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Stormarn Nach dem Massenunfall: Auswertung dauert Wochen
Lokales Stormarn Nach dem Massenunfall: Auswertung dauert Wochen
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20:42 16.01.2017
„Das Telefon klingelte im Minutentakt. Immer wieder riefen Autofahrer von der Unfallstelle an, wollten wissen, wie es weitergeht.Martin Treumann Polizeihauptkommissar
Rethwisch

Noch sind es „nur“ etwas mehr als 20 Seiten, auf denen die Beamten der Autobahnpolizei Bad Oldesloe den Unfall dokumentiert haben. „Am Ende, wenn alles zusammengetragen worden ist, wird die Massenkarambolage auf der A1 am Sonnabend bestimmt einen ganzen Aktenordner füllen“, sagt Martin Treumann. Der Hauptkommissar war als Dienstgruppenleiter in der Wache des Autobahnreviers eingesetzt und schildert die Ereignisse. Er erzählt, dass es noch zwei weitere Unfälle im Bereich gab, um die sich aber andere Dienststellen kümmern mussten.

34 Fahrzeuge verunglückten am Sonnabend auf der spiegelglatten A1 zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe. Die Rettungskräfte mussten zahlreiche Verletzte und eine Tote bergen. Quelle: Fotos: Jens Burmester

„Das Telefon klingelte im Minutentakt. Immer wieder riefen Autofahrer von der Unfallstelle und aus dem Stau an, wollten wissen, wie es weitergeht“, erklärt Treumann. Auch die Medien hatten großes Interesse und wollten bei seiner Dienststelle an Informationen kommen. „Die Anrufe der Presse kamen aus dem ganzen Bundesgebiet, doch ich hatte keine Zeit für irgendwelche Stellungnahmen.“ Erst als eine Kollegin dem Dienstgruppenleiter zur Hilfe kam und ihm einige Telefonate abnahm, sei es etwas besser geworden.

27 Polizeibeamte waren für diese große Lage im Einsatz. Eigentlich, so Treumann, sei die Wache mit fünf Beamten besetzt gewesen. Doch das reichte nicht aus. Kollegen vom 2. und 4. Revier aus Lübeck wurden hinzugerufen, zwei Streifenwagen kamen aus Bargteheide. Einige seiner Kollegen, die frei hatten, hatten im Radio von dem Massenunfall gehört, kamen zur Dienststelle und besetzten weitere Funkstreifenwagen. Zudem wurden Beamte, die von einem Sondereinsatz in Kiel zurückkehrten, ebenfalls an die Einsatzstelle geschickt.

„Bis alle Vernehmungen durchgeführt und alle Daten ausgewertet sind, wird es noch Wochen dauern“, so Rüdiger Studt, Unfallsachbearbeiter des Autobahnreviers. Die vorläufige Bilanz hat er für die Lübecker Nachrichten einmal grob zusammengestellt. 34 Autos, darunter drei Sattelzüge und zwei Kleintransporter, waren beteiligt. Zehn Personen wurden leicht, drei Personen schwer und drei Personen lebensgefährlich verletzt. Zwei von ihnen sind inzwischen außer Lebensgefahr, eine Person schwebt immer noch in akuter Lebensgefahr. Für eine 73-jährige Frau aus Bremen kam jede Hilfe zu spät. Sie erlag an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen.

Eineinhalb Stunden nach diesem Massenunfall krachte ein Autofahrer auf der A21 zwischen Bad Oldesloe Süd und Tremsbüttel auf spiegelglatter Straße in die Mittelschutzplanke und wurde verletzt. Die A21 wurde ebenfalls gesperrt. Gegen 15.30 Uhr kam es zu einem weiteren Unfall am Stauende auf der A1 im Autobahnkreuz Bargteheide. Dort wurden zwei Menschen schwer verletzt. Auch bei diesem Unfall kam ein Rettungshubschrauber zum Einsatz.

„Wir haben in Absprache mit der Staatsanwaltschaft sieben Autos sichergestellt. Zudem waren drei Dekra-Unfallsachverständige an Ort und Stelle, die nun in akribischer Kleinarbeit versuchen, den genauen Unfallhergang zu rekonstruieren“, so Studt. Unter diesen sieben Fahrzeugen ist auch ein sich über Autopilot zu steuernder Tesla, den die tödlich verunglückte Bremerin fuhr. Gegenstand der Ermittlungen dürfte daher auch die Frage sein, ob der Autopilot eingeschaltet war.

Wer zahlt den Schaden?

Bei Massenunfällen gibt es seit 2015 eine neue Regelung. Sind 40 oder mehr Autos beteiligt, zahlen die Versicherer die Schäden, auch wenn sich kein Verursacher ermitteln lässt. Früher war die Grenze 50 Autos. In diesem Fall könnte eine Regel der GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft) bei 20 bis 39 Autos zur Anwendung kommen. Dazu muss der Unfall in engem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang stehen und dem Unfallgeschehen muss ein einheitliches verursachendes Ereignis zu Grunde liegen. „Ob das alles für diese Massenkarambolage zutrifft, wird eine Lenkungsgruppe der GDV nun klären", so Carsten Schiering von GDV Berlin und Mitglied der Lenkungsgruppe. jeb

Jens Burmester

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