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„Moin Bad Oldesloe“: Ein Leben unter Wahlverwandten

Bad Oldesloe „Moin Bad Oldesloe“: Ein Leben unter Wahlverwandten

60 Männer und Frauen aus Bad Oldesloe wollen eine Siedlung auf Genossenschaftsbasis errichten / Sie legen Wert auf soziales Miteinander.

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Immer mehr Oldesloer finden Gefallen am neuen Wohnprojekt.

Bad Oldesloe. Wahlverwandtschaften — so ließe sich am ehesten beschreiben, was die 60 Frauen und Männer um Angela Reichel und Marina Lechelt gesucht und nun auch gefunden haben. Sie alle wollen ein innovatives Wohnprojekt in Bad Oldesloe aufbauen, neue Wege des Zusammenlebens gehen. Dahinter steht der Wunsch, der sonst in Miethäusern vorherrschenden Anonymität zu entfliehen und stattdessen ein soziales Miteinander zu pflegen.

Ruth Jayaweera (68) ist da kein Einzelfall. Das Haus zu bewirtschaften, in dem sie mit ihrem Mann lebt, ist ihr inzwischen zu anstrengend. „Und unsere Kinder wohnen überall auf der Welt verstreut“, erzählt sie. In eine „normale“ Mietwohnung zu ziehen, behagt den Eheleuten aber nicht. Das Wohnprojekt „Moin Bad Oldesloe“ klinge da vielversprechender, biete nach wie vor Kontakt zu gleichgesinnten Menschen und lasse dennoch Raum für eigene Kreativität.

Ihren individuellen Lebensstil wollen auch andere aus der Gruppe nicht aufgeben, um sich womöglich einer starren Hausordnung ohne Mitspracherecht beugen zu müssen. Hühner im Garten zu halten würde sich Ingrid Buchwieser ungern verbieten lassen. „Miss Picky muss dabei sein“, sagt sie. Andere wollen Bienen halten. Rollifahrer, die sich dem Projekt angeschlossen haben, freuen sich schon darauf, ein Hochbeet anzulegen.

Auch der soziale Zusammenhalt steht im Vordergrund. Ältere Bewohner sollen etwa davon profitieren, dass sich Einkaufsgemeinschaften bilden, jüngere mit Kindern, dass ihre Sprösslinge leichter eine Nanny finden, wenn der Kindergarten zu hat oder ein Konzertbesuch am Abend auf dem Programm steht.

„Spannend wird sein, welche Menschen aufeinandertreffen und wie sie ticken. Die Prozesse, die untereinander ablaufen, werden die Gemeinschaft prägen“, sagt Angela Reichel, die „Moin Bad Oldesloe“

gemeinsam mit Marina Lechelt in Gang gebracht hat.

War es zunächst noch die vage Idee einer offenen Nachbarschaft, so ist das Projekt inzwischen recht weit gediehen. Die Gruppe hat im Büro Stattbau Hamburg schon professionelle Unterstützung gefunden.

„Wir sind ja Laien und brauchen Hilfe bei Grundstücksverhandlungen und den einzelnen Schritten, die wir gehen müssen, wie die Entwicklung eines B-Plans“, erklärt Marina Lechelt.

Drei bis vier Häuser mit jeweils 16 Wohnungen könnten es später einmal werden. Die Ansiedlung von Gewerbe soll indes ausgeschlossen werden. Wichtig ist der Gruppe, die sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen will, dass keine elitäre Siedlung für Gutbetuchte entsteht. Auch Leute mit geringerem Einkommen sollen sich den Einzug bei „Moin Bad Oldesloe“ leisten können. So ist neben den freifinanzierten Miet- und Eigentumswohnungen ein gewisser Prozentsatz des Gebiets dem sozialen Wohnungsbau vorbehalten. Dass die Bundesregierung diesen Sektor zurzeit besonders fördert, weil er in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt wurde, kommt den Oldesloer Initiatoren gerade recht. Der für diesen Zweck vorgesehene Fonds soll um zwei Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt werden.

Unter dem Dach der Genossenschaft gesellen sich später sowohl die Bauherren als auch die Mieter. Erstere werden sich mit einer höheren Einlage am Projekt beteiligen. Wer auszieht oder sein Wohnung abstoßen will, bekommt seinen Anteil zurück. Die Wohnung bleiben immer im Bestand der Genossenschaft, um eine Spekulation damit auszuschließen.

„Moin Bad Oldesloe“ genießt in der Stadt bereits den Ruf eines Vorzeigeprojekts. Die Gruppe hat es Bauamtsleiter Thilo Scheuber vorgestellt und kann sich seiner Unterstützung sicher sein.

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