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Nach Feuer — was passiert mit den Tieren?

Reinfeld Nach Feuer — was passiert mit den Tieren?

In Reinfeld haben 23 Hunde und sieben Katzen ihre Bleibe verloren. Vorerst sind sie im Tierheim, aber da ist es eng. Die Tiere seien zwar umgänglich, doch die Zahl der Gäste hat sich mehr als verdreifacht. „Wir müssen schnellstens wissen, ob die Tiere zurück können oder nicht“, sagt Hundespezialistin Christina Wilkens.

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Christina Wilkens, Zweite Vorsitzende des Oldesloer Tierschutzvereins, und ihre Freunde warten auf eine Entscheidung.

Quelle: Krog

Reinfeld. Nach dem Brand in der Lübecker Chaussee von Reinfeld, platzt das Oldesloer Tierheim aus allen Nähten. 23 Hunde, sieben Katzen und acht Meerschweinchen sind dort seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag zusätzlich untergebracht. Vier Hunde fanden Unterschlupf bei Freunden und Verwandten der Betreuerin.

Alle Vierbeiner hatten auf 70 Quadratmetern bei einer Reinfelderin (43) gewohnt. „Ein Großteil des Mobiliars bestand aus Körbchen“, berichtet ein Augenzeuge, der geholfen hatte, die Tiere wieder einzufangen. Die Bewohnerin war nicht zu Hause, als das Feuer am späten Nachmittag in der Küche ausbrach. Sie kehrte zurück, als schon dichter Rauch durch die Erdgeschosswohnung zog — ließ die Tiere hinaus und rief die Feuerwehr zu Hilfe.

Der Notarzt bestand darauf, die Frau in ein Krankenhaus zu bringen, doch die weigerte sich und musste schließlich mit sanftem Druck zum Rettungswagen gebracht werden. Die Tiere liefen unterdessen verängstigt auf der viel befahrenen Durchgangsstraße herum. Die Polizei stoppte den Verkehr. Die Feuerwehrleute drangen unter Atemschutz in die Wohnung ein. Sie hatten die Flammen zwar schnell erstickt, aber Reinfelds Feuerwehrchef Torben Struck glaubt nicht, dass die Bewohnerin dort schnell wieder einziehen kann. „Da hat der Brandsanierer einiges zu tun“, sagt er.

Tierfreunde, Polizei und Feuerwehr fingen alle gemeinsam die Hunde, Katzen und Meerschweine wieder ein. „Die waren zwar alle geschockt, aber lieb“, berichtet Torben Struck. Das Problem sei nur gewesen, dass die Polizei für so viele Hunde nicht gerüstet gewesen sei. Es habe an Hundeleinen gefehlt. Deshalb machten die Reinfelder und Stubbendorfer Wehrleute kurzerhand Ösen und Knoten in ihre eigenen Seile — und führten die Vierbeiner daran in den Transporter des Oldesloer Tierheimes.

Tierheimleiterin Heike Reher berichtet allerdings, dass eine verängstigte schwarz-weiße Jagdhündin, etwas größer als kniehoch, noch vermisst werde. Sie rät, das Tier nicht selber einzufangen, falls es entdeckt würde, eben weil es so verängstigt sei. Die Hündin gehört zu jenen, denen die Reinfelder Tierfreundin wahrscheinlich das Leben rettete. Denn ihre Wohnung sei eine Pflegestelle für überwiegend ausländische Tiere gewesen.

Die würden von Tierschutzvereinen aus Lagern geholt, wo sie getötet worden wären, und bei Privatleuten wie in der Lübecker Chaussee untergebracht. Die 43-Jährige Reinfelderin versorgte sie — und vermittelte sie an neue Besitzer. Erst kürzlich, weiß Tierfreundin Reher, habe es eine Vermittlungsaktion gegeben, zu der mehr als 80 Leute kamen.

Die meisten seien vom Zustand der Tiere begeistert gewesen. Reher selbst bescheinigt der Halterin, dass alle neuen vierbeinigen Gäste am Oldesloer Anna-Heitmann-Weg in tierärztlicher Behandlung gewesen seien. „Die Hunde sind in bestem Zustand.“ Gleiches gelte für die Edelkatzen aus der Reinfelder Pflegestelle.

Den Zustand in der Brandwohnung vor dem Feuer allerdings hält die Vorsitzende der Oldesloer Tierschützer, die ihre neuen Schützlinge am zweiten Weihnachtstag ebenfalls mit eingesammelt hatte, für „Hardcore“. Die Polizei bezeichnet den Zustand als „verwahrlost“. Überall hätten Exkremente herumgelegen und Müll. Das sei so nicht hinnehmbar, findet Heike Reher. Wahrscheinlich sei der Frau die Betreuung über den Kopf gewachsen. „Die hat all ihr Geld in die Tiere gesteckt. Solche Tierschützer neigen dazu, alles zu geben.“ Das Feuer und seine Folgen müssten ein schwerer Schicksalsschlag sein.

Inzwischen soll die tierliebe Reinfelderin bei Bekannten in Lübeck eine vorübergehende Bleibe gefunden haben. Die Stadt Reinfeld hat jetzt in erster Linie darüber zu entscheiden, wie es mit den Tieren weitergeht. „Das Oldesloer Heim platzt aus allen Nähten“, weiß Andrea Eichstädt von der Ordnungsabteilung im Rathaus. Erst danach gehe es darum, ob diese Form der Tierhaltung den Vorgaben entspreche beziehungsweise entsprochen habe. Die Stadt Reinfeld werde auf jeden Fall der Einschätzung des Kreis-Veterinärs folgen.

Und Amtstierarzt Dr. Andreas Thum im Kreishaus verweist auf das Tierschutzgesetz. Ob eine Haltung von Hunden, Katzen und Meerschweinchen in einer Wohnung den tierschutzrechtlichen Anforderungen entspreche, hänge nicht direkt von der Fläche ab. Nur für die Zwingerhaltung gebe es Mindestflächen in der Tierschutz- Hundeverordnung. „Ich bin aber unabhängig vom konkreten Einzelfall sehr skeptisch, ob auf 70 Quadratmetern so viele Tiere tierschutzgerecht gehalten werden können“, sagt der Amtstierarzt.

Und Hundespezialistin Christina Wilkens füllt am Anna-Heitmann-Weg die Futternäpfe für die Neuankömmlinge. Die seien zwar umgänglich, doch die Zahl der Gäste hat sich innerhalb eines Nachmittags mehr als verdreifacht. „Wir müssen schnellstens wissen, ob die Tiere zurück können oder nicht.“

Jens Burmester und Uwe Krog

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