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Stormarn Mit der Azubi-Kuh auf Spitzenposition
Lokales Stormarn Mit der Azubi-Kuh auf Spitzenposition
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17:13 30.09.2017
Karen Lienau, ihr Mann Carsten Lienau-Jöhnk und Azubi Lasse (r.) im Stall: Lasse darf sich eine Azubi-Kuh aussuchen. Quelle: Fotos: Albrod
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Neritz

In der Kinderstube, die eigentlich eine Rinderstube ist, muht es leise: Zehn Kälbchen liegen im Stroh und sehen Karen Lienau und ihrem Mann Carsten Lienau-Jöhnk hinterher, die zum Stall gehen, um nach den Kühen zu schauen. Azubi Lasse (16) ist dabei, denn er hat bald die Qual der Wahl. Welche wird die Azubi-Kuh für den Auszubildenden? „Bei uns kann sich jeder Azubi eine Kuh auswählen, für die er einen geeigneten Zuchtbullen aussucht“, erläutert Karen Lienau. Lienau zückt den „Playboy für die Kühe“, wie ein früherer Azubi den Katalog mit den Zuchtbullen getauft hat. „Die Azubis dürfen auswählen, welcher Bulle zum Samenspender für ihre Kuh wird“, erklärt der Landwirt. Dabei lernen sie zugleich, auf welche Merkmale es bei der Zucht ankommt. Die muhselige Partnerwahl gipfelt in einem Kälbchen, das die Azubis auch besuchen, wenn sie längst woanders sind.

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Der Titel „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ im Beruf Landwirt/-in geht in diesem Jahr an die Lienau-Jöhnk GbR in Neritz. Landwirtschaftskammer, Bauernverband und andere vergeben gemeinsam die Auszeichnung, um ein Zeichen für eine hohe Ausbildungsqualität zu setzen.

Das ist nicht der einzige Programmpunkt in der Ausbildung des Nachwuchses. „Vergangenes Jahr haben wir auch erstmals einen Azubi-Acker vergeben“, sagt Karen Lienau. Dort wurde nur das Bestellen mit Weizen vorgegeben, alles andere durfte der angehende Landwirt selber übernehmen, von der Sortenwahl über Aussaat und Dünger bis zur Ernte.

Learning by Doing, eigenverantwortliches Arbeiten, gute Betreuung, Offenheit für Fragen und Probleme – das hat den Neritzer Landwirten jetzt den Preis für die beste Ausbildung eingebracht. Das Ehepaar bewirtschaftet zusammen mit zwei Azubis, die jährlich wechseln, und einem Helfer einen 200 ha großen Milchvieh-Ackerbaubetrieb. Auf 120 ha Ackerfläche werden Weizen, Gerste, Mais und Ackergras angebaut, 80 ha sind Grünlandflächen.

Dazu werden 260 Milchkühe gehalten, hinzu kommt die Nachzucht für die Herde mit rund 220 Tieren. Mit über 10000 Liter Milch pro Kuh liegt die Produktionsleistung in der GbR Lienau-Jöhnk deutlich über dem Landesdurchschnitt. Tierwohl und Tiergesundheit stehen bei der Haltung im Vordergrund.

Wie man das erreicht und Verantwortung für Tier und Natur übernimmt, lernen die Azubis in Neritz, die für das Jahr ihrer Ausbildung auf dem Hof mit einziehen. Um 5 Uhr beginnt der Tag für Lienaus, 5.30 Uhr sind die Azubis dran. Auf dem Programm stehen dann das Melken und Füttern der Tiere, ehe es das Frühstück für die Menschen gibt. Lasse kommt von einem Hof, der Schweine züchtet, mit Landwirtschaft kennt er sich schon gut aus. „Ich lerne gerade alles kennen“, erklärt er, „Kühe sind doch etwas anderes als Schweine, nicht nur, weil man Schweine nicht melken muss.“ Hier lernt er, wie man per Hand die Tiere anmelkt, ehe die Mechanik übernimmt. Füttern, Einstreuen, Ausmisten und Gesundheitsüberwachung gehören zum Ausbildungsprogramm. „Jedes Tier wird in Augenschein genommen und die Temperatur gemessen, um zu sehen, ob es gesund ist“, erläutert Lienau-Jöhnk. Zudem trägt es einen Responder, der die Daten überwacht. Gerade kommen die Kälbchen, und Lasse darf ihnen Namen geben.

„Wir sind im Ausbildungsjahr ständig mit den Azubis zusammen, weil sie auf dem Hof wohnen“, erläutert Karen Lienau. „So lernen wir einander sehr gut kennen.“ Sie lobt lebhafte Fachdiskussionen am Tisch, die viel Spaß machen, und unvergessen ist ein Azubi aus Brasilien, der erst das Pferd holen wollte, um die Kühe auf die Weide zu bringen. „Er war andere Dimensionen gewöhnt.“ Lienau-Jöhrk ist stolz darauf, einen Azubi, der durchzufallen drohte, so motiviert zu haben, dass er jetzt promoviert. Die Milchkühe im Stall sind überwiegend Schwarz-Bunte, aber auch ein paar rehbraune Nasen sind dabei. „Wir haben zur Hochzeit von Freunden ein braunes Kälbchen geschenkt bekommen“, erzählt Karen Lienau, „das hat inzwischen fünf Nachkommen. Eines der Kälbchen haben wir ehemaligen Azubis zur Hochzeit geschenkt.“ Denn Lienaus werden auch nach Jahren von ihren ehemaligen Azubis eingeladen. „Bisher haben wir genug junge Leute, die Landwirt werden möchten“, sagt Karen Lienau. „Auch sechs weibliche Lehrlinge sind schon hier gewesen.“ Dabei ist die Arbeit anstrengend. „Wenn schönes Wetter ist, hat ein Landwirt am meisten zu tun“, so Lienau-Jöhnk, „dann arbeiten die Azubis, während ihre Freunde Fotos vom Strand posten.“ 

Der Hof Lienau

Seit 1983 bildet Familie Lienau junge Nachwuchskräfte im Beruf Landwirt/-in aus. Karen Lienau hat seit der Betriebsübernahme von Vater Emil Lienau im Jahr 2000 insgesamt 24 junge Menschen mit außergewöhnlichem Engagement und hoher Fachlichkeit erfolgreich zum Berufsabschluss geführt. 2007 gründete sie mit ihrem Ehemann Carsten Lienau-Jöhnk eine Gesellschaft bürgerlichen Rechtes (GbR), die als Ausbildungsbetrieb anerkannt wurde.

 Bettina Albrod

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