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Mit Pfeil und Bogen mentale Probleme besiegen

Kloster Mit Pfeil und Bogen mentale Probleme besiegen

Nütschau – Bogenschießen hilft beim Meditieren. Im Kloster Nütschau bringt Bruder Josef es Menschen bei, die ihre Mitte suchen.

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Bruder Josef van Scharrel lehrt im Kloster Nützschau Meditation mit Pfeil und Bogen.

Stormarn. Der Bogen wird angehoben, der Pfeil eingelegt, die Sehne gespannt – und dann trifft der Pfeil den Schützen selber im Innersten. Meditatives Bogenschießen heißt die Kunst der Selbstbetrachtung und inneren Einkehr, die der Benediktinermönch Bruder Josef (50) im Kloster Nütschau lehrt. „Man zielt nicht auf die Mitte der Zielscheibe, sondern auf die innere Mitte“, beschreibt er die Arbeit mit Pfeil und Bogen, die zum Mittler der Meditation werden. Seit 2011 bietet er Kurse an, und die Zahl der Interessenten wächst stetig.

„In der westlichen Welt sieht man Pfeil und Bogen in erster Linie als Waffe oder als Sportgerät“, sagt er, „in Asien war das Bogenschießen immer schon auch Meditation. Das Zen-Bogenschießen dient der Vollendung der eigenen Erkenntnis.“ Bruder Josef hat es 2003 für sich entdeckt, als er fünf Jahre lang eine therapeutische Ausbildung gemacht hat. „Beim Bogenschießen geht es um richtiges Atmen, um Konzentration, um Spannung und Entspannung und um Loslassen können“, beschreibt er die Wirkung der Übungen, die er im Kursus durchexerziert. „Vom Bogen in die Hand nehmen bis zum Loslassen des Pfeils geht man den meditativen Weg.“

An dessen Ende wartet kein aufgespießtes Kaninchen, denn das Schießen auf Lebewesen und Bäume ist tabu. Das Ziel ist eine unmarkierte Scheibe, die die Pfeile auffängt, die innerlich treffen sollen. „Schütze, Ziel und Bogen werden eins“, sagt der Benediktiner, der vor 23 Jahren nach Nütschau kam. „Die Japaner beschreiben den Bogen so, dass sein eines Ende in den Himmel ragt, das andere in den Boden und dass der Pfeil die sichtbare und die unsichtbare Zielscheibe trifft.“ Wer zu seinen Kursen kommt, das sind Suchende: „Alles Menschen, die eine Form suchen, um ein bisschen zu sich selber zu kommen. Das gelingt, wenn man sich auf den Weg des Bogens einlässt.“Das Bogenschießen transportiert einen inneren Vorgang nach außen, und dabei machen Menschen zwischen 30 und 60 Jahren mit, Männer wie Frauen, gestresste Manager, Menschen mit Problemen oder Menschen, die aus dem Gleichgewicht sind. „Zu Beginn steht eine Meditation im Sitzen, die auf Christus ausgerichtet ist“, schildert Bruder Josef sein Vorgehen. Nach den Bogenübungen folgt am Ende „Der eine Schuss“. „Alle sitzen schweigend da, und jeder hat einen einzigen Schuss. Wenn er das Gefühl hat, dass es soweit ist, steht er auf, schießt den Pfeil ab und setzt sich wieder hin.“ Darüber vergeht manchmal mehr als eine Stunde, aber der Erfolg hält viel länger.Der Bogen, so Bruder Josef, sei der Lehrmeister, dem Bogen könne man nichts vormachen. „Wenn ich morgens aufstehe und einen Schuss mache, merke ich: Du bist bei Dir oder auch nicht.“ Seit sechs Jahren begleitet ihn sein Bogen, den er unter allen anderen zuverlässig erkennt. „Man entwickelt eine besondere Beziehung zu seinem Bogen, das ist wie bei einem Musikinstrument“, weiß der Lehrer. Deshalb lernen die Seminarteilnehmer als erstes den Bogen kennen. Der wird angefasst, gespannt und losgelassen, und dazu lehrt der Benediktiner Atemtechnik. Am Ende geht es nicht ums Schießen, sondern um das Loslassen des Pfeils. Der Pfeil findet sein Ziel, und das ist nicht immer das, was man im Kopf hat. Viele Menschen erzählen ihm hinterher ihr Erleben. „Wenn ein Prozess im Gange war, erreichen sie Klarheit. Ich habe auch schon erlebt, dass Heilungen stattgefunden haben“, berichtet Bruder Josef. Nicht umsonst hat das Bogenschießen Eingang in die psychosomatische Klinik gefunden, um unter anderem Depressionen, Burn Out und Traumata zu behandeln. Einmal hat der Benediktinermönch eine Woche lang mit dem ganzen Konvent Bogenschießen gemacht, aber dabei geblieben ist nur er: „Das Bogenschießen ist für mich ein Weg, um zur Stille und zur Ruhe zu kommen.“ Das Programm für die Seminare im kommenden Jahr liegt im Kloster Nütschau aus. Mehr unter www.kloster-nuetschau.de im Internet.

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