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Stormarn Neuer Sportplatz bleibt ungewiss
Lokales Stormarn Neuer Sportplatz bleibt ungewiss
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22:29 28.08.2018
Auf der Luftaufnahme sind die Sportplätze des SV Reinfeld zu sehen. Vorn im Bild gleich hinter den Schulgebäuden befindet sich der D-Platz, der saniert werden soll. Der marode Zustand ist gut von oben zu erkennen. Im Sommer ist der Platz knüppelhart und holprig, im Winter versinkt er wegen einer defekten Drainage im Schlamm. Quelle: Foto: Giese
Reinfeld

Herr Gerstmann, Sie sind in die Kritik geraten, weil Reinfelds Verwaltung die Sportstättenförderung des Landes verschlafen hat.

Viele marode Sportstätten in Stormarn erhalten in diesem Jahr Fördergelder vom Land. Reinfeld geht leer aus. Der Förderantrag für den Sportplatz des SV Preußen ging nicht rechtzeitig in Kiel ein. Bürgermeister Heiko Gerstmann äußert sich zur verspäteten Antragstellung.

Erster Stichtermin war der 31. März, bis dahin hätte der Antrag gestellt werden müssen. Im März wurde der Förderantrag ausführlich in der Verwaltung mit der Politik und dem Verein thematisiert.

Von einem Verschlafen kann also nicht gesprochen werden. Denn in der Richtlinie steht auch, dass später gestellte Anträge zwar nachrangig behandelt, aber deswegen nicht abgelehnt werden.

Reinfeld hat eine eingeschränkte Haushaltsgenehmigung. Haben Sie eine Einzelgenehmigung für die Sportplatzsanierung beantragt?

Wir hatten den politischen Beschluss, dass wir für die Sportplatzsanierung ein Einzelgenehmigungsersuchen beantragen. Das haben wir am 2. März gestellt. Ich hatte die Hoffnung, dass wir von der Kommunalaufsicht bis Ende März eine Aussage bekommen, ob die uns diesen Sportplatz genehmigen. Die liegt aber immer noch nicht vor. Der Fachdienst Kommunales hat mir jetzt ein Anhörungsschreiben geschickt, dass ich noch mal eine Stellungsnahme dazu abgeben soll. Aber entscheidend ist: Zum 31. März hatte ich keine Aussage. Ich kann den Kreis ja auch nicht zwingen.

Hätte man nicht trotzdem rechtzeitig den Antrag stellen können?

Ich musste mit meinem Namen unterschreiben, dass die Finanzierung gesichert ist. Das war nicht der Fall. Deswegen war ich nicht bereit dazu. Ich hatte von der Politik keinen gezielten Beschluss, den Förderantrag zu stellen. Der Antrag der SPD-Fraktion wurde erst für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 25. April gestellt.

Dann haben Sie sich breitschlagen lassen?

Ja – wider besseren Wissens habe ich den Förderantrag dann gestellt. Ich habe deswegen hier im Hause auch massiv Kritik einstecken müssen, weil die Finanzierung nach wie vor nicht gesichert ist.

Und wir müssen es personell leisten können. Das ist derzeit nicht möglich, dafür brauche ich Man- beziehungsweise Womanpower.

Wo fehlt es an Personal?

Nicht nur im Baubereich fehlen Mitarbeiter. Wir können die zahlreichen Projekte personell einfach nicht alle zeitnah abarbeiten.

Der SV Preußen hat die Verwaltung aber sehr unterstützt.

Ja, dankenswerterweise hat uns der Verein sehr unterstützt. Der SV Preußen hat eine Kostenschätzung erstellt. Aber derzeit gibt es keine mit der Politik abgestimmte Entwurfsplanung einschließlich einer Kostenberechnung zum Kunstrasenplatz. Bislang liegen nur grobe Skizzen vor.

Und wenn Sie jetzt einen positiven Bescheid vom Land bekommen hätten – 250 000 Euro Förderzuschlag?

Dann hätte ich die Sorge gehabt, dafür geradestehen zu müssen, dass wir den Rest aus unseren liquiden Mitteln bezahlen. Am 31. März konnte ich gar nicht absehen, ob wir es uns überhaupt leisten können. Dann wurde am 25. April ein Beschluss gefasst, dass wir die Ahrensböker Straße bauen sollen.

