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Stormarn Hölk-Mieter sauer über hohe Nebenkosten
Lokales Stormarn Hölk-Mieter sauer über hohe Nebenkosten
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11:21 28.01.2019
Ärgern sich über eine ungerechte Betriebskostenabrechnung: Willi Bauer, Mieterberater Gerd Finck, Anna Bauer und Dirk Pelzer (v. l.) Quelle: Foto: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Viele Mieter aus dem Oldesloer Hölk haben keinen Kabelempfang, werden dafür aber von der Verwaltung der Adler Real Estate AG zur Kasse gebeten. Bei den Betriebskostenabrechnungen schlägt das voll zu Buche. Zudem fragen sich etliche Bewohner der Hochhäuser, ob die aktuelle Nebenkostenabrechnung stimmen kann. Sie erscheint oftmals zu hoch und alles andere als plausibel. Anlass zur Sorge ist für viele auch die Mieterhöhung.

Satellitenschüssel keine Lösung

„Unser ganzer Aufgang ist betroffen“, beschwert sich Dirk Pelzer, der seit 13 Jahren im Hölk wohnt. In seiner Wohnung fehlten auch Rauchmelder, die eigentlich heutzutage Standard seien. Anna und Willi Bauer, die getrennt in verschiedenen Stockwerken wohnen, fühlen sich ebenso abgehängt und zu Unrecht um ihr Geld gebracht. „Wir alle leiden darunter. Es wurden keine Dosen gesetzt und keine Kabel verlegt, zahlen sollen wir aber trotzdem“, sagt er. Seiner Ex-Frau sei von der Hausverwaltung das Angebot gemacht worden, sie könne sich einen Receiver im Wert von 150 Euro kaufen, der später mit dem Mietkonto verrechnet werde. „Aber was nützt das? Man braucht dazu ja eine Satellitenschüssel und die kostet auch wieder Geld und man braucht einen Fachmann, der sie einrichtet. Und wie sieht es aus, wenn auf jedem Balkon ein solches Teil steht? Abgesehen davon ist der Empfang bei starkem Wind auch nicht optimal“, sagt der Oldesloer.

Miete wegen Mangels gekürzt

Anna Bauer selbst hat schon alle Register gezogen, um die Verwaltung zur Korrektur der Betriebskosten zu bewegen. Sie erhielt Hilfe von Gerd-Günther Finck, der Mietern mit Problemen im Oldesloer Mehrgenerationenhaus Oase Tipps gibt. Er schaltete sich ein, nachdem sie die Adler AG erfolglos zur Rückbuchung der zu viel gezahlten Beträge aufgefordert hatte. Bereits im März 2018 hatte er den Mangel gerügt und eine Frist von vier Wochen gesetzt, ihn zu beheben. Da wieder nichts passiert war, kürzte Anna Bauer die Miete um zehn Prozent. „Das ist bei schlechtem oder gar keinem Fernsehempfang berechtigt. Dazu gibt es ein Gerichtsurteil“, erklärt Finck.

Adler AG will Guthaben behalten

Statt den Mangel anzuerkennen und die Betriebskosten auf ein realistisches Maß zurückzufahren, schickt die Hausverwaltung Anna Bauer unverdrossen weiter Mahnungen. Doch damit nicht genug: In der Betriebskostenabrechnung von Dezember ist nach wie vor der Posten Kabelfernsehen mit stolzen 106,61 Euro gelistet. Im Begleitschreiben dazu heißt es, dass die Mieterin eigentlich 335,38 Euro Nebenkosten zu viel gezahlt hat und deshalb Anspruch auf eine Gutschrift hat. Doch der Nachsatz versetzt die Oldesloerin in Rage. „Voraussetzung für die Auszahlung ist natürlich immer, dass Ihr Mietkonto ausgeglichen ist. Andernfalls nehmen wir eine Verrechnung vor.“

Frust über Nebenkosten wächst

Der Frust über fehlerhafte und ungerechte Betriebskostenabrechnungen greift im Oldesloer Hölk ohnehin um sich. Wie Maria Herrmann von der Gruppe „Plan B“ berichtet, deren Mitglieder versuchen, die Lebensbedingungen in den seit Jahren stark vernachlässigten Hochhäusern zu verbessern, sind etliche Mieter nicht damit einverstanden. Dabei geht es nicht nur um ungerechtfertigte Kabelgebühren. Einige Bewohner werden offenbar mit horrenden Nachzahlungen belastet. „Für eine 34 Quadratmeter-Wohnung sollen 665 Euro nachgezahlt werden, obwohl der Mieter für die Heizkosten schon monatlich Abschläge von 80 Euro geleistet hat“, berichtet Herrmann. In einem parallelen Fall seien es 802 Euro für eine 52-Quadratmeter-Wohnung. Diese Zahlen seien nicht plausibel. Eine einzelne Person könne so hohe Kosten gar nicht verursachen, sagt die Oldesloerin.

