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Stormarn Firmen stürmen die Flächen für Windkraft
Lokales Stormarn Firmen stürmen die Flächen für Windkraft
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15:31 29.09.2018
Da hinten sind die vorgesehenen Flächen. Bernd Strehl aus Schadehorn. Quelle: mc
Bad Oldesloe

Aufregung um den überarbeiteten Regionalplan zur Windenergie in Schleswig-Holstein: Auch in Stormarn sind einige Flächen betroffen. Neben Lasbek und Steinburg (die LN berichteten) beschäftigen sich auch in Nordstormarn einige Gemeinden mit den teilweise neuen Vorrangflächen für Windkraft. Bis Anfang Januar können zwar Stellungnahmen und Einwände an das Land gerichtet werden, doch kaum jemand rechnet mit erneuten Änderungen. Im Gegenteil: Windunternehmen aus ganz Norddeutschland stürmen seit Bekanntwerden der Pläne die Flächen, legen den Eigentümern bereits fertige Verträge vor.

„Alle zwei bis drei Tage klingelt bei uns das Telefon“, erzählt Bernd Strehl aus dem Oldesloer Ortsteil Schadehorn. Mal sind Vertreter von Windkraftfirmen am Apparat, mal Makler, die sich quasi dazwischenschalten wollen, also schnell die begehrten Flächen sichern und dann an die Unternehmen weiterverkaufen. Alle haben Infomaterial parat und viele warme Worte.

Bernd Strehl (68) ist Rentner und seit mehr als 30 Jahren Landwirt im Nebenerwerb. „Es war schon überraschend, dass dieses Gebiet doch wieder im Regionalplan stand“, berichtet Strehl und blickt über seine Felder. Hinten am Horizont stehen Windräder der Gemeinde Feldhorst, Ortsteil Havighorst. „Auf die Blicke ich schon seit fast 15 Jahren. Das waren mit die ersten hier in der Gegend.“ Ärger gab es damals nicht und ist auch diesmal nicht zu erwarten, denn weit und breit ist im Grunde nur Natur zu sehen. „Die Flächen sind gar nicht sehr groß“, erklärt Strehl. Alle werden landwirtschaftlich genutzt, zumeist werden Raps und Getreide angebaut.

600 Meter Abstand

Strehl rechnet mit dem Bau von entweder vier kleineren oder - wahrscheinlicher - zwei größeren Anlagen. „Die sind produktiver bei im Vergleich niedrigeren Investitionskosten.“ Die vorgeschriebene Abstandsregelung von 1000 Metern zur nächsten Wohnbebauung wird hier nicht eingehalten, muss sie aber in diesem Fall auch nicht. Bei Einzelgehöften wie diesem abgelegenen Teil Schadehorns sind 600 Meter ausreichend.

Insgesamt sind fünf Flächeneigentümer betroffen, die sich am Ende auf ein Angebot einigen müssen. Bernd Strehl ist da guter Dinge und hat sich bereits intensiv mit dem unverhofften Angebot beschäftigt. Trotzdem wird sich die Gruppe am Ende fachmännischen Rat holen, zum Beispiel bei einer Anwaltskanzlei oder auch dem Landesbauernverband, der über entsprechende Erfahrungen verfügt. „Es müssen zwar noch Gutachten eingeholt werden zu Naturschutz und Vogelflug“, erklärt Strehl, aber die Firmen gingen fest von einer Bebauung aus. Strehl rechnet mit zwei Anlagen mit einer Nabenhöhe von etwa 180 Metern, dazu etwa 40 bis 50 Meter langen Rotorblättern. Sollte es grünes Licht vom Land geben, kämen die Unternehmen mit Hightech-Equipment, um den bestmöglichen Standort und die produktivste Ausrichtung der Windmühlen auszuloten. Profitieren würden laut Strehl am Ende alle fünf Eigentümer, egal wo die Anlagen schließlich genau sehen. Und nicht nur das, „auch die Stadt Bad Oldesloe erhält Gewerbesteuer, die sie gut gebrauchen kann“, ergänzt Ehefrau Annelie Strehl, die zugleich für die FBO in der Oldesloer Stadtverordnetenversammlung sitzt.

Mit Erstellung der Gutachten, Feinplanung und schließlich dem Bau der etwa fünf bis sechs Millionen teuren Anlagen (pro Stück) gehen einige Jahre ins Land. Strehl rechnet mit der Inbetriebnahme nicht vor dem Jahr 2022. Schließlich müssten auch noch Kabel verlegt werden, die den Windstrom ins Netz übertragen. Angeschlossen werden könnten die Anlagen in Havighorst oder Sehmsdorf.

Im Nachbarort Feldhorst geht man ebenfalls gelassen mit den Plänen um. „Das kam schon sehr überraschend, aber wir warten erst mal ab, ob dort wirklich Windkraftanlagen gebaut werden“, sagt Bürgermeister Ernst-Wilhelm Schorr.

Blickpunkt Rehhorst: Die etwas höher gelegene Gemeinde (62 Meter über normal Null) ist offensichtlich besonders geeignet für die Produktion von Windstrom. Im Ortsteil Willendorf stehen bereits fünf Windkraftanlagen, und im neuen Regionalplan ist eine neue Fläche enthalten für das sogenannte Repowering. Das heißt, dort könnten neue leistungsfähigere Anlagen gebaut werden. Genau genommen sind es zwei Flächen; der Großteil ist auf Rehhorster Gebiet, ein anderer auf Bühnsdorfer im Kreis Segeberg.

„Die Landeigentümer wollen uns demnächst die Pläne vorstellen. Als Gemeinde sind wir da neutral“, sagt Lutz Witting, stellvertretender Bürgermeister. Eine große Protestwelle erwartet er auch nicht.

Blickpunkt Heilshoop: Kontroverse Diskussionen gab es, als Heilshoop mit einem Gebiet Richtung Badendorf an der A 20 im Regionalplan auftauchte. Auch früher schon gab es in der Gemeinde zwei Lager, klare Gegner und deutliche Befürworter der Windkraft. Das alles ist jedoch obsolet. Denn Heilshoop taucht im überarbeiteten Regionalplan gar nicht mehr auf, die Fläche wurde gestrichen. „Das hängt mit den geänderten Abstandsregelungen zur Wohnbebauung zusammen“, erklärt Bürgermeister Jan Steen. Das betroffene Areal wäre näher als 1000 Meter an Häusern dran. „Daher macht auch eine Stellungnahme unsererseits keinen Sinn“, erklärt Steen. Bis 3. Januar können Bürger Einwände geltend machen.

Steen selbst ist ein Befürworter alternativer Energien, „und die Steuereinnahmen hätten uns auch gutgetan“. Bislang steht in Heilshoop keine einzige Windkraftanlage. Und weil das erst mal so bleibt, ist auch der Dorffrieden zunächst gesichert.

Blickpunkt Westerau: Ähnlich wie Feldhorst ist der neue Regionalplan auch in Westerau eher ein „Randproblem“. Die Gemeinde selbst, in der bereits sechs Windkraftanlagen stehen, ist im Regionalplan nicht mit weiteren Flächen vertreten, könnte aber einen riesigen Windpark vor die Nase gesetzt bekommen. Denn im benachbarten Grinau im Kreis Herzogtum Lauenburg ist ein großes Areal als geeignet gekennzeichnet. „Einige Bürger hier im Ort reagieren sehr empfindlich auf das Thema“, erklärt Westeraus Bürgermeisterin Petra Jürß. Bislang sei es aber sehr ruhig, was die Pläne im Nachbarort angeht.

Tralau -> Groß Niendorf

Markus Carstens

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