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Moderne Apotheke im historischen Haus

Bad Oldesloe Moderne Apotheke im historischen Haus

Seit mehr als 100 Jahren wird Bad Oldesloes älteste Apotheke von der Familie Sonder geführt.

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Etwa 100 Jahre alt ist dieses Foto aus der einstigen Langen Straße, heute Hindenburgstraße. Rechts die Löwen-Apotheke. Repro und Fotos: Susanna Fofana

Bad Oldesloe. Die Oldesloer Apothekerin Annette Steglich (47) hat jetzt in fünfter Generation in der Familie Sonder die Löwen-Apotheke übernommen. Was die Apothekenführung anbelangt, ist sie „inzwischen in diese Rolle reingewachsen“. Wobei sie Unterstützung von ihrem Mann Hans-Jörg bekommt, der Steuerberater und Unternehmensberater ist. Was die Geschichte der Familie anbelangt, so ist ihr Vater Frank Sonder, von dem sie die Apotheke übernahm, am besten bewandert.

LN-Bild

Seit mehr als 100 Jahren wird Bad Oldesloes älteste Apotheke von der Familie Sonder geführt.

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Da vier Generationen vor ihr bereits Oldesloes älteste Apotheke geführt haben, hing die Frage nach der Nachfolge bei ihr „schon in der Luft, als ich fünf Jahre alt war“. Bereits Erzieherinnen im Kindergarten waren davon ausgegangen, dass sie in die Fußstapfen ihrer Vorväter tritt. Nach dem Abitur erfüllte sie diese Erwartungen. Steglich: „Ich habe von der Pike auf gelernt.“ Zuerst wurde sie Pharmazeutisch Technische Assistentin in Lüneburg, dann absolvierte sie die praktische Ausbildung in einer Hamburger Apotheke und studierte danach Pharmazie in Berlin.

Steglich: „Ich habe praktisch immer gearbeitet.“ Als ihre älteste Tochter ein Jahr alt war, vor 17 Jahren, begann Steglich mit der Arbeit in der Löwen-Apotheke ihres Vaters. Zunächst allerdings nur für einen Tag in der Woche.

In der modernen Apotheke im historischen Gemäuer mit dem goldfarbenen Löwen über der Eingangstür entdeckt man noch etliche Accessoires aus früheren Zeiten. Individuelle Rezepte von Ärzten werden auch heute noch selbst hergestellt. Die unter Schutz stehende historische Materialkammer auf dem Dachboden der Apotheke legt Zeugnis über das ab, was früher alles in einer „Giftkammer“ möglich war.

1718 erhielt die Oldesloer Löwen-Apotheke ihr erstes königliches Privileg. Eine solche landesherrliche Berechtigung benötigten Apotheken bis zum Jahr 1867. In preußischer Zeit reichten dann Konzessionen aus. Eine Niederlassungsfreiheit für Apotheken wurde erst um 1970 herum eingeführt.

Im 17. Jahrhundert gab es in Oldesloe weder Arzt noch Apotheke. Die Heilkunst wurde damals von den Barbieren und Scharfrichtern ausgeführt. 1639 soll es in Oldesloe allerdings einen Drogisten gegeben haben, einen „Krautkramer“. Er verkaufte die damals üblichen Medikamente wie beispielsweise „Teufelsdreck“. Einen ersten Apotheker bekam die Stadt dann gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit Johann Samuel Freygang.

Da es in Bad Oldesloe zu der Zeit noch keinen Arzt gab, der berechtigt war, Rezepte zu verschreiben, kam die als Officina pharmaceutica gegründete Apotheke nicht so recht in Gang. Deshalb wurde dem Apotheker auf Antrag das Privilegium erteilt, zusätzlich Weine und Liköre zu verkaufen und auszuschenken, Bier zu brauen, sowie Fremde zu beherbergen.

Als Freygang die Stadt verließ, eröffnete Johann Georg Löffler eine Apotheke in Bad Oldesloe. Auf ihn folgten noch drei weitere Betreiber, bevor Familie Sonder dort 1890 das Zepter übernahm.

Annette Steglich lernte zwar ihren berühmten Opa und Heimatforscher Wolfgang Sonder (1893–1955) nicht mehr kennen, nach dem in Bad Oldesloe eine Straße benannt ist. Doch an ihre Oma, die fast 100 Jahre alt wurde und sich der Ahnenforschung widmete, kann sie sich noch gut erinnern. Die schrieb fein säuberlich mit goldener Tinte alle Inhaber der Löwen-Apotheke auf. Die eingerahmte Tafel hängt im Eingangsbereich.

Für die Löwen-Apotheke bekam Johann Georg Löffler am 5.11.1718 als erster das Privileg zur Apothekenführung vom dänischen König Frederik IV. Robert Bartscherer übernahm 1776. Es folgten der Oldesloer Badearzt Friedrich August Lorentzen, der in Kopenhagen Pharmazie, Medizin und Chirurgie studiert hatte, und 1832 sein Sohn Julius Theodor Lorentzen. Gustav Adolph Paulsen bekam sein Privileg 1841 von König Christian VIII. Im Mai 1874 übernahm Johann Daniel Sonder (1828–1906) die Löwen-Apotheke. Es folgten 1890 Dr. Christoph Adalbert Karl August Sonder (1862–1941) und 1934 Wolfgang David Karl August Sonder (1893–1955).

Da Frank Sonder sein Studium noch nicht abgeschlossen hatte, als sein hernach öffentlich gewürdigter Vater starb, wurde die Löwen-Apotheke für kurze Zeit verpachtet.

Ihr Vater habe in der Familie viele Geschichten von früher erzählt, berichtet Annette Steglich. So etwa, dass er an den Wochenenden oft mit seinem Vater, dem Heimatforscher auf den Feldern unterwegs war. Die Fundstücke aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit wanderten dann in ihre Rucksäcke und von da aus ins Museum.

Apotheker und Heimatforscher

Ein erstes Heimatmuseum öffnete 1931 im Blauen Haus. Die Leitung erhielt der Apotheker und Heimatforscher Wolfgang Sonder, der dem Museum seine wertvolle archäologische Sammlung überließ.

Das erste Oldesloer Heimatmuseum im Blauen Haus bestand nur bis 1942. „Eine 1938 beschlossene Erweiterung – die Feuerwehr und das Polizeigefängnis sollten ins Gebäude am Pferdemarkt und das Blaue Haus anschließend nur für Zwecke des Heimatmuseums und der Bücherei umgebaut werden – wurde durch den Zweiten Weltkrieg vereitelt“, schreibt Gerhard Schulz in seinem Oldesloe-Buch.

Wertvolle Museumsstücke wurden unter anderem in der Wohnung Sonders über der Löwen-Apotheke gelagert. Ab 1969 gab es ein Museum in der Mühlenstraße 22, acht Jahre später folgte der Umzug mit der bedeutenden vor- und frühgeschichtlichen Sonder-Sammlung in die alte Stadtschule. Wolfgang Sonder hat als erster die Bedeutung von Fundstücken aus der Periode zwischen 6000 und 4000 vor Christi erkannt. Diese Zeit erhielt deshalb den Namen „Oldesloer Stufe“. sus

Susanna Fofana

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