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Milchbauern protestieren gegen ruinösen Preisverfall

Bad Oldesloe Milchbauern protestieren gegen ruinösen Preisverfall

Landwirt Jürgen Teege: Die Produktionskosten fressen die Erlöse inzwischen auf.

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Protestierten gestern gegen die stark gesunkenen Milchpreise an der Bundesstraße 208: Skrolan Starke, Heiko Stuhrmann, Ben Unruh, Jürgen Teege, Flemming Sand, Bernd Ellerbrock, Henning Stamer und Caroline Teege.

Quelle: Fotos: von Dahlen

Bad Oldesloe. Es schüttete ganz ordentlich, als sich die Milchbauern gestern zu einer Protestkundgebung beim Oldesloer Kreisverkehr an der B 208 zusammenfanden. Und das hatte durchaus Symbolcharakter. Denn die Landwirte klagen, dass Agrarminister von Bund und Land sie sprichwörtlich im Regen stehen lassen. Niemand wolle politische Verantwortung dafür übernehmen, dass sich die Milchpreise derzeit auf einem dramatischen Tiefpunkt befinden.

„Seit über zwölf Monaten bekommen wir für einen Liter Milch nur noch 30 Cent, ganz aktuell liegt der Preis sogar noch darunter“, berichtete Bauer Jürgen Teege aus Travenbrück. Das stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, die mit der Milchviehhaltung einhergehen. Mit dem Kauf von Futter sei es ja längst nicht getan. Hinzu kämen Ausgaben für den Tierarzt, für den Erhalt von Technik und Gebäuden oder Neuinvestitionen und nicht zu vergessen Aufwendungen für die Altersvorsorge, Steuern und Sozialversicherung. Viele Milchviehhalter wüssten deshalb nicht mehr, wie sie ihren finanziellen Verpflichtungen überhaupt noch nachkommen sollen.

„Die Kosten fressen die Erlöse, die wir zurzeit erzielen, komplett auf“, fuhr Teege fort. Aufs ganze Jahr gerechnet, verzeichneten Milchbauern derzeit ein Defizit von 1000 Euro pro Kuh. Das treibe inzwischen schon viele Landwirte in die Knie.

Laut Teege, der im Bund Deutscher Milchbauern (BDM) organisiert ist, sind sämtliche Verhandlungen mit der Politik bis dato gescheitert. Selbst ein Runder Tisch, an dem Anfang Dezember die Amtschefs und Staatssekretäre der Länderagrarministerien teilnahmen, habe keine Lösung des Problems gebracht. „Die Botschaft war stattdessen: Wir sind nicht zuständig. Jetzt geht das Ganze erst einmal weiter an die EU. Das ist ein Spiel auf Zeit. Aber die Zeit haben wir nicht“, klagt der Travenbrücker.

Ihm zufolge schlägt der BDM vor, den Bauern Anreize zu geben, dass überschüssige Milchmengen erst gar nicht produziert werden. Dazu seien auch die Bauern in Stormarn bereit, sagt Teege. Nur die Politik sperre sich, der inflationären Entwicklung ein Ende zu bereiten.

Als Ausweg aus der Krise schwebt dem BDM ein Kontrollsystem vor, das tagesaktuell die produzierten Milchmengen überprüft, um die Preise entsprechend steuern zu können. Eine Monitoring-Stelle, die solche Daten erfasst, gibt es laut Teege schon. Jetzt sei es Zeit, dem Preisverfall mittels dieses Instruments endlich zu stoppen.

Bad Oldesloe war übrigens gestern nicht der einzige Ort, an dem die Milchbauern ihrem Protest Luft machten. Auch in Segeberg, dem Herzogtum Lauenburg und anderen Kreisen in ganz Deutschland gingen Landwirte auf die Straße.

DREI FRAGEN AN . . .

1 Was bedingt aus Ihrer Sicht den Preisverfall? Die Kosten für Energie, Futter und Betriebsmittel sind stark angestiegen, zum anderen sind die Erlöse um bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Erschwerend kommen verschärfte gesetzliche Auflagen wie Silagelagerung oder Ausbringungsverbote hinzu, die es in Ländern wie Irland so nicht gibt. Das verteuert die Produktion hierzulande. Nicht, dass ich die Vorschriften grundsätzlich für schlecht halte. Nur sie müssten überall gelten. Wesentlich haben auch politische Veränderungen zum Preisverfall der Milch beigetragen.
2 Um welche handelt es sich? Das Russland-Embargo hat dazu geführt, dass das Land als Gegenreaktion Lebensmittel aus der Europäischen Union boykottiert. Und Russland war ein sehr wichtiger Markt. Auswirkungen hat aber auch die Preisentwicklung von Rohstoffen weltweit. Da Rohöl derzeit sehr billig gehandelt wird, haben die exportierenden Länder zurzeit kein Geld, unsere Erzeugnisse zu importieren. Auch China und Indien schwächeln. Das waren alles wichtige Abnehmerländer.
3 Sehen Sie eine Möglichkeit, die Preise zu stabilisieren?
Ich fürchte, es wird sich nichts bewegen. Der Plan der Milchbauern, das Preissystem zu kontrollieren, hört sich wunderbar an. Eine Marktbeobachtungsstelle legt die Preisschwelle fest, ab der für nicht erzeugte Milch ein Bonus gezahlt wird. Wo das Geld herkommen soll, sagen die Milchbauern aber nicht. Im Übrigen stützt dieses System vornehmlich die großen Betriebe, da die Stückkosten entscheidend sind für die Höhe des Ausgleichs. Deshalb ist der Kreisbauernverband gegen einen solchen Eingriff in den Markt. Aber wir haben leider auch keine Alternativlösung, mit der der Preis wieder nach oben gehen könnte.

Dorothea von Dahlen

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