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Mit Mundschutz auf die Kapverden

Bad Oldesloe Mit Mundschutz auf die Kapverden

Junge Zahnarzthelferin berichtet über ihre Erfahrungen beim Einsatz für „Zahnärzte ohne Grenzen“.

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„Ich hatte auch ein super Team. Wir haben uns sehr gut verstanden.“Mona Hettmann

Bad Oldesloe. Reger Andrang herrschte mitunter auch an ihrem heimischen Arbeitsplatz. Doch was die junge Zahnarzthelferin jetzt während einer freiwilligen Hilfsaktion auf den Kapverdischen Inseln erlebte, brach mit Abstand alle Rekorde. „Unser Wartezimmer war immer brechend voll“, erzählt Mona Hettmann aus Bad Oldesloe, die einem Team von „Zahnärzte ohne Grenzen“ auf Zeit assistierte.

LN-Bild

Junge Zahnarzthelferin berichtet über ihre Erfahrungen beim Einsatz für „Zahnärzte ohne Grenzen“.

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Die Erfahrung, tatsächlich gebraucht zu werden, bestärkte die junge Oldesloerin darin, das ihre Entscheidung richtig war, den Urlaub sausen zu lassen und stattdessen den wenig begüterten Menschen dieses strukturschwachen Inselstaats zu helfen. Dass jemand nörgelt, weil sich die Behandlung des Vorgängers hinzieht, wie es mitunter in deutschen Praxen passiert, wäre dort undenkbar. „Die Patienten sind alle sehr nett, höflich und vor allem dankbar“, sagt Mona Hettmann.

Sie half Füllungen zu legen, eine für hiesige Verhältnisse ganz normale, auf den Kapverden allerdings kaum realisierbare Behandlung. Denn die örtlichen Zahnärzte verfügen gar nicht über die technische Ausstattung, um komplexere Therapien anzuwenden. „Sie haben nur die Möglichkeit, Zähne zu ziehen“, erzählt die 32-Jährige. Das dann unvollständige Gebiss führe aber letztlich zu weiteren Erkrankungen, weshalb die zahnerhaltende Behandlung so enorm wichtig sei.

Mit dem Umstand, dass keine funktionierende Gerätschaften vorhanden sind, müssen sich auch die „Zahnärzte ohne Grenzen“ abfinden. Ein Teil des benötigten Materials wie Füllungen, Bohrer und anderes mobiles Zubehör bringen sie stets selbst aus Deutschland mit. Die sperrige Praxeneinrichtung muss allerdings zu Hause bleiben. „Aber die Not macht erfinderisch“, sagt Mona Hettmann. Höhenverstellbare Zahnarztsessel wie in Deutschland gibt es auf den Kapverden nun einmal nicht. So muss eben eine normale Liege für die Behandlung reichen. Statt des sonst üblichen OP-Lichts schaltet der Zahnarzt eine Stirnlampe an, um Karieslöchern besser auf die Spur zu kommen. Zum unerreichbaren Luxus gehören auch Mundspülbecken und manchmal musste Mona Hettmann auch Wasser in einer Spritze aufziehen, um den Bohrer zu kühlen, wenn die Automatik wieder einmal versagte.

Abends und an den Wochenenden hatte aber auch Mona Hettmann Zeit, sich auf der Insel umzusehen, auf der andere Deutsche im Normalfall eher Urlaub machen als arbeiten. „Das Wetter war super. Wir hatten 28 Grad und nur Sonne. Allerdings wehte der Wind ständig“, berichtet die Zahnarzthelferin. Untergebracht war sie in einem Stadtteil, in dem die Menschen schon im Vergleich zu anderen Gegenden besser situiert waren.

So komfortabel wie in hiesigen Verhältnissen lebt es sich dort aber auch nicht. Beim Duschen heißt es etwa, Augen und Mund fest verschließen, da das Wasser stark von Bakterien verseucht ist. Zum Abwaschen musste es unbedingt abgekocht werden, um Infektionen zu vermeiden. Zuweilen brach die Wasserversorgung aber auch ganz zusammen. Wann ein Monteur eintreffen würde, um alles zu reparieren, blieb lange Zeit unklar. „Ach ja, und die ganze Nacht bellen hier die Straßenhunde. Von denen gibt es gefühlt mehr als Menschen“, erzählt die Oldesloerin.

Um viele interessante Erfahrungen und Eindrücke reicher ist Mona Hettmann inzwischen wieder in heimischen Gefilden gelandet. Ihre Benefiz-Aktion hat die 32-Jährige nach eigenem Bekunden keinen Tag bereut. „Die Eingewöhnung ging ganz schnell. Ich hatte auch ein super Team. Wir haben uns sehr gut verstanden“, schwärmt Mona Hettmann.

Abgesehen vom herzlichen Wiedersehen mit Familie und Freunden — am meisten hat sich die Oldesloerin nach ihrer Ankunft über ein langes, ununterbrochenes Duschbad gefreut. Und das hatte sie sich auch mehr als verdient.

Von Dorothea von Dahlen

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