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Nazi oder nicht: Vergangenheit Stormarner Landräte untersucht

Bad Oldesloe Nazi oder nicht: Vergangenheit Stormarner Landräte untersucht

Kulturstiftung der Sparkasse hat Forschung gefördert – Politik überlegt weiteres Vorgehen.

Bad Oldesloe. Der Kreis Stormarn setzt sich mit seiner Vergangenheit auseinander: Der Historiker Henning Müller hat die Biografien der Stormarner Landräte von 1919 bis 1974 aufgearbeitet und dabei untersucht, inwieweit die Landräte in Beziehung zu den Nationalsozialisten standen, welchen Organisationen sie angehört und welche Rollen sie gespielt haben. Dabei kam heraus, dass die Männer unterschiedlich verstrickt waren, einige auch gar nicht. Mit einer ersten Kurzfassung setzt sich demnächst die Kreispolitik auseinander. Sie wird dann auch entscheiden, was mit der Bildergalerie der Landräte im Kreishaus passieren soll.

Die Linken, die die Aufarbeitung dieses Teils der Geschichte vor vielen Jahren angeregt hatten, setzen sich dafür ein, kein Bild abzuhängen, sondern alle Bilder mit entsprechenden Legenden zu versehen, wie Heidi Beutin vorschlägt. „Wir müssen deutlich machen, was die Leute während der Nazi-Zeit gemacht haben. Wir sollten aber auch gleichzeitig auf die Opfer hinweisen“, unterstrich die Politikerin. Denn für den Tod von Paul von Schoenaich, nach dem in Reinfeld sogar eine Straße benannt ist, so berichtet Beutin, sei der Landrat Constantin Bock von Wülfingen (aktiv zwischen 1933 bis 1937) verantwortlich gewesen. „Im Blauen Haus in Bad Oldesloe ist von Schoenaich damals erschlagen worden.“ Er sei einer der Menschen gewesen, die sich vom Schwertgläubigen zum Pazifisten entwickelt hätten.

Für die Kreis-Grünen ist die Aufarbeitung der Geschichte ebenfalls unerlässlich. „Transparenz und Aufklärung ist immer wichtig“, formuliert es deren Fraktionschefin Sabine Rautenberg. „Es ist gut, wenn man weiß, wer was gemacht hat, gerade bei der Nazi-Geschichte möchte ich wissen, wie es gesellschaftspolitisch abgegangen ist.“ Zumal viele aus der Zeit später in hohen Ämtern gesessen und eine Aufklärung verhindert hätten. Rautenberg setzt sich ebenfalls dafür ein, Hinweise zu den Bildern der Landräte zu geben, „mit der Information, wo man weiterlesen kann. Dass könnte man ja auch interaktiv machen.“

Ohne Details zu kennen, ist für SPD-Fraktionschef Reinhard Mendel klar: „Auch die schlimmen Teile unserer Geschichte müssen in Erinnerung bleiben, damit sie sich nicht wiederholen. Aus Geschichte kann man lernen, die muss immer aufgearbeitet werden.“

Das war auch einer der Gründe, warum die Kulturstiftung der Sparkasse die Forschung des Historikers Müller aus Niedersachsen unterstützt hat. „Neben schlimmen Fingern“, so Stiftungsgeschäftsführer Jörg Schumacher, „sind auch Leute dabei gewesen, die nicht mit allem einverstanden gewesen sind.“ Ihm schwebt eine Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet vor. Bilder der Landräte würden dort ja schon stehen, „man muss sehen, wie man das verlinken kann.“

CDU-Fraktionschef Joachim Wagner findet „das Ganze grenzwertig. Ich habe ein Problem damit, nach 80 Jahren eine Hetzjagd zu machen und zu sehen, was für Kerle das waren.“ Das hätte man in den 1950er und 1960er Jahren aufarbeiten sollen. „Nicht jeder, der in Amt und Würden war, war ein Hitler-Anhänger.“ Da die Politik die Kurzfassung der Aufarbeitung der Biografien der Stormarner Landräte selbst noch nicht in Händen hält, kann Wagner noch nicht sagen, wie weiter verfahren werden soll.

Für den Historiker Henning Wulf indes ist klar: „Die Verwaltungsbeamten haben sich immer der jeweiligen Zeit angepasst. Sei es die Kaiserzeit oder das Dritte Reich, in der Beziehung waren sie loyal und solidarisch. Wenn öffentliche Veranstaltungen waren, dann haben sie im Zeitgeist ihre Reden gehalten, aber nicht öffentlich Kritik geübt“, erklärt er. Er zieht aus seiner Forschung, die 2014 begonnen wurde, folgendes Fazit: Im Kreis Stormarn war es nicht anders als in anderen Kreisen.

K. Kuhlmann-Schultz

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