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Stormarn Mord in Bargteheide: Lebenslange Haft?
Lokales Stormarn Mord in Bargteheide: Lebenslange Haft?
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22:02 07.11.2017
Polizisten mit Schutzschilden und Maschinenpistolen waren am 12. August 2016 vor dem Tatort in der Alten Landstraße in Bargteheide in Stellung gegangen. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, wo sich der Täter genau aufhält. Quelle: Burmester
Lübeck/Bargteheide

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine 28-jährige Ex-Freundin unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt zu haben, wo er sie dann mit drei Schüssen aus einer illegal beschafften Schusswaffe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet haben soll.

Eine halbe Stunde plädierte Staatsanwältin Ann-Sophie Portius. Nach deren Meinung wurde Svea T. am 12. August vergangenen Jahres vorsätzlich erschossen. Der Angeklagte sei der Täter, dass sei ebenfalls unzweifelhaft. Er habe sich nur durch Briefe zur Sache eingelassen und habe zudem immer wieder widersprüchliche Angaben gemacht. Mal habe er sich an Details erinnert, mal auch wieder nicht.

Die Tat habe er in einer Erklärung noch im April dieses Jahres als angeblich bedauerlichen Unfall dargestellt.

An mehreren Beispielen stellte die Staatsanwältin fest, dass die Angaben des Angeklagten immer wieder den Ermittlungsergebnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft widersprochen hätten. Unter anderem sei eine versehentliche Schussabgabe, wie es der Angeklagte im Prozess dargestellt hatte, absolut lebensfremd.

„Der Tatbestand des Mordes ist in diesem Fall durch die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe gegeben. Die niedrigen Beweggründe sind nach unserer Auffassung durch diese Handlung auf tiefster Stufe und besonders verachtenswert“, sagte die Staatsanwältin. „Der Täter hat aus Wut und Verärgerung gehandelt, aus ungehemmter Eigensucht und exklusiven Besitzansprüchen.“ Er sei ein hoch aggressiver Mensch mit einer hohen Gewaltbereitschaft und sei für seine Eifersucht berüchtigt gewesen. Er selbst habe gesagt, dass Frauen nur Sachgegenstände seien, die man nicht so ernst nehmen dürfte. Der Angeklagte habe bewiesen, dass es für ihn keine Grenzen gebe. So soll er gesagt haben: „Wenn man Ruhe haben will, sollte man machen, was ich will.“ Ihm soll am 11. August bewusst gewesen sein, dass es für ihn keine Beziehung mehr mit Svea T. geben werde. Dann sei es am kommenden Tag zu dieser hinrichtungsgleichen Tat gekommen. „Ich fordere für den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe. Gründe für eine Strafmilderung liegen nach unserer Auffassung nicht vor“, so die Staatsanwältin.

Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand, der als Nebenkläger die Eltern der Getöteten vertritt, schloss sich der Forderung nach lebenslanger Haft an. Der Angeklagte trage allein die Verantwortung für alles, was hier geschehen ist. Alles, was er selbst hier in den Raum geworfen hat, seien Nebelkerzen. „Es ist so grausam, dass das einzige Kind der Familie T. hingerichtet worden ist. Etwas Schlimmeres gibt es nicht. Und vom Angeklagten gibt es nichts, keine Erklärung, keine Entschuldigung, nichts.“ Es habe am Ende keine Beziehung zu Svea mehr gegeben. Das sei wohl deutlich klar geworden. Aber leider sei auch der Rat der Polizei an Svea T., die ehemalige Beziehung „langsam ausschleichen“ zu lassen, falsch gewesen.

Vor dem Plädoyer von Staatsanwältin Ann-Sophie Portius, die den erkrankten Staatsanwalt Greve vertrat, musste noch einmal die Sachverständige Dr. Christine Heisterkamp einige Fragen des Gerichts beantworten. Dabei ging es um die Wirkung des Antidepressivums „Seroquel“ mit Kokain. Es sei äußerst schwierig, solch einen molekularen Zusammenhang mündlich hier darzustellen, aber eine Wechselwirkung in dem hier vorliegenden Fall beim Angeklagten sei nur schwer erklärbar. Der Grund: Weder die Mengen des einen oder anderen Stoffes, noch die Zeiten dazu könnten genau nachvollzogen werden. „Seroquel“ enthält den Wirkstoff Quetiapin. Dieser gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, die Antipsychotika genannt werden. „Seroquel“ kann zur Behandlung verschiedener Krankheiten angewendet werden.

Das Plädoyer der Verteidigung folgt am 21. November. Das Urteil folgt am 29. November.

 Von Jens Burmester

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