Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Nachwuchssorgen? Nicht in Trittau

Trittau Nachwuchssorgen? Nicht in Trittau

Landwirtin Nina Zingelmann (19) hofft auf eine Zukunft auf dem Bauernhof.

Trittau. Schnickschnack gibt es bei ihr nicht. Dafür ist die junge Landwirtin Nina Zingelmann aus Trittau viel zu geerdet. Kein Wunder, ist sie doch mit fünf Geschwistern auf dem elterlichen Hof mitten in der Gemeinde groß geworden. Dazu gehörte auch früh Verantwortung für die Geschwister mit zu übernehmen. Und natürlich auch in die Arbeit auf dem Bauernhof eingebunden zu werden. Und das hat schließlich ihren Berufswunsch bestimmt: Landwirtin. Vor kurzem war ihre Freisprechung, drei Jahre Lehrzeit liegen hinter ihr – in unterschiedlichen Betrieben.

LN-Bild

Landwirtin Nina Zingelmann (19) hofft auf eine Zukunft auf dem Bauernhof.

Zur Bildergalerie

„Als Kind habe ich die Kälber getränkt, mit 13 Jahren habe ich schon alleine gemolken, wenn mein Papa Termine hatte“, erzählt Nina Zingelmann. Ihr Papa ist Ulf Zingelmann, der 1995 den Hof von seinem Vater Werner übernommen hat. Ob sie später auch einmal den Hof und damit eine jahrhundertalte Tradition übernehmen wird? Nur wenn man dann noch davon leben kann, macht Nina Zingelmann klar – schließlich sei es eine große Verantwortung; und wenn ihr jüngerer Bruder Björn nicht den Hof übernehmen will. Denn um mit dem Hof überleben zu können, müsse es beispielsweise einen vernünftigen Milchpreis geben für die Landwirte. „Wachsen oder weichen.“ So drückt es Nina Zingelmann aus.

Dabei ist ihre Familie mit 150 Kühen nicht schlecht bestückt. Und trotzdem: „Von 21 Cent pro Liter Milch kannst du nicht leben und nicht sterben. 35 Cent müssten es mindestens sein“. Damit nicht genug: „Wir müssen unsere Milch zu Weltmarktpreisen verkaufen, andere Bauern in andern Ländern haben aber nicht so viele Auflagen wie wir.“ Und durch die Russland-Sanktionen sei die Lage noch schlechter geworden. Nina Zingelmann fühlt sich als Landwirtin immer mehr „in die Zange genommen. Dabei wird Nahrung doch immer gebraucht. Wir ernähren die Welt.“ Es ist ein altes Problem: Schon 2008 hat Ulf Zingelmann für mehr Geld pro Kilogramm Milch gekämpft und damals gab es sogar noch 32 Cent.

Und trotzdem: „Die Arbeit mit Tieren reizt mich“, unterstreicht Nina Zingelmann ihre Wahl. Der Beruf sei so vielfältig, jeden Tag passiere etwas anderes. Man sei viel an der frischen Luft, habe viel Bewegung. Es sei aber auch ein Knochenjob – dazu noch schlecht bezahlt. Im ersten Lehrjahr gibt es 90 Euro im Monat, Kost und Logis frei. Und dafür heißt es morgens um 5 Uhr raus zum Melken, egal ob am Abend vorher noch lange Stroh gefahren wurde oder alle zum Dreschen raus waren. Dann heißt es nach dem Mittagessen ein kurzes Nickerchen machen – wenn es die Zeit zulässt. Gut geht das im Winter, dann ist nicht so viel zu tun. Unterm Strich steht für Zingelmann: „Die Arbeit macht mir Spaß. Und jetzt arbeite ich zu Hause, da bin ich auch bereit, viele Stunden zu machen.“

Während ihrer Lehrzeit hat sie die Erfahrung gemacht, „dass das Verständnis für Frauen bei den älteren Landwirten nicht unbedingt gegeben ist. Egal ob man Praxiserfahrung hat oder nicht. Vielleicht hatte ich auch nur Pech.“ Dabei ist sie nicht die einzige Frau in dem Metier: 44 Schüler gab es in ihrem Jahrgang an der Landwirtschaftsschule, davon waren sieben weiblich.

Ob die Neuseeländer mit Landwirtinnen anders umgehen? Im November fliegt Nina Zingelmann für drei Monate nach Neuseeland. Der Hof, auf dem sie hilft, hat 650 Kühe. Für die „Kuhfanatikerin“, wie sie sich selbst beschreibt, eine neue Erfahrung. 2017 will sie wieder die Schulbank drücken, geprüfte Wirtschafterin des Landbaus werden. Um später an der Fachhochschule Rendsburg zu studieren und als Rinderspezialberaterin zu arbeiten.

Die bodenständige 19-Jährige fachsimpelt über die Ernährung von Kühen, über die Veränderungen in der Landwirtschaf wie andere junge Frauen in ihrem Alter übers Shoppen oder Szenetreffs. Und kämpft gegen das hinterwäldlerische Image der Landwirte an. „In der Landwirtschaft steckt so viel drin. Es hat eine Wandel um 180 Grad gegeben in den vergangenen 50 Jahren.“ Und der Wandel geht weiter. Das wird Nina Zingelmann erleben, auf dem eigenen Hof oder als Rinderexpertin.

K. Kuhlmann-Schultz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stormarn
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Was für einen Adventskalender haben Sie?

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und vieles mehr in Lübeck und Umgebung.

TSV Trittau

Alles zu den Badminton-Stars beim TSV Trittau.

Zweiter Weltkrieg

Dieses Dossier beschäftigt sich mit der Situation in Stormarn während des Zweiten Weltkriegs.