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Stormarn Moderne Landfrau sucht Mitstreiterinnen
Lokales Stormarn Moderne Landfrau sucht Mitstreiterinnen
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00:00 18.10.2015
Lehrstück in Sachen Ökologie: Reinfelder Landfrauen bauen Insektenhotels. Quelle: Adamek
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Trittau

Fleißige Bienen, das sind die Landfrauen immer noch. Das Image von kochenden, backenden und bastelnden Bauersfrauen legen sie langsam ab. Doch obwohl die Ortsvereine modern daherkommen, mit dem Augenmerk auf Themen der Zeit, haftet ihnen immer noch etwa Betuliches an. Zu unrecht, wie die Frauen finden, und zeigen selbstbewusst, was es heute heißt, Mitglied im Landfrauenverein zu sein.

„Die Landfrauen, das waren früher die Frauen der Bauern“, erklärt Kathrin Klose, erste Vorsitzende der Landfrauen-Ortsvereins Südstormarn. „Damit verbinden es viele heute immer noch. Obwohl es gar nicht mehr so ist.“ Natürlich seien immer noch Landwirtsfrauen Mitglied — sie selbst ist mit einem Landwirt verheiratet — aber mittlerweile stammten die Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen.

Sie alle eint: Sie leben auf dem Land, im ländlichen Raum. Sie alle „haben Lust darauf, sich mit anderen netten Frauen zu treffen, sie sind aufgeschlossen, suchen Kontakt und sind offen für die unterschiedlichsten Themen“, so Klose. Was sich auch im Programm widerspiegelt, das angeboten wird. „Wir präsentieren gesellschaftspolitische Themen genauso wie Gesundheits- oder Gartenthemen.“ Soll heißen, Referenten werden eingeladen, um diese Themen den Frauen nahe zu bringen. Der Vorteil bei einer Mitgliedschaft: Die Treffen — einmal im Monat — werden flexibel gestaltet. „Die Frauen sind also zeitlich nicht so eingebunden wie beispielsweise beim Training im Sportverein einmal die Woche.“ Mal gibt es nachmittags, mal abends Veranstaltungen, damit „auch berufstätige Frauen die Möglichkeit haben, zu kommen“, wirbt Klose um neue Mitglieder. Und die können sich nicht nur auf interessante Treffen sondern auch auf Ausflüge und Reisen freuen.

200 Mitglieder hat der Ortsverein Südstormarn, dessen Gebiet sich von Lütjensee bis nach Reinbek zieht. „Je bunter die Mischung von Frauen, desto interessanter ist es“, findet Kathrin Klose. Und weiß, dass es schwer ist, neue Mitglieder zu gewinnen. „Das ist wirklich nicht so einfach.“

Dabei gibt es für einen Jahresbeitrag von 25 Euro wahrlich ein großes Angebot.

Dass das staubige Image längst Geschichte ist, bestätigte beim jüngsten Landfrauentag auch Anke Spoorendonk, Schleswig-Holsteins Kultusministerin. „Die Landfrauen von heute sind Unternehmerinnen, leiten Betriebe oder sind anderweitig beruflich tätig, sind offen für die Welt und bleiben doch regional verwurzelt.“ Die Ministerin forderte die Landfrauen auf, ihre noble Bescheidenheit abzulegen und ihre Präsenz offener zu zeigen. Was Klose und ihre Mitstreiterinnen gerne tun. Weniger durch Themenabende, Ausflüge oder Reisen, als vielmehr durch Spendenaktionen — im September wurden 1000 Euro an das Krankenhaus St.-Adolf-Stift übergeben — oder durch Pflanzaktionen im Kindergarten. Und natürlich waren sie auch auf dem vergangenen Landes-Erntedankfest in Siek präsent.

Der Landfrauenverband der 1947 gegründet wurde, versteht sich zudem als größter Bildungsträger für Frauen im ländlichen Raum. Hier können Frauen zur Konfliktberaterinnen, Kräuterkundlerinnen oder Büro-Agrarfachfrauen ausgebildet werden. Auch Kathrin Klose hat eine „BAF“-Ausbildung gemacht. Das war vor elf Jahren ihr Anstoß ebenfalls Mitglied bei den Landfrauen in Stormarn zu werden. Ein Beitritt, den sie nie bereut hat, heute ist sie erste Vorsitzende des Ortsvereins Südstormarn. So eine Vereinskarriere muss natürlich keine Frau hinlegen: „Man kann sich bei uns gerne einbringen, muss es aber nicht.“

Das bestätigt Heidi Nuppenau, stellvertretende Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes und Vorstandsmitglied in Bargteheide. Auch sie versucht das modernere Image der Landfrauen nach außen zu transportieren. „Wir arbeiten daran, dass man uns nicht nur mit Kuchenbacken in Verbidung bringt. Wir setzen auf Bildung.“ Und den Trend „Landlust“nach dem gleichnamigen Magazin, denn „der ist ja da, der Trend“. Aber es sei schwierig. Dabei würden über den Landfrauenverband in Kiel beispielsweise interessante Seminare angeboten, „die könnte man so sonst gar nicht bezahlen“. Da geht es um Konfliktberatung, Klimaschutz oder Persönlichkeitsentwicklung. Und zu der kann für die eine oder andere Frau auch gehören, Mitglied der Landfrauen zu sein.

Verein gründet sich 1947
Die Landfrauenverband möchte Frauen mit vielfältigen Aus- und Weiterbildungsangeboten stark machen. Er setzt sich für wohnortnahe Arbeitsplätze, für Lohngerechtigkeit von Mann und Frau sowie gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit in Haushalt und Familie ein.



Fünf Ortsvereine gibt es im Kreis: Südstormarn, Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide und Tangstedt. Mehr Infos unter www.landfrauen-stormarn.de
„Je bunter die Mischung von Frauen, desto interessanter.“
Kathrin Klose, Vorsitzende der Landfrauen Südstormarn

K. Kuhlmann-Schultz

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