Sozialbehörden wälzen zu hohe Kosten ab

Mieter, deren Wohnungskosten von Jobcenter oder Sozialamt übernommen werden, sind Herrmann zufolge in einer besonders verzwickten Lage. Die Behörden weigerten sich, die über das übliche Maß hinaus gehenden Summen zu übernehmen und wälzten sie auf die Mieter ab. Im Streit um ihr Recht gegenüber der Adler AG, die zu hoch angesetzten Nebenkosten zurückzubekommen, würden Letztere allein gelassen. Zu beklagen sei aber auch die mangelnde Zahlungsmoral der Immobiliengesellschaft. So warteten immer noch Mieter auf die Auszahlung ihrer Guthaben. Und das treffe Familien, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen seien ebenfalls hart. Sie müssten den Behörden glaubhaft nachweisen, noch keine Erstattung erhalten zu haben. Gelinge dies nicht, seien sie gezwungen, den Betrag anstelle der Adler Real Estate auszulegen.

Miete bereits zwei Mal erhöht

Für Ärger sorgt zudem, dass die Miete in den Hochhäusern im Hölk erhöht wurde. Die Hausverwaltung selbst behauptet im Schreiben an die einzelnen Parteien zwar, dass damit nicht die Kappungsgrenze erreicht sei, doch wie Gerd-Günther Finck anhand der Unterlagen von Anna Bauer berechnet hat, musste sie bereits im Februar 2017 für ihre Knapp 45 Quadratmeter große Wohnung rund 24 Euro mehr zahlen. Auch „Plan B“ ist offenbar zu einem anderen Ergebnis gelangt. „Wir haben herausgefunden, dass binnen drei Jahren zwei Mal erhöht wurde. Das macht sehr wohl 20 Prozent aus“, sagt Herrmann.

Ohne Zustimmung droht die Klage

Herrmann warnt indes Mieter davor, sich nun komplett zu widersetzen und die Zustimmung zu verweigern. „Dazu ist man als Mieter erst einmal verpflichtet. Unterschreibt man nicht auf dem Formular, hat man schnell ein Klageverfahren an der Hacke und setzt sich selbst ins Unrecht“, sagt sie. Das bestätigt auch der Interessenverband Mieterschutz. Demnach muss die Zustimmung spätestens nach zwei Monaten erfolgt sein. Als Druckmittel zur Beseitigung von unhaltbaren Mängeln in der Wohnung taugt die Verweigerung ebenso wenig und zieht ebenso rechtliche Konsequenzen nach sich.

Um dem Wohnungsunternehmen die Gelegenheit zu geben, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen, versuchten die LN Kontakt zur Adler Real Estate aufzunehmen. Doch weder schriftliche noch telefonische Anfragen wurden beantwortet.

Immobilien-Gigant

Die Adler Real Estate AG gehört zu den führenden Immobilienunternehmen in Deutschland. In den vergangenen Jahren ist das börsennotierte Unternehmen durch Übernahme von Immobilienportfolios und Anteilen an Immobilienunternehmen rasch gewachsen. Diese Transaktionen vollziehen sich über diverse Objektgesellschaften und sind nicht leicht nachvollziehbar. Laut dem Geschäftsbericht von 2017 erwarb die Adler AG im September 2017 über eine Zwischenholding namens Magnus Elfte Immobilienbesitz GmbH 94 Prozent der Anteile an der AFP II mit Sitz in Luxemburg. Diese ist unter anderem Eigentümerin der Hölkhochhäuser, wie den Mietern Ende 2017 mitgeteilt wurde.

Bundesweit gehören dem Unternehmen Adler mittlerweile mehr als 62 000 Wohneinheiten, die vornehmlich im Norden und Westen Deutschlands liegen. Der Wohnungsbestand soll nach eigenen Angaben überwiegend auf Dauer gehalten und bewirtschaftet werden. Neue Geschäftszahlen will das Unternehmen am 28. März bekannt geben.

Dorothea von Dahlen

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