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Stormarn Narropera – ein neues Musikgenre erobert Stormarn
Lokales Stormarn Narropera – ein neues Musikgenre erobert Stormarn
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18:10 28.07.2018
Guter Dinge: Der Neuseeländer Haydn Rawstron und seine Ehefrau Dorothee Jansen fühlen sich im Herrenhaus von Neverstaven sehr wohl. Sie freuen sich schon auf das Konzert im September. Quelle: Foto: Dorothea Von Dahlen
Neverstaven

Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Sopranistin Dorothee Jansen und Violinistin Floriane Peycelon will er diese kammermusikalisch angelegte Form der Oper auch in Stormarn publik machen und gar zu einer Festivalwoche ausbauen.

Keltische Kathedralen und die aus „Harry Potter“ bekannte Halle des Oxforder ChristChurch-College waren schon Kulisse. Jetzt hat der neuseeländische Impresario Haydn Rawstron das romantische Gut in Neverstaven als Schauplatz für sein neues Musikgenre, die Narropera, entdeckt.

„Mit Narren vom Kölner Karneval hat das nichts zu tun“, sagt der Musikliebhaber lachend, ein typisch britisches Timbre in der Stimme. „Vielmehr geht es um ,narrare’, das italienischen Wort für ,erzählen’.“ Und das ist in den Augen des Musikwissenschaftlers auch tatsächlich nötig, um dem zeitgenössischen Publikum die Bedeutung und ganze Dimension einer Oper nahe zu bringen.

Verständnis erwecken

„Ich habe während meiner Karriere an die 2500 bis 3000 Vorstellungen erlebt und gesehen, wie das Publikum reagiert. In den Gesichtern ist kein Verständnis mehr dafür zu entdecken, worum es in der Geschichte geht“, erklärt Rawstron. Die Aufführung von Opern in verschiedenen Sprachen machten es auch schier unmöglich, dem gesungenen Text zu folgen, geschweige, die Handlung auf der Bühne zu begreifen. Statt das gesungene Wort nähmen die Leute nur noch die Stimme wie ein Instrument unter vielen anderen wahr. Gewissermaßen zur Rettung des Genres hat Rawstron ein Opernprogramm entwickelt, das die Verständnislücken schließen und dem Publikum wieder einen unmittelbaren Zugang zum Plot des Bühnenstücks eröffnen soll.

Brillant vorgetragene Arien

Den Auftakt macht in Neverstaven Mozarts „Don Giovanni“. Nach aufrüttelndem, Aufmerksamkeit erheischenden Marsch stimmt Rawstron das Publikum auf die faszinierende Geschichte des Bühnenhelden ein, mit der sich auch ein Stück europäische Historie verbindet. Der Rahmen für die logisch aufeinander folgenden, brillant von Dorothee Jansen vorgetragenen Arien ist abgesteckt. Es erklingen etwa der große Eröffnungspart der Dona Elvira, die für die Sopranistin transponierte Champagner-Arie sowie ein bearbeitetes Terzett, bei dem die Geige einen Gesangspart übernimmt.

Während der Intermezzi zitiert Rawstron aus dem Text und bringt die kunstvolle Sprache der Mozartoper so zur Geltung. „Da steckt viel Witz, Sozialkritik und Ironie drin. Es ist eine Wunderkiste voll Poesie und Psychologie. Ohne das Verständnis sitzt das Publikum nur da und wartet auf die nächste Melodie“, sagt er. Mit der Erklärung im Hinterkopf aber erwachse ein ganz neues, tiefer gehendes Verständnis für die Oper. „Ich habe Leute getroffen, die schon 100 Mal ein Stück in Covent Garden gesehen haben, und nach der Narropera zu mir sagten: ,Endlich habe ich das Stück verstanden’. Und das ist die schönste Belohnung“, sagt der Musikexperte.

Rawstron hat die Oper aus allen erdenklichen Blickwinkeln kennen gelernt. Nach dem Studium der Musikwissenschaft in Oxford und einem Intermezzo in Bayreuth führte der Neuseeländer Regie am Staatstheater in Oldenburg. „Ich wollte ein Bild davon gewinnen, was hinter der Bühne passiert“, erzählt er. Denn sein eigentliches Ziel sei die Gründung einer Künstleragentur in London gewesen. „Ich bin damals wahnsinnig viel gereist. Als Agent war ich fast jeden Tag in einem anderen Opernhaus oder einer anderen Stadt“, erinnert sich Rawstron. Unterwegs nach Bayreuth, Wien Bologna, Paris Genf war er stets auf der Suche nach neuen Gesangstalenten, die es weiter zu fördern und letztlich auch auf die Bühne zu bringen galt. Zu den Auserwählten gehörten unter anderem die Isländerin Kristinn Sigmundsson, der Stuttgarter Rainer Trost, der Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt und nicht zuletzt Dorothee Jansen.

Die Sopranistin studierte an der Hochschule in Hamburg. Beim internationalen Cestelli-Opernwettbewerb belegte sie 1996 den dritten Platz. Späterhin war sie Mitglied der Kölner Oper, sang in Bayreuth den Part der Woglinde als eine der Rheintöchter in Wagners Ring der Nibelungen oder das Blumenmädchen in Parsifal. In London gab sie Schubertabende.

Diese Form der freien Vortragsweise lag ihr mehr. „In der Oper als Institution ist man eine Marionette und kann nicht all seine Talente zeigen“, erzählt die Künstlerin. Und das biete ihr jetzt die Narropera. Die Möglichkeit, all ihre gesanglichen Facetten auszuspielen, seien ihr nun an die Hand gegeben.

Soirée im Herrenhaus

Aufgeführt wird die Narropera „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart im Salon des Herrenhauses Neverstaven am Sonnabend, 1. September, ab 18 Uhr. Nach dem Konzert gibt es eine kleine Verköstigung.

Die Interpreten sind Dorothee Jansen (Sopran), Floriane Peycelon (Violine) und Haydn Rawstron (Klavier und Erzähler).

Tickets für 25/erm. 12,50 Euro sind bei der Oldesloer Buchhandlung Willfang erhältlich, Tel.: 04531/2676.

Dorothea von Dahlen

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