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Mutiert Rethwischfeld zur Rennstrecke?

Bad Oldesloe Mutiert Rethwischfeld zur Rennstrecke?

Ein Gespenst geht um – und das heißt Straßenausbaubeitragssatzung. Auch beim Besuch des Bad Oldesloer Bürgermeisters in Rethwischfeld dominierte dieses Thema die Gespräche mit den Einwohnern. Es war die vorletzte Station für Jörg Lembke bei der Bereisung der Ortsteile.

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Bad Oldesloe. Kaum hatte sich Lembke zu den Bürgern am Feuerwehrgerätehaus gesellt, war er mit den ersten besorgten Nachfragen und Kommentaren konfrontiert. Heinz Bernaisch etwa forderte schon vorsorglich, dass keine Straßenbeleuchtung vor seinem Haus angebracht werden solle. Das Grundstück sei sehr groß und eine Umlage von 85 Prozent entsprechend heftig. Schließlich wolle er nicht „wie aus der Wundertüte“ mit Kosten belastet werden.

 

LN-Bild

Doris Dorn (3.v.r.) appelliert an Bürgermeister Jörg Lembke (r.), den Schäperbarg zu belassen wie er ist.

Quelle: Foto: Dvd

„Bei Ihnen sind wir noch nicht“, versuchte Lembke die Einwohner des dörflich geprägten Ortsteils zu beruhigen. Doch da schritt Doris Dorn ein. Sie erinnerte daran, dass schon auf der März-Sitzung des Bau- und Planungsausschusses ein Beschluss vorlag, dass der Schäperbarg ab der Rehkoppel für 65 000 Euro saniert werden soll. „Die Straßen sind nicht von der Landwirtschaft beeinträchtigt, sie brauchen auch keinen Belag. Es könnte sogar ein geplätteter Weg sein“, argumentierte sie gegen die Baumaßnahme. Auch Susanne Sommer klagte ihr Leid, dass sie dort sehr große Grundstücke besitze, die sie nicht gewerblich nutze.

Den Vorschlag einiger Rethwischfelder, die Grundsteuer zu erhöhen und damit eine gerechtere Verteilung der Kosten zu erzielen, entkräftete Lembke damit, dass Steuern nie zweckgebunden eingezogen werden und somit nicht garantiert sei, dass sie für den Straßenbau verwendet werden. „Außerdem erhöht sich dann nach außen hin betrachtet die Steuerkraft von Bad Oldesloe und die Stadt wäre dann verpflichtet, eine höhere Kreisumlage zu zahlen“, sagte er.

Rigobert Chrzan schnitt noch ein weiteres Aufregerthema an. Er monierte, dass Rethwischfeld von vielen Berufspendlern als Abkürzung „missbraucht werde“, um schneller von der A 1 über den Schwarzendamm nach Oldesloe zu fahren. Dies sei bei Staus ganz extrem. Doch auch an normalen Werktagen, zu Stoßzeiten morgens und zum Feierabend hin, werde im Ort gerast. „Das ist eine Katastrophe.

Jetzt kommt die dunkle Jahreszeit. Da sind Schulkinder, die zur Bushaltestelle gehen oder Leute mit Hund in Gefahr“, sagte Chrzan.

Lembke machte deutlich, dass die Stadt nicht für die Überwachung des Verkehrs zuständig ist, versprach aber, der Polizei einen Hinweis zu geben. Susanne Sommer schlug vor Blumenkübel aufzustellen, um die Autofahrer abzubremsen, der Bürgermeister riet gar, die Privatwagen an Stellen ohne Parkverbot so abzustellen, dass der Verkehr nur im Slalom durchkomme. Einige Rethwischfelder forderten gar, den Durchgangsverkehr komplett aus dem Ort zu verbannen. Lembke gab zu bedenken, dass es zunächst keine rechtliche Handhabe gebe, einem Teil der Kraftfahrer die Durchfahrt zu verweigern. Auch die Idee, die Strecke von der B 208 bis zur Ölmühle in eine Sackgasse zu verwandeln, bezeichnete er als kaum praktikabel. „Man muss die Interessen gegeneinander abwägen. Landwirte, die zum Pölitzer Weg wollen oder nach Rümpel, müssen dorthin gelangen können“, sagte er, stellte aber in Aussicht, den Vorschlag dennoch in die zuständigen Gremien zu geben.

Wulf Henning Reichardt sprach die von der A 1 ausgehende Lärmbelästigung an. 2014 sei zwar ein Vorstoß gemacht worden, eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu erreichen. Dies sei aufgrund eines zu geringen Fahrzeugaufkommens abgelehnt worden. „Die Stadt hatte sich mit dieser Antwort zufrieden gegeben. Inzwischen hat der Verkehr deutlich zugenommen“, plädierte Reichardt für einen erneuten Versuch, das Tempo zu drosseln. Lembke versprach, sich in dieser Angelegenheit, mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Lübeck zu sprechen.

Abschließend lud er alle Rethwischfelder ein, am Montag, 13. November, ab 19 Uhr den Oldesloer Bau- und Planungsausschuss zu besuchen. Ein Experte sei eingeladen, der genau erkläre, wie der Zustand von Straßen einzuschätzen ist und wann der Zeitpunkt erreicht sei, sie von Grund auf zu erneuern. Da das Thema viele interessiere, werde die Sitzung ins KuB oder Bürgerhaus verlegt.

Müllcontainer quillen über

Auf ihrem Weg durchs beschauliche Rethwischfeld entledigen sich auch viele Auswärtige ihres Mülls und hinterlassen ein recht unansehnliches Bild an den Containern. Darüber beschwerten sich jedenfalls viele Einwohner beim Ortstermin mit Bürgermeister Jörg Lembke am Donnerstagabend. „Sie entladen bei uns alles, anstatt den Müll in ihrem eigenen Dorf zu entsorgen“, entrüstete sich Susanne Sommer. Jetzt wird darüber beraten, ob für die Container eine bessere Stelle im Ort gefunden werden kann, so dass Vorbeifahrende nicht mehr in Versuchung gebracht werden, dort ihren Abfall zu hinterlassen.

Den Abschluss der Rundtour durch alle Oldesloer Ortsteile bildet übrigens ein Besuch des Bürgermeisters in Sehmsdorf. Als Termin ist Donnerstag, 2. November, vorgesehen. Wer Anregungen oder Kritik loswerden will, kann sich um 17 Uhr an der Bushaltestelle Dorfstraße einfinden.

Dorothea von Dahlen

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