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Mit dem Blockwagen durch Reinfeld

Reinfeld Mit dem Blockwagen durch Reinfeld

Das Heimatmuseum ist um einen Schatz aus der Stadtgeschichte reicher geworden.

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Der Wagen kann nur von Menschen bewegt werden: Heinz Diedrichsen, Bernd Prange und Friedrich Löding (v. l.) am Herrenteich.

Quelle: Fotos: Thormählen

Reinfeld. „Das ist gar noch so einfach“, sagte Heinz Diedrichsen nach der schweißtreibenden Arbeit. Er zog gestern zusammen mit Bernd Prange und Friedrich Löding einen alten Blockwagen durch Reinfeld. Das mehr als 70 Jahre alte Gefährt gehört jetzt zu den Ausstellungsstücken im Heimatmuseum. Und mit ihm soll die Geschichte lebendig gemacht werden, denn immer mehr Schätze aus Reinfeld rücken in den Fokus Kein Wunder, dass das kleine Fahrzeug mit ziemlicher Kraftanstrengung von der Ahrensböker Straße entlang des Herrenteiches bis zum Neuen Garten bewegt werden musste – stammt es doch aus einer Zeit, als von moderner Servolenkung noch nicht die Rede war. „Es war früher das Fahrzeug des kleinen Mannes“, stellte Bernd Prange fest, der zu den ehrenamtlichen Museumshelfern zählt. Und es stammt aus einer eigenen Produktion – aus der Werkstatt der Familie Behnk. Der 87-jährige Günter Behnk kann sich noch genau erinnern, als das Eichenholz bearbeitet wurde, um den Unterbau anzufertigen. Für den Oberbau wurde dann Tannenholz verwendet.

LN-Bild

Das Heimatmuseum ist um einen Schatz aus der Stadtgeschichte reicher geworden.

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„Im Winter 1946/47 ging es los. Es war ziemlich kalt und ein ganz strenger Winter“, so Günter Behnk. Die ersten Tour führte über den zugefrorenen Herrenteich zum Hünengrab. Da wurde dann das Holz für den heimischen Ofen aufgeladen. Die Seitenteile des rund 1,20 Meter langen und etwa 60 Zentimeter breiten Wagens können entfernt werden. „Und damit war selbst der Transport von ganz langen Holzstämmen möglich“, erläuterte der 87-Jährige. Holz aus den nahen Wäldern zu holen, war zwar auch schon damals verboten, doch die Not der Menschen in der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war größer als die Furcht vor Bestrafung.

Allerdings hatte die Polizei auch den Blockwagen im Blick. An der Rückseite ist noch heute ein so genanntes Katzenauge befestigt, das Licht reflektiert. „Das war nämlich Vorschrift“, so Günter Behnk.

Das Rücklicht stammt nicht aus eigener Produktion. Dafür hatten Vater und Sohn vor gut 70 Jahre alle anderen Teile selbst hergestellt – unter anderem den eisernen Beschlag für die Holzräder.

Günter Behnk absolvierte zu jener Zeit seine Lehre als Schlosser. Er hat seinen Blockwagen zum bisher letzten Mal in den achtziger Jahren eingesetzt: „Da haben wir Komposterde zum Friedhof gefahren.“

„Der Blockwagen ist vermutlich der letzte dieser Art in Reinfeld, und er ist in einem Topzustand“, stellte Bernd Prange fest. Dafür hat der bisherige Eigentümer auch gründlich gesorgt. „Der Wagen stand immer im Trockenen“, betonte Günter Behnk. Das Gefährt war zunächst unlackiert, erst später wurde die rote Farbe auf das Holz gestrichen. Und sie ist noch heute erhalten.

Bernd Prange dankte für diese wertvolle Spende. Sie sei allerdings nicht die erste von Günter Behnk gewesen: „Wir haben von ihm auch schon eine komplette Zimmermanns-Ausrüstung für unser Heimatmuseum bekommen.“ Und der 87-Jährige verfügt eventuell noch über weitere wertvolle Kostbarkeiten.

Zunächst bekommt der Blockwagen einen besonderen Platz im Museum. Günter Behnk hat außerdem eine kleine hölzerne Schubkarre gespendet, die aus dem Jahr 1933 stammt. Er hatte mit diesem Gefährt als Kind Hühnerfutter von der Mühle nach Hause transportiert.

Diese Raritäten aus der Geschichte Reinfelds gewinnen für die Heimatforscher zunehmend an Bedeutung. „In den Ausstellungsräumen des Heimatmuseums sollen nur Objekte zu finden sein, die direkt etwas mit Reinfeld zu tun“, erläuterte Bernd Prange. Und mit dieser Strategie liegen die Initiatoren offensichtlich richtig, denn die laufende Sonderausstellung, bei der es um die Geschichte der Reinfelder Kneipen und Gaststätten geht, stößt mit ihren Exponaten auf großes Interesse. „Wir haben an jedem Öffnungstag zahlreiche Besucher, die dabei auch noch einen Teil ihrer eigenen Geschichte erleben möchten“, so Bernd Prange.

Sonntags geöffnet

Das Heimatmuseum am Neuen Garten 9 ist jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Gruppenführungen sind auf Anmeldung auch zu anderen Zeiten möglich (Telefon 045

33/2073457 oder 8610). Die Ausstellung zu Kneipen und Gaststätten in Reinfeld läuft bis Ende des Jahres. Eine neue Sonderschau wird zurzeit vorbereitet. Inhalt und Thema sind allerdings noch nicht bekannt geworden.

Michael Thormählen

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