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Stormarn Mit Ingo Hartung auf „Pilzjagd“
Lokales Stormarn Mit Ingo Hartung auf „Pilzjagd“
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19:52 13.09.2014
Geschmacklich am wertvollsten: Maronenröhrlinge sind die beliebtesten Speisepilze.
Hammoor

Zum Pilzesammeln braucht es nicht viel: festes Schuhwerk, ein Körbchen, ein Taschenmesser und Ahnung. Ahnung hat Ingo Hartung mehr als genug. Der Pölitzer ist anerkannter Pilzexperte und widmet sich seit 48 Jahren in seiner Freizeit den Frauentäublingen, Rotkappen, Goldröhrlingen, Perlpilzen oder Hallimaschen. In Seminaren an den Volkshochschulen in Bargteheide und Bad Oldesloe gibt er sein fundiertes Wissen weiter.

„Pilze zu sammeln, ist wieder in“, sagt Hartung, als er durch das Unterholz im Beimoorwald bei Hammoor kraucht. „Die Leute haben festgestellt, dass die Pilze aus dem Supermarkt doch etwas ganz anderes sind als die aus dem Wald“, erzählt der 58-Jährige. „Der Nährwert von Waldpilzen entspricht dem unseres Gemüses. Wir essen damit Natur pur.“ Sein Blick wandert währenddessen suchend über den Boden. Entdeckt hat er zwischen Laub und Totholz bisher noch nichts Essbares. „Hier ist absoluter Stillstand“, sagt er stirnrunzelnd. „Wir sind eigentlich zu früh. Ich denke, in zehn Tagen explodiert hier alles.“

Fünf Wochen dauert die Pilzsaison, wenn sie denn begonnen hat. „Die Hauptzeit ist dann, wenn Masse und Vielfalt stimmen“, erklärt der gebürtige Thüringer. „Ich ermuntere meine Seminarteilnehmern immer, nicht nur Maronenröhrlinge zu sammeln, sondern sich auch an andere Pilze zu wagen. Man kann ein Waldgebiet nämlich auch totsammeln.“

Dabei beginnt sein persönliches Sammlerglück an diesem sonnigen Vormittag ausgerechnet mit Maronenröhrlingen. Sie ragen aus dem feuchten Boden unter dem Nadelstreu hervor. Auch nach Jahrzehnten der Pilzleidenschaft kann Ingo Hartung sich über jedes einzelne Exemplar freuen. Bei einem Maronenröhrling bleibt es nicht. „Da ist noch einer und da“, sagt er freudig. Ruckzuck liegen zehn Pilze in Bodenhöhe abgeschnitten und gesäubert im Korb. An anderer Stelle im frischen grünen Moos finden sich weitere.

„Und da haben wir etwas ganz Tolles, ein Rotfußröhrling, ein sehr schmackhafter Speisepilz. Wir haben ja doch schon einiges hier. Interessant . . .“, sagt Ingo Hartung eher zu sich selbst.

Ein wenig weiter entdeckt er einen Goldröhrling und zeigt auf den nebenstehenden Baum. „Der lebt in Symbiose zur Lärche.“ Und den hübschen, leckeren Birkenpilz, den der Fachmann aus der Entfernung ausmacht, den findet man auch nicht alle Tage.

Wer mit Ingo Hartung in den Wald geht, sammelt nicht nur Pilze, der erhält auch Naturkundeunterricht par excellence. Da hüpft ein Grasfrosch unters Laub, hoch oben am Himmel geben die ziehenden Kraniche Laut — zu allem hat der Mann etwas zu sagen. „Ich flechte das immer in meine Seminare ein“, sagt er lachend.

Zwischendurch geht es auf seinem Streifzug aber auch durchaus ernsthaft zu. 2000 Pilzvergiftungen gibt es jedes Jahr bundesweit, manche enden tödlich. So kommt es immer wieder zu Verwechslungen von Speisepilzen und ihren giftigen Doppelgängern wie etwa Champignon und Knollenblätterpilz. „Vielen ist auch nicht bewusst, dass Pilze und Alkohol sich nicht immer vertragen“, erzählt Hartung. Er berichtet von einem Kurs-Teilnehmer, dem es nach dem Verzehr einer Waldpilzpfanne und drei Gläsern Rotwein hundeelend ging und der später behauptete, trotz Aufklärung zu Seminarbeginn von nichts gewusst zu haben.

„Seitdem gibt es von mir eine Alkoholbelehrung, die quittiert wird“, sagt der Experte, „ich komme ja sonst noch in Teufels Küche.“

Bestimmungskurse ganz ohne App
Der Kursus „ABC des Pilzesammelns“ mit Ingo Hartung an der VHS Bargteheide ist längst ausgebucht. In Bad Oldesloe sind aber noch Plätze frei. Am Mittwoch, 8., oder Donnerstag, 16. Oktober, geht es jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr zum Pilzesammeln. Inhalt der Exkursion sind Bestimmungsmerkmale und Informationen zur Belastung von Waldpilzen. Das Sammelgebiet ist der Drahtteich bei Trittau. Anmeldungen bei der VHS Bad Oldesloe, Königstraße 33, Telefon 045 31/50 41 40 oder online unter www.vhs-od.de.

Der Pilzatlas Deutschlands zählt mehr als 5000 Großpilzarten, von denen etwa zehn Prozent zu den essbaren Speisepilzen gerechnet werden. In Schleswig-Holstein sind mehr als 3950 Pilzarten repräsentativ. Von den 200 Giftpilzarten, die es im Norden gibt, können zehn tödlich sein. Wegen zunehmender Vergiftungszahlen raten Experten vom Giftinformationszentrum Nord in Göttingen davon ab, mit Hilfe von Smartphone-Apps Pilze zu bestimmen. „Wenn ich nicht weiß, was es ist, bleibt der Pilz stehen“, mahnt auch Ingo Hartung.

Verena Bosslet

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