht unterscheiden zwischen Verwaltung und Politik. „Es ist eine Gefahr für die Demokratie, wenn wir nicht mehr Erkennen, wo Verwaltung Einfluss hat oder Politik.

Vielleicht ist mir auch auf die Füße gefallen, dass ich schon so lange dabei bin.“

Wie dem auch sei: Auch wenn sie den Fraktionsvorsitz in der Stadtverordnetenversammlung abgegeben hat, bleibt sie aktiv in der Stadt. Denn „ich möchte hier alt werden“. An einem Ort, von dem Maria Herrmann sagt, dass sie erst hier, als Erwachsene, ihre großen Entwicklungsschritte getan hat. „Hier habe ich eine völlig neue, andere, offene Welt kennengelernt. Von meiner Erziehung her war ich eigentlich spießig.“ Und schon gar kein Freigeist.

Die Menschen und die Stadt haben sie verändert. „Ich habe die Stadt gleich als sympathisch wahrgenommen. Ich habe eine starke Verbundenheit mit Bad Oldesloe. Es liegt zwischen Hamburg und Lübeck, man kann überall hin und hat hier doch eine schöne Beschaulichkeit.“ Und den Wind, den sie sich gerne um die Nase wehen lässt.

K. Kuhlmann-Schultz

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