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Stormarn Michael Haydn macht Objekte lebendig
Lokales Stormarn Michael Haydn macht Objekte lebendig
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13:12 06.09.2016
Ein Spontanshooting: Der Eichedeer Michael Haydn arrangiert die richtige Beleuchtung für die Aufnahme einer Zange. Quelle: von Dahlen/haydn/hfr
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Eichede

Der in Eichede ansässige Fotograf hat sich auf Werbe- und Industrieaufnahmen spezialisiert und ringt den Produkten, die er auf den Chip bannt, eine möglichst ansprechende Seite ab. In seinem Atelier am Rande des idyllischen Dorfs stehen ihm alle dafür nötigen Hilfsmittel zur Verfügung: riesige Rollen mit verschiedenfarbenen Stoff- oder Papierbahnen, die den passenden Hintergrund liefern, eine ganze Batterie Stative, Reflektoren, Blitzgeräte und andere Leuchtmittel.

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Der Fotograf aus Eichede hat sich auf Werbe- und Industrieaufnahmen spezialisiert.

Für die spontan arrangierte Studioaufnahme der Zange, die seine Arbeitsweise demonstrieren soll, wählt der Fotograf einen leuchtend grünen Untergrund, dezentes Umgebungslicht und einen Spot, der den Blick des Betrachtes auf das Werkzeug lenkt und seine metallene Oberfläche stärker zur Geltung bringt.

„Ich suche immer eine interessante Perspektive, aus der das Gerät besonders vorteilhaft aussieht. Es kommt immer darauf an, Details brillant erscheinen zu lassen. Selbst Materialien wie Kunststoff müssen auf den Fotos hochwertig rüberkommen“, erklärt Haydn. Das ist manchmal schwieriger als der Laie denken mag. Insbesondere Geräte wie sie etwa die Drägerwerke für medizinische Zwecke herstellen, wirken auf den ersten Blick eher nüchtern und wenig spektakulär. Das gleiche gilt für die Brandschutztechnik, die das Oldesloer Unternehmen Minimax produziert. Beide Firmen gehören zu den Stammkunden des Eichedeer Fotografs.

Um es so richtig zur Geltung zu bringen, ließ er etwa das Beatmungsgerät namens Oxylog mit Hilfe effektvoller Beleuchtung wie in einem galaktischen schwerelos dahinschweben.

Ähnlich trickreich gestaltete sich das Fotoshooting für eine Maske für Atemschutzgeräteträger von Minimax. „Das Problem bestand darin, dass die aus Gummi bestehende Maske so flexibel ist, dass sie in sich zusammenfällt, wenn sie einfach so daliegt“, erklärt Michael Haydn. Um sie plastisch fotografieren zu können, musste er deshalb eine Konstruktion ersinnen, um sie frei im Raum aufzuhängen, ohne dass ihre natürliche Form verzerrt erscheinen würde. „Das war eine ganz schön fummelige Arbeit“, erzählt der Fotograf. Das sei indes nicht immer so. Manchmal habe er sofort eine zündende Idee, die sich auch schnell umsetzen lasse. In anderen Fällen bedürfe es mehrerer Ansätze, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Michael Haydn, der eine klassische Lehre in seinem Handwerk bei einem sehr routinierten Fotografen im Schwarzwald absolvierte, arbeitete zunächst freiberuflich und richtete sich 1994 sein eigenes Studio in Eichede ein. „Hier habe ich meine Ruhe“, sagt Michael Haydn.

Aber nicht immer. Von Zeit zu Zeit füllt sich das Atelier mit anderen Kollegen aus der Werbebranche und Mitarbeitern des Auftraggebers. „Je schwieriger das Produkt ist, desto mehr Leute nehmen an dem Foto-Shooting teil“, sagt der Eichdeer. Mit von der Partie sind etwa Produktspezialisten des Herstellers, die darüber wachen, dass charakteristische Merkmale von Geräten optimal herausgearbeitet werden. Bei Aufnahmen von Lebensmitteln wirkt auch schon mal ein Stylist mit, der Wassertropfen auf Obst sprüht, damit es frisch und knackig wirkt. „In diesen Momenten übernehme ich eher die Aufgabe eines Regisseurs, damit alles gut aufeinander abgestimmt funktioniert“, sagt Haydn.

Camera Obscura

Stillleben und Sachaufnahmen im technischen Bereich sind Michael Haydns Spezialgebiete. 1994 baute er sich in Eichede ein eigenes Studio auf, ohne den Trubel einer Großstadt, aber dennoch in erreichbarer Nähe zu den Auftraggebern.

Für den Ausstellungskatalog des Projekts KunstBetriebe nach einer Idee der Lübecker Künstlerin Bettina Thierig fotografierte er Skulpturen. Zwölf Künstler hospitierten dazu in Wirtschaftsunternehmen der Region, um ihre Kunstwerke dort zu gestalten.

Privat widmet sich Michael Haydn einer ganz besonderen fotografischen Apparatur, der Camera Obscura. Dabei handelt es sich um einen Kasten, der bis auf ein Loch komplett abgedunkelt ist.

Die durch die Öffnung einfallenden Lichtstrahlen projizieren eine beleuchtete Szene spiegelverkehrt auf die Rückwand des Kastens. Die einfachste Form der Fotografie.

 Dorothea von Dahlen

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