Was heißt das für die Sanierung des Sportplatzes?

Es hätte darauf hinauslaufen können, dass wir plötzlich Kassenkredite aufnehmen, weil wir kein Geld mehr auf dem Konto haben.

Jetzt wurden Sie aber für dieses Jahr nicht berücksichtigt.

Ja, die Verwaltung hatte noch mal mit dem Ministerium Rücksprache gehalten. Der Antrag wird erst 2019 berücksichtigt, wovon ich im Vorwege aber nicht ausging.

Haben Sie 2019 trotz der Sanierung der Ahrensböker Straße noch Geld für die Sportplatzsanierung?

Das ist noch offen. Da wir die Ahrensböker Straße aus den liquiden Mitteln finanzieren und etliche pflichtige Aufgaben haben, bleibt vermutlich nicht mehr genügend für den Sportplatz.

Grundsätzlich ist es doch so: Ich muss die Verwaltung leiten. Ich muss Prioritäten setzen. Die Prioritäten habe ich immer ganz klar kommuniziert. Wir müssen die Stellungnahmen für die Ordnungsprüfung, die Bilanzkorrekturen und Jahresabschlüsse machen, die haben für mich höchste Priorität. Alles andere hat sich dem unterzuordnen. Das heißt, für die Bauprojekte steht weniger Zeit zur Verfügung, als wenn wir in einem normalen Modus wären.

Also kein Lichtblick am Horizont?

Die Politik hat sich entschieden, den Baubereich personell zu stärken, das finde ich sehr gut. Wir haben eine neue Stelle ausgeschrieben. Ich hatte die Hoffnung, einen Ingenieur zu finden. Dafür haben mich aber die anderen Stormarner Bürgermeister quasi ausgelacht. Den gibt es in der Entgeltgruppe nicht auf dem Markt. Deswegen haben wir die Ausschreibung etwas offener formuliert, damit sich auch Bautechniker bewerben können. Am 1. September werden wir einen Bautechniker einstellen. Er wird unsere Architekten und Ingenieure entlasten, so dass diese wieder handlungsfähiger sind.

Welches sind jetzt die Projekte, die angegangen werden?

Wir haben drei Einzelgenehmigungen bekommen: Das Rettungszentrum steht an erster Stelle, was sehr komplex ist. Zudem haben wir die Einzelgenehmigung für die Bahnquerung (Brücke) und die barrierefreie Überquerung, also die Verlängerung der jetzigen Bahnüberquerung bis zur Holländerkoppel, erhalten.

Können Sie denn verstehen, dass die Sportler enttäuscht und sauer sind?

Klar. Da gibt es überhaupt keinen Dissens. Da ist dringender Handlungsbedarf, keine Frage. Auch die Politik will ja den Sportplatz. Ich muss aber immer wieder auf die finanziellen und personellen Seiten Rücksicht nehmen. Das kann ich nicht ignorieren.

Wie soll es weitergehen mit dem Sportplatz?

Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr wieder eine eingeschränkte Haushaltsgenehmigung bekommen. In den nächsten Monaten werden die Haushaltsberatungen für das Jahr 2019 mit der Politik geführt. Ich hoffe natürlich, dass wir im nächsten Jahr so viele liquide Mittel zur Verfügung haben, dass wir den Kunstrasenplatz dann realisieren können.

Geld vom Land

Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, Kommunen bei der Erhaltung ihrer Sportinfrastruktur zu unterstützen und den bestehenden Sanierungsstau zu beseitigen. Städte und Gemeinden konnten sich in diesem Jahr um Fördergelder bewerben. Rund 20 Millionen Euro hat Kiel zusätzlich für den Breitensport locker gemacht. 77 Kommunen im Land profitieren davon.

Sie erhalten jeweils bis zu 250000 Euro für die Modernisierung und Sanierung von Laufbahnen und Spielfeldern. Reinfeld ist leider nicht darunter. Der Antrag ging zu spät ein.

Das heißt: Der Sportplatz des SV Preussen wird dieses Jahr nicht gebaut.

Britta Matzen

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