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Stormarn Migranten als neue Fachkräfte gewinnen
Lokales Stormarn Migranten als neue Fachkräfte gewinnen
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22:34 06.11.2013
„Deutschland hat viel zu lange eine restriktive Einwanderungs- politik betrieben.“ Inka de Pedraza
Ahrensburg

„Biete Ausbildungsplatz in freundlicher Atmosphäre mit Wohnung und Sprachkurs für Fachkräfte aus dem Ausland“ — auf diesen Nenner lässt sich eine Entwicklung bringen, die beim Business-Talk der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe im Ahrensburger Marstall vorgestellt wurde. Unter der Überschrift „Zuwanderung als ein Weg zur Fachkräftesicherung — Chancen und Herausforderungen“ stellten Fachleute die neueste Arbeitsmarktentwicklung vor und gaben einen Ausblick auf den Arbeitsmarkt der Zukunft. Zwischendrin sorgte das Improvisationstheater „Comedy Company“

für Entspannung.

Entspannt sieht eigentlich auch der Arbeitsmarkt aus, denn Stormarn hat nur vier Prozent Arbeitslosigkeit. Für Unternehmer geht damit aber die Frage einher, wo sie gute Arbeitskräfte finden sollen.

„Auf dem globalen Markt“, sagt Berufsforscher Professor Dr. Herbert Brücker aus Nürnberg. Neben Spanien und Portugal, in denen teils 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit herrschten, seien das viel mehr noch Rumänien, Bulgarien, aber auch China und Vietnam, aus denen Arbeitswillige statt wie früher nach Spanien nun nach Deutschland auswanderten. „Früher war Migration ein Problem, heute ist sie eine Chance gegen den Fachkräftemangel“, so Brücker. Damit gehe auch eine veränderte Aufgabe der Arbeitsagenturen einher. Wo bislang versucht werde, arbeitslose Menschen zurück in den Beruf zu bringen, wandele sich die Aufgabe hin zur Arbeitsvermittlung.

Brücker hat 15 Jahre die Migration auf dem Arbeitsmarkt erforscht. „Mit dem demographischen Wandel wird es immer mehr ältere Arbeitnehmer geben“, sagt er, „auf dem Ausbildungsmarkt wird es eng.“

Engpässe gebe es jetzt schon in den Gesundheits- und Pflegeberufen, bei Ingenieuren und bei Technikern. „Bis 2050 wird es 40 Prozent weniger Erwerbspersonen in Deutschland geben. Zuwanderung ist da ein wichtiger Hebel bei der Stellenbesetzung.“

Die Zuwanderung sei aber vor allem nötig, um den Sozialstaat halten zu können. Hier profitiere Deutschland von der Krise: „2000 bis 2010 sind 96 000 Personen eingewandert, im Jahr 2012 waren es 369 000.“ Das sei keine Armutszuwanderung, die die Sozialkasse belaste, sondern es kämen gut ausgebildete Fachkräfte, die die Rentenkasse durch ihre Arbeit füllen. „43 Prozent der Zuwanderer haben einen Hochschulabschluss“, betont der Fachmann. „Deutschland hat viel zu lange eine restriktive Einwanderungspolitik betrieben.“

Dafür setzt sich Inka de Pedraza vom Internationalen Personalservice der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung Bonn ein. „Wir gucken, wo Bedarf in Deutschland ist, melden die freien Stellen vorrangig in Spanien und Italien und laden Bewerber ein.“ Begleitet werde das Ganze mit einem Förderprogramm. Neben Sprachkursen gibt es Einführungen in die deutsche Kultur und vor allem eine persönliche Betreuung: „Wir brauchen eine Willkommenskultur, die den ausländischen Arbeitskräften hilft, sich in Deutschland einzuleben.“

Da geht Lübeck mit „Moin Espana“ bereits den richtigen Weg. „Wir haben 22 Spanier für Ausbildungsplätze in Deutschland ausgewählt“, berichtet Andreas Katschke von der Handwerkskammer Lübeck.

„Auszubildende werden in Zusammenarbeit mit der Deutsch- Spanischen Gesellschaft intensiv betreut. Wir brauchen Kümmerer.“ Dass man Kümmerer auch für diejenigen brauche, die bereits in Deutschland sind, aber noch keine Arbeit haben, betonte Dr. Heike Grote-Seifert von der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe. „Hier kümmert sich die Gesellschaft zu wenig. Wir wollen alle Gruppen in den Arbeitsmarkt integreren."

Bettina Albrod

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