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Stormarn Mit allen Sinnen auf der Kläranlage
Lokales Stormarn Mit allen Sinnen auf der Kläranlage
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20:23 25.06.2013
War lieber auf Baustellen unterwegs, als im Büro zu sitzen: Klaus-Dieter Herrmann.
Reinfeld

Diese Woche ist Schluss: Klaus-Dieter Herrmann, Leiter der Stadtwerke in Reinfeld, geht in den Vorruhestand.

„Ich bin immer mit allen Sinnen über die Kläranlage gegangen“, erzählt Klaus-Dieter Herrmann, „früher roch es nach Fäkalien. Heute riecht es sauber, rein, wie Waschpulver.“ Früher war der Klärschlamm eine dickflüssige Masse, heute dicken ihn große Zentrifugen stark ein, er riecht jetzt erdig, muffig, weiß der 61-Jährige.

Dass er sich mal so gut bei Wasser und Abwasser auskennen würde, hätte Klaus-Dieter Herrmann nie gedacht: Erst 1986 fing der passionierte Saxophon-Spieler auf der Kläranlage an. „Ich habe als Klärwärter angefangen, eine Ausbildung als Ver- und Entsorger gemacht und den Abwassermeister drangehängt — beides im Fernstudium“, berichtet er. Kein Wunder also, dass er Bescheid weiß, was sich in den vergangenen 26 Jahren hier verändert hat: Ende der 60er-Jahre wurden nur die Grobstoffe mechanisch herausgeholt, dann folgte die erste biologische Reinigungsstufe, die Kohlenstoffverbindungen abbaute. Später installierte Reinfeld eine chemische Reinigungsstufe, die Phosphate und Stickstoffverbindungen abbaut.

1989 bauten die Stadtwerke unter Herrmann die Versuchskläranlage, die seitdem von der Fachhochschule Lübeck genutzt wird: „Wir haben einen erheblichen Mehrwert davon, dass die Studenten Themen für ihre Diplomarbeiten aus dem Bereich der Klärtechnik bekommen. Aber auch andere Themenfelder werden hier abgedeckt, wie die Reinfelder Teiche oder Fragen zum Kanalsystem“, sagt der Stadtwerke-Chef.

Man merkt Herrmann an, dass ihm die Zusammenarbeit ans Herz gewachsen ist. 20 Diplomarbeiten habe er bestimmt schon begleitet, „so was macht mir unendlich viel Spaß."

1996 wurde Klaus-Dieter Herrmann einer der beiden technischen Werksleiter. 2011, als sich sein Kollege in den Ruhestand verabschiedete, übernahm er die alleinige Verantwortung für die Stadtwerke.

Seine jüngste Idee ist es, Energie zur Eigennutzung zu erzeugen: Das Windrad am Wasserwerk in Barnitz versorgt den dortigen Betrieb mit Strom, das Blockheizkraftwerk die Kläranlage. Das neue Wasserrad neben dem Claudiushof soll den Strom für die Verwaltung der Stadtwerke liefern, die gegenüber dem Rathaus gebaut werden wird. Die Photovoltaikanlage, die es seit einem Jahr auf der Immanuel-Kant-Schule und der Sporthalle gibt, wird von den Stadtwerken betrieben und speist ihre Energie ins Netz ein.

Als einen Quantensprung in seiner Zeit bei den Stadtwerken sieht Herrmann aber die Einführung eines Prozessleitsystems: Seit 2007 können die Mitarbeiter jede Leitung, jedes Becken und jeden Messwert sehen, Werte miteinander verknüpfen und die Kläranlage fast ausschließlich technisch, also über einen Computer, fahren. „Meine Sinnesorgane brauch‘ ich nicht mehr so wie früher, ich sitze hier und habe alle Daten auf dem Bildschirm. Das ist die Zukunft, absolut“, sagt der Mann, der in Zukunft seine Nase in andere Dinge stecken kann.

„Ich bin immer mit allen Sinnen über die Kläranlage gegangen. Es roch nach Fäkalien. Heute riecht es sauber, rein, wie Waschpulver.“
Klaus-Dieter Herrmann

LN

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