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Stormarn Neues Verfahren in der Notaufnahme
Lokales Stormarn Neues Verfahren in der Notaufnahme
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22:07 17.11.2016
„Mit dem MTS fühle ich mich deutlich sicherer“, sagt Krankenschwester Christin Dometzky, die seit fünf Jahren in der Notaufnahme arbeitet.“ Quelle: Britta Matzen
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Bad Oldesloe

Immer mehr Patienten gehen in die Notaufnahme statt zum Hausarzt. Das bringt nicht nur längere Wartezeiten mit sich, sondern führt auch zu einer hohen Belastung von Ärzten und Pflegepersonal. Die Asklepios Klinik in Bad Oldesloe hat jetzt auf diese Entwicklung reagiert und ein neues Verfahren eingeführt, dass die Behandlungsdringlichkeit von Notfall-Patienten feststellt. Manchester-Triage-System, kurz MTS, heißt das Verfahren, das in den 1990er Jahren in Großbritannien entwickelt wurde. Der Begriff Triage kommt aus dem Französischen von „trier“ und bedeutet „sortieren“. Denn das Prinzip, wer zuerst kommt, wird als Erster behandelt, funktioniert in der Notaufnahme nicht. Hier gilt: Dringliche Patienten haben Vorrang.

Asklepios Klinik: Mit Hilfe eines Triage-Systems wird entschieden, wer zuerst behandelt wird.

„Unsere speziell geschulten Pflegekräfte können mit Hilfe des neuen Systems schon beim Erstkontakt zuverlässig erkennen, wie schnell der Patient behandelt werden muss. Wir arbeiten ein genaues Schema ab, indem wir bestimmte Fragen zu den Symptomen stellen“, sagt Karin Rahnenführer, Bereichsleiterin der Notaufnahme. Den geschilderten Beschwerden entsprechend werde der Kranke mittels eines PC-Programmes in eine von fünf farblich gekennzeichneten Dringlichkeitsstufen eingeordnet. Damit sei genau festgelegt, in welcher Zeit der Kontakt zum Arzt erfolgen muss. Die Befragung und das Erfassen mit dem PC dauere nur etwa eine Minute.

„Wenn ein Patient sagt, dass er Herzprobleme hat, gehört er für uns immer in die Kategorie Rot“, erläutert Krankenschwester Christin Dometzky. Rot bedeutet: sofortige Behandlung. Der zuständige Arzt und die Pflegekräfte müssen untergeordