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Stormarn Mitten im Müll: Auf Reinfelds Recyclinghof geht‘s familiär zu
Lokales Stormarn Mitten im Müll: Auf Reinfelds Recyclinghof geht‘s familiär zu
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18:24 04.11.2013
Jens Grimm in seinem Element: Gerade hat ein Kunde einen Einmachtopf und eine Bratpfanne abgegeben.

Für die südholsteinischen Abfallwirtschaftler ist der Sommer erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Dafür ist bei ihnen jetzt schon Winter. Bei der Abfallwirtschaft gibt es nur Sommer und Winter, jedenfalls bei den Öffnungszeiten.

Das heißt für die Stormarner Reyclinghöfe, dass sie künftig schon um 16 Uhr statt erst um 18 Uhr schließen. Die ganze Woche über haben sie geöffnet und zweimal im Monat auch an den Sonnabenden. Eine Ausnahme nur machen die Reinfelder. Die haben das ganze Jahr über immer donnerstags geschlossen.

Aber die Reinfelder Anlage gilt ohnehin als Ausnahmehof. „Wir sind ein humorvoller Hof. Bei uns gibt es immer viel zu lachen“, sagt Jens Grimm (47). Seit etwa 15 Jahren können die Leute aus Reinfeld und dem Umland ihren Hausmüll an der Weddernkoppel abliefern. „Wir nehmen alles an“, sagt Recycler Grimm. „Nur keinen Sprengstoff.“ Unter seinem blauen Overall trägt er einen dicken Rollkragenpulli, an den Füßen stabile Sicherheitsschuhe. So stapft er in den Container mit Schrott und Altmetall. Was die Leute so alles wegwerfen, erstaunt Jens Grimm immer wieder.

„Hier schauen sie mal“, sagt er und kramt einen stählernen Einweck-Topf und eine Bratpfanne unter Liegestühlen und vergammelten Regen-Abflussrohren hervor. Viele Leute kämen zu ihm und wollen Müll nicht bringen sondern mitnehmen. „Aber wir dürfen nichts herausgeben.“ Selbst solche Kuriositäten nicht wie den Schwarz-Weiß-Fernseher aus der DDR, den vor wenigen Jahren mal jemand abgegeben hatte.

Oder das Klavier oder das alte Grammophon. „Weil solche Dinge dann ganz schnell bei E-Bay und auf dem Flohmarkt wiederzufinden sind“ — und weil die Abfallwirtschaftler selbst durch den Weiterverkauf an Schrotthändler verdienen. Silber, Platin, wertvolle Rohstoffe stecken in den alten Computern, Fernsehern, Druckern und Abspielgeräten. In Kabeln und selbst in CDs, weiß Grimms Kollege Reinhard Reichardt (53). Die glänzenden Scheiben haben sie zu Hunderten in einer der blauen Tonnen gelagert. Daneben stapeln sich Computerspiele und Filme auf DVD.

Der Müll, hat Recycler Grimm beobachtet, habe sich in den vergangenen sechs, sieben Jahren verändert. Alte Möbel würden immer seltener werden. Dagegen nehme die Menge an Billigmöbeln zu. In diesen Tagen kämen besonders viele Dinge, die im Laufe des Sommers „abgewohnt“ worden seien. Gartenstühle, Liegen, Lattenroste, zerfledderte Markisen.

Und es würde immer mehr Elektroschrott werden. Manchmal fülle sich der Elektroschrott-Container innerhalb von nur einer Woche. Er verstehe nicht, „dass viele Menschen zwar über ihre Geldsorgen klagen. Aber wenn man sieht, was alles weggeworfen wird, dann passt das nicht zusammen.“ Viele Fernseher etwa würden noch funktionieren, „wenn die bei uns ankommen“.

Im Müll, sagen sie an der Weddernkoppel, „steckt Geld und Energie“. So geht etwa der Sperrmüll auch aus Reinfeld in die Verbrennungsanlage nach Stapelfeld und wird als Fernwärme nach Hamburg weitergeleitet. Neuerdings nehmen Grimm und Reichardt sogar Asbest-Glaswolle an. Insgesamt 19 verschiedene Müllsorten. Darin enthalten sind Öle, Fette, Lacke und die Reste von Gewerbebetrieben.

Selbst Thermometer sammeln sie ein und sichern sie im Schadstoff-Container.

Das Gegenteil der Schadstoffe lagert auf der anderen Seite des Hofes. Der Gartenmüll, den die Reinfelder zurzeit massenhaft anliefern. Auf drei Rotten, wie die Müllwerker sagen, lassen sie Sträucher, Blätter, gemähten Rasen sich allmählich in besten Humus verwandeln. „Daraus entsteht ein Superdünger voller Nährstoffe“, weiß Grimm. Einige, die gerade ihre Gartenreste abgeliefert haben, fahren vollbeladen wieder vom Hof.

Auch Hannelore Ahrens aus Hamberge hat Rasen und Blumenreste in einem grünen Sack gebracht. Weil der zu schwer ist, um ihn selber aus dem Auto zu heben, ruft sie Reinhard Reichardt zu Hilfe. Wie selbstverständlich hievt er den Sack aus dem Kofferraum. Das hat er schon oft für sie getan. Die frühere Leiterin einer Lübecker Kindertagesstätte bedankt sich für die „stets nette Hilfe hier in Reinfeld“. An der Weddernkoppel kennen sich viele Kunden und die Recycler persönlich von vielen Besuchen im Laufe der Jahre. „Bei uns“, sagt Jens Grimm, „geht es eben familiär zu.“ Und weil ein inzwischen ausgeschiedener Kollege gewisse Ähnlichkeit mit einer mannsgroßen Strohpuppe hatte, bekam diese Puppe, in memoriam gewissermaßen, einen Ehrenplatz auf einer Bank neben dem Regenrückhaltebecken. „So“, sagt Grimm, „wird er nicht vergessen.“

Trennen ist wichtig

30 000 Tonnen Bioabfälle aus den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn sammelt die Abfallwirtschaft Südholstein jährlich ein und gewinnt daraus Energie und Dünger.

16 000 Tonnen Grünabfälle werden zu Kompost weiter verarbeitet.

35 500 Tonnen Altpapier bilden den Rohstoff für neue wertvolle Produkte aus Papier und Pappe.
4000 Tonnen Elektro-Altgeräten werden werden aufgrund ihrer Wertstoffe, wie Edelmetalle, recycelt.

Uwe Krog

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