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Neue Reinfelder Zebrastreifen-Attacke

Reinfeld Neue Reinfelder Zebrastreifen-Attacke

Wieder hat ein Verfechter für einen Überweg in der Schoenaich-Straße eigenmächtig an der Verkehrsregelung geschraubt — Die Wählerinitiative sagt: „Wir waren es nicht“ — und übt Kritik am mangelnden Einsatz von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD).

Schoenaich-Straße, Reinfeld 53.830946 10.48801
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Schoenaich-Straße, Reinfeld Mehr Infos
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Die Zebrastreifen-Aktivisten der Wählerintiative Reinfeld staunten nicht schlecht, als sie an Neujahr die gelben Balken auf der Paul-von-Schoenaich-Straße entdeckten. Zum 1. April hatten sie sich selber einen Scherz erlaubt und hatten so getan, als malten sie einen solchen Überweg aufs Pflaster der temporeduzierten Straße im Herzen der Stadt.

Reinfeld. Schon wieder hat jemand, vermutlich ein Reinfelder, eigenmächtig in die Straßenverkehrsgestaltung eingegriffen. Er hat, wie erst jetzt bekannt wurde, zum Jahreswechsel sechs gelbe Zebrastreifen auf das neue Pflaster in der Paul-von-Schoenaich-Straße geklebt. Ausdruck eines ungebändigten Willens der Reinfelder, einen sicheren Überweg auf Höhe Eis-Witt und Schuhhandlung Stinshoff einzurichten. „Wir waren das nicht“, wehrt Walter Engel von der Wählerinitiative bohrende Nachfragen ab.

Engel, seine Parteifreunde Stephan Heinrich und Jens Löper hatten nämlich selber zum 1. April vergangenen Jahres weiße Papierstreifen an gleicher Stelle ausgelegt und damit ein Ordnungswidrigkeitsverfahren riskiert. Doch das war ihnen der Spaß wert. Sie wollten demonstrieren, wie viel Wert vor allem Eltern und Senioren auf eine sichere Straßenüberquerung an dieser Stelle legen.

Die sonst von den etablierten Parteien wegen ihrer ganz eigenen Ansichten bisweilen kritisierte Initiative wusste jedoch bei dieser Aktion die Mehrheit in der Stadt hinter sich. Seitdem der Zebrastreifen im zweiten Bauabschnitt zur Sanierung der Straße vor zwei, drei Jahren verschwunden war, regt sich der Unmut der Reinfelder. Hans-Peter Lippardt, der ehemalige Bürgervorsteher, hatte sogar öffentlich einen Sit-In an dieser Stelle erwogen. „Die Reinfelder wissen selber, wie es um den Verkehr in dieser Stadt bestellt ist. Dann malen wir das Ding eben selber“, hatte er vor einem Jahr beim Neujahrsempfang gesagt.

Bei der Freigabe der neuen Straße im August war dann zwar allgemein große Freude zu erkennen. Doch es gab gleich kritische Stimmen. Buchhändlerin Kerstin Müller etwa bemängelte den Nachteil, „dass die Autofahrer nicht lesen können“. Sie würden durch die neue 30er-Zone rasen wie früher, als noch 50 Stundenkilometer erlaubt waren.

Doch die Verkehrsaufsicht des Kreises bleibt bei ihrer Linie. „Wir sind an rechtliche Vorgaben gebunden“, hatte Behördenleiter Dirk Willhoeft seinerzeit argumentiert. Er sei gehalten, Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen zu verhindern, „weil der Autofahrer dort ohnehin an jeder Stelle mit Fußgängern rechnen muss“. Daraufhin sammelte die Wählerinitiative 1552 Unterschriften und übergab sie an Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Nach dem Gespräch in Kiel fühlte sich die kleine Reinfelder Initiative mit einem mächtigen Minister an ihrer Seite im Aufwind.

Hoffnung hatte Meyer vor allem deshalb gemacht, weil er sich für mehr unabhängige Entscheidungen der Kommunen einsetzen will. Bei dem Gespräch mit den Reinfeldern „zeigte sich der Minister von dem vehementen Bürgerwillen beeindruckt und versprach, die nicht ganz einfache Angelegenheit nochmals sorgfältig zu prüfen“, berichteten die Reinfelder. Meyer habe sich aufgeschlossen für die dahinter stehende grundsätzliche Problematik der verkehrsrechtlichen (All-)Zuständigkeit der Kreisverwaltung gegenüber den Gemeinden gezeigt.

Doch jetzt kam die Enttäuschung, in Form eines Briefes. „Die Voraussetzungen für die Anordnung eines Zebrastreifens in der Paul-von-Schoenaich-Straße liegen nicht vor“, fasst ein Referent in Meyers Ministerium seine Überlegungen zusammen. Voraussetzung wäre eine über die üblicherweise im Straßenverkehr hinausgehende Gefahrenlage. Die sei aufgrund niedriger Fußgänger-Querungszahlen, vergleichsweise geringem Fahrzeugverkehr und einer bereits bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 nicht gegeben. Eine Unfallhäufung liege ebenfalls nicht vor. Die Verkehrsbehörde des Kreises Stormarn beobachte jedoch das Verkehrs- und insbesondere das Unfallgeschehen. Sie werde ihre Bewertung bei neuen Erkenntnissen anpassen.

„Hier bekam man nicht viel anderes zu lesen als eine Wiederholung der hinlänglich bekannten und wenig problemorientierten Rechtsauffassung der Kreisverwaltung“, kommentiert Aktivist Jens Löper. Zudem habe der Minister an dieser Stelle auch nichts mehr hören lassen von einer selber angeregten Verkehrszählung. „Daran werden wir ihn weiterhin erinnern“, sagt Walter Engel. Außerdem müsse Meyer das Verfahren zu mehr Eigenständigkeit der Kommunen weiter vorantreiben. Eine „heimliche Freude“ empfindet Aktivist Engel über die gelben Zebrastreifen. Zeige die Aktion doch, „dass sich der Bürgerwille in kreativen Aktionen nach wie vor Bahn zu brechen scheint“, auch wenn die Streifen inzwischen wieder verschwunden sind.

Uwe Krog

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