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Stormarn Neues Leben im alten Wasserturm
Lokales Stormarn Neues Leben im alten Wasserturm
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21:45 06.10.2017
Der historische Wasserturm von Gut Wulfsdorf wird mit Fördermitteln der EU zu einem Schulungsgebäude umgebaut. Quelle: B.ALBROD
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Wulfsdorf

Gefördert wird das 190 000 Euro teure Vorhaben zu 90 Prozent mit EU- und Landesmitteln – vergeben durch die Aktivregion Alsterland – sowie mit einer Ko-Förderung durch die Stiftung Accanto. Hier sollen künftig Lernangebote zum Thema „Grünes Klassenzimmer“ gemacht werden.

Agraringenieurin Martina Sträßer betreut das Umbau-Projekt.

„Beim ’Grünen Klassenzimmer’ werden für Kinder und Erwachsene Umweltprogramme angeboten, die die bereits bestehenden Hofführungen ergänzen und sich schwerpunktmäßig mit der Ver- und Bearbeitung von landwirtschaftlichen Urprodukten und Naturmaterialien beschäftigen“, erläutert Agraringenieurin Martina Sträßer, die das Projekt betreut. „Denkbar ist die Zubereitung von Kartoffeln, die vorher vom Acker geerntet wurden, das Trocknen von Kräutern oder die Arbeit mit Gemüse.“ Jetzt schon finden gut 160 Hofführungen pro Jahr statt, die einen Einblick in das Leben auf dem Bauernhof bieten und mit circa 3000 Teilnehmern pro Jahr einen wichtigen Beitrag zur Umwelt- und Bauernhofpädagogik von Kitas und Schulen aus Hamburg und dem Umland bieten.

Während die Möglichkeiten derzeit noch begrenzt sind, weil alles unter freiem Himmel stattfindet, soll der Wasserturm mit seinem Nebengebäude ab Sommer 2018 einen Gruppenraum, einen Werkraum sowie Sanitäranlagen für neue Angebote bieten. Noch ist davon wenig zu sehen: Das schöne alte Backsteingebäude im hinteren Bereich des Gutes wurde 1908 gebaut und steht heute unter Denkmalschutz.

„Ursprünglich dienten der Turm und die Nebengebäude der Wasserversorgung, als Elektrostation mit Dampfmaschine und als Hofschmiede“, erklärt Martina Sträßer. Oben im Turm war ein Wassertank, im angeschlossenen Gebäude stand die so genannte Lokomobile, eine gigantische Dampfmaschine. Dazu kamen Generatoren, die für die Stromversorgung da waren. Die ehemalige Schmiede ist schon lange ausgezogen. Mittlerweile ist der große Raum leer, und mit den Jahren wurde das Gebäude immer baufälliger. Der Initiativkreis sorgte schließlich aus eigenen Mitteln dafür, dass der Turm ein neues Dach und neue Fenster bekam, damit das Gebäude nicht verfällt.

Vor gut zwei Jahren wandte sich der Initiativkreis an die Aktivregion, um Fördermittel für eine Sanierung einzuwerben. Mit der Zusage der Fördermittel kann nun das gesamte Gebäude mit Einwilligung des Denkmalschutzes ausgebaut und saniert werden. „Eine Reihe alter Schuppen am Haus haben wir abgerissen“, so Martina Sträßer. „Dort kommt ein moderner Glas- und Holzanbau davor, der mit dem Kerngebäude verbunden wird. Darin entsteht ein Werkraum, der alte Saal wird zum Gruppenraum.“ Statik- und Brandschutzprüfung sind mittlerweile abgeschlossen. Knapp 100 Quadratmeter stehen dadurch künftig für Schulungszwecke zur Verfügung. Dafür hat der Verein das Gebäude vom Hof gepachtet.

Martina Sträßer freut sich, dass damit auch eine Möglichkeit geschaffen wird, unabhängig vom Wetter mit Kindergruppen zu arbeiten. Die bekommen eine Bauernhofführung, können eine Kartoffelernte buchen, den drei Kilometer langen Lehrpfad mit 15 Stationen entlang wandern oder das Pomarium des Hofs besuchen, eine Baumschule für alte Obstsorten. (www.gutwulfsdorf.de)

Erlebbare Landwirtschaft

Gut Wulfsdorf wird seit 25 Jahren biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Für die vielfältig erlebbare Landwirtschaft, die Ansiedlung von handwerklicher Verarbeitung, das Prinzip des offenen Hofes, die Unterstützung der Umweltbildung, die Mitentwicklung von Wohnprojekten und die vielfältige Vernetzung in der Nachbarschaft wurde das Gut mehrfach ausgezeichnet: 3. Platz Förderpreis ökologischer Landbau 2007, 2.Platz Nachhaltigkeitspreis Schleswig-Holstein 2015.

 Bettina Albrod

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