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Stormarn Nachlese: Das sagen die Kandidaten
Lokales Stormarn Nachlese: Das sagen die Kandidaten
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20:45 10.04.2017
Foto-Shooting vor dem Rathaussaal: Leser wie Kandidaten zeigten sich begeistert vom LN-Speeddating zu den Landtagswahlen. Quelle: Fotos: Dvd

Authentischer, menschlicher und in ihren Aussagen verständlicher – so sind nach Aussagen der beteiligten Leser die fünf Landtagskandidaten beim jüngsten LN-Speeddating rübergekommen. Die Bewerber um die Direktmandate selbst haben nach eigenem Bekunden ebenso profitiert vom Wählerkontakt, wobei einige die Zeitvorgabe von fünf Minuten für gewöhnungsbedürftig hielten. Hier noch einmal die wichtigsten Antworten der Kandidaten auf Leserantworten.

 

Udo Reichle-Röber (r.) im Gespräch mit Christian Schubbert.

Susanne Danhier (SPD): Die meisten Fragen kamen zu sozialer Gerechtigkeit. Immer noch symbolisieren 6000 Fähnchen vor dem Ahrensburger Schloss die Armut von Kindern. Für ihre Grundsicherung machen wir uns beim Bund stark. Eltern haben dieses Jahr 100 Euro pro Monat für die Krippenbetreuung erstattet bekommen. Nächstes Jahr soll das auch für Drei- bis Vierjährige erfolgen, 2019 wird wieder eine weitere Altersgruppe in der Krippe bedacht, bis alles irgendwann beitragsfrei ist. Der Kuchen ist leider begrenzt, es geht nicht auf einmal. In der nächsten Legislaturperiode wollen wir gleichen Lohn für Frauen und Männer durchsetzen. Aber das geht nur mit dem Bund gemeinsam. Zum Unterrichtsausfall: Die SPD hat 1600 Lehrer zusätzlich eingestellt, um ihn zu reduzieren. Da die Schülerzahlen in nächsten Jahren abnehmen, erreichen wir eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung.

Christian Schubbert (Grüne): Alles, was mit Bildung zu tun hat, sollte gratis sein – von der Krippe und Kita über Schule bis hin zum Studium. Das muss natürlich auch für die Ausbildung von Pflegekräften gelten. Es kann nicht sein, dass Leute, die so eine schwere körperliche Arbeit verrichten müssen und dafür brennen, anderen zu helfen, auch noch Geld für die Ausbildung zahlen sollen. Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sollten ebenso wie alle anderen in die Kranken- und Sozialversicherung einzahlen müssen. Gefragt wurde ich auch nach dem Abschiebestopp für Menschen aus Afghanistan. Für mich ist es kein sicheres Land. Wie man auf die Idee kommen kann, Frauen, Kinder und deren Männer dorthin abzuschieben, wo man Angst haben muss, erschossen, entführt oder vergewaltigt zu werden, ist mir ein Rätsel.

Claus Christian Claussen (CDU): Ich wurde oft zur Bildung und Kinderbetreuung befragt. Wir wollen die Elternbeiträge auf 25 Prozent der Kosten deckeln. Das Land muss hier mehr leisten. Ganz umsonst soll die Betreuung aber nicht sein, weil sonst der Eindruck entsteht, was nichts kostet, taugt nichts. Das hat auch mit Wertschätzung der Arbeit der Beschäftigen zu tun. Die Rückkehr zu G9 halte ich für richtig. Es gibt den Schülern mehr Zeit zum Lernen, macht sie reifer, um später allein in einer Uni unter zahlreichen anderen Studenten bestehen zu können. Im Bereich Infrastruktur tut das Land zu wenig – siehe L88 und auch beim schnellen Internet. Innere Sicherheit ist auch wichtig. Es kann nicht angehen, dass es einen Kriminalitätsschwerpunkt bei Einbrüchen gibt. Das ist organisiertes Verbrechen. Da muss man auch mit Hamburg zusammenarbeiten.

Anita Klahn (FDP): Bei der Kinderbetreuung wollen wir den Elternbeitrag deckeln, dass er landesweit nachvollziehbar ist. Die Ganztagsbetreuung in der Krippe soll maximal 200 Euro, in der Kita 150 Euro unter Beibehaltung einer Sozialstaffelung kosten. Denn es gibt immer noch Familien mit mehreren Kindern, für die das noch eine erhebliche Belastung ist. Wir wollen auch an einer bedarfsgerechten zeitlichen Betreuung arbeiten und Arbeitgeber für Betriebskindergärten werben. Da lässt sich schon von guten Beispielen berichten. Bei der S4 musste ich mahnend anmerken, dass es für Oldesloe eine Verlängerung der Fahrzeit bedeutet. Was die Schulen anbelangt, so gibt es in Stormarn nur G8-Gymnasien. Vielleicht sollte eines davon ein G9-Angebot machen.

Uli König (Piraten): Viele Fragen zielten auf den sozialen Bereich und Bürgerbeteiligung ab. Einem Interviewer habe ich geraten, die Gemeinde zu verklagen wegen fehlender Krippenversorgung für Flüchtlinge. Zur S4 habe ich erklärt, dass der Regionalexpress nicht wegfällt, die S4 aber für Stormarn nichts Positives bringt. Die Fahrt dauert länger. Der einzige Effekt ist, ein Gleis für den Güterverkehr frei zu kriegen. Bürgerbeteiligung sollte es bei Windkraftwerken geben, um zu vermeiden, dass Anlagen 400 Meter von der Haustür entfernt aufgestellt werden. Das Problem: weder Gemeinde, Kreis oder Landtag, sondern nur die Staatskanzlei darf entscheiden. Da im Land nur endlich Geld vorhanden ist, sollte eher die Schulversorgung sichergestellt werden, als neue Polizeistellen zu schaffen. Dafür sollte es mehr Fußstreifen geben als Überwachungstechnologie. Denn eine Kamera, die an der Wand hängt, kann im Ernstfall nicht einspringen und helfen. Nach Einbrüchen müssen unbedingt Fingerabdrücke genommen und abgeglichen werden. Das geschieht zurzeit nicht.

 Dorothea von Dahlen

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