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Stormarn Museum der ausgestopften Tiere
Lokales Stormarn Museum der ausgestopften Tiere
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20:17 07.01.2016
Der Elefantenkopf hing ursprünglich im Schloss Tremsbüttel.

Fuchs und Hase sagen sich im Kopernikus-Gymnasium Bargteheide Guten Morgen, dazu kommen Marder, Maulwurf, Igel, ein Elefantenschädel und viele Viecher mehr.

Die tierische Gesellschaft verbringt ihre Tage ausgestopft hinter Glas in der biologischen Sammlung der Schule. Früher dienten die Tiere als Anschauungsmaterial im Unterricht, heute sind sie vor allem exotische Ausstellungsstücke im neu gestalteten Naturwissenschaftstrakt.

Friedrich Westerworth hat 34 Jahre lang an der Schule Biologie unterrichtet und kennt die Geschichten hinter dem Pelz.

Ein besonders exotisches Stück ist ein Elefantenschädel, dem die Stoßzähne fehlen. „Der Elefantenkopf hing ursprünglich in Schloss Tremsbüttel“, erzählt der Pädagoge. Das gehörte damals Jonny Oellerich, der Farmer in Kamerun war und das Herrenhaus 1939 gekauft hatte, um ein Hotel daraus zu machen. Ausgestattet war es mit Trophäen des Großwildjägers. „Der Elefantenkopf hing über dem Kamin“, so Westerworth. Als die Engländer das Haus 1945 besetzten, wurden die Elfenbeinzähne heraus gebrochen. Der Vater eines Schülers entdeckte Anfang der 1990er-Jahre den Elefantenkopf stark verschmutzt in einer Scheune und barg ihn für die Sammlung. „Ich habe den Kopf dann in einer Projektwoche mit Schülern zusammen mittels Spüli und Bürsten gereinigt“, sagt Westerworth, „dann wurde er in der Schule aufgehängt.“ Während der Umbauarbeiten lagert das Haupt des afrikanischen Elefantenbullen im Keller.

Nicht minder exotisch sind ein bunter Papagei, ein ausgestopfter Waran und das Sägeblatt eines Sägefisches. „Die Stücke verdanken wir der Nähe Bargteheides zum Hamburger Hafen“, erläutert Westerworth. „Früher hatten wir einige Schüler auf der Schule, deren Väter zur See fuhren und weit herum kamen.“ Die brachten immer mal exotische Souvenirs mit und schenkten sie der Schule. Daher stammt auch der gewaltige Panzer einer Riesenschildkröte. „Die zwei Löcher stammen von der Hacke, mit der sie getötet wurde“, zeigt der Pädagoge. „Das Fleisch wurde gegessen, der Panzer als Andenken verkauft. Auf der Innenseite kann man sehr gut die Wirbelsäulenstruktur erkennen.“

Im Glasschrank stehen Hase und Fuchs, und ihr weiches Fell reizt zum Streicheln. „Das müssen wir den Schülern immer verbieten“, sagen Westerworth und Biologielehrerin Ramona Spalk, „die Tiere sind total vergiftet.“ Allerdings erst nach ihrem Ableben, denn um die empfindlichen organischen Materialien haltbar zu machen, wurden die Präparate mit Arsen eingepudert.

Singvögel hängen mit blanken Knopfaugen an Ästen, und zwei Krähen teilen sich ein Fach, eine davon mit ausgebreiteten Schwingen. „Wenn man den Vogel auf die Waage stellt und anpustet, wird er leichter“, erklärt Westerworth das Phänomen des Auftriebs, das den Schülern noch heute auf diese Weise anschaulich gemacht wird. Maulwürfe, Bisamratten, ein Käuzchen: Den Großteil der Sammlung hat eine Lehrerin mal angeschafft — nicht per Auftragskiller, sondern über Bestellungen bei Fachanbietern.

Bis heute kommen ab und zu Dinge dazu wie das gewaltige Hornissennest, das die Nachbarin einer Lehrerin geschenkt hat. Westerworth zeigt die Wabenstruktur und wechselt zu einem Schrank, in dem eine große Schmetterlings- und Käfersammlung aufgehoben ist. „Einen Teil der Schmetterlinge habe ich selber gesammelt und präpariert“, sagt er, „Naturwissenschaft und Ästhetik schließen einander nicht aus.“

„Zu den Schlangen könnte ich auch etwas erzählen“, bietet Westerworth an. „Die Schule hatte zwei Kornnattern in einem Terrarium, und eines Tages hat jemand die Äste daraus entfernt, ohne zu merken, dass in dem einen eine der Nattern lag.“ Damit war in der Schule eine Schlange los, aber keiner wusste, wo sie steckte. „Es herrschte Panik, obwohl sie nur Mäuse fressen“, erinnert sich der Biologe.

Dann hatte Chemielehrer Michael Dinse die Idee, Mehl in den Gängen auszustreuen. Als sich darin der Abdruck der Schlange fand, konnte sie schnell wieder eingefangen werden.

„Und dann ist da noch der Flaschengarten“, zeigt Westerworth auf einen Behälter Grünes. 1987 hat Westerworth den Trieb einer Ampelpflanze in die Glasflasche gepflanzt und diese luftdicht verschlossen. 28 Jahre lang ist die Flasche nicht geöffnet worden. Seitdem hat sich das Grün üppig vermehrt, nur durch den Einfluss von Licht. „So erklären wir Schülern die Photosynthese“, ergänzt Spalk. „Durch das Kondenswasser, Licht und Mikroorganismen erhalten die Pflanzen die notwendige Energie.“

In Zeiten der Computertechnik haben die Präparate ausgedient. Heute, so Ramona Spalk, gehe es in der Biologie um umweltbewusstes Lernen, nicht mehr um die Systematik der einzelnen Lebewesen.

Umweltaspekte und Nachhaltigkeit haben die Tierkunde abgelöst. „Aber die Schüler stehen immer gerne vor den Glasschränken und betrachten die Ausstellungsstücke.“ Sie haben auch noch Sinn für alte Hasen.

Ökosystem in der Flasche
Ein Flaschengarten ist ein kleines Ökosystem in einer Flasche oder einem ähnlichen Glasbehälter, bestehend aus Erde, Pflanzen, Mikroorganismen, Luft und Wasser. Als Miniaturausgabe des Ökosystems der Erde funktioniert es genauso wie sein großes Vorbild: Das Wasser verdunstet und schlägt sich wieder nieder. Tagsüber verbraucht die Pflanze Kohlendioxyd bei der Photosynthese, nachts dagegen Sauerstoff.   Quelle: Wikipedia

Bettina Albrod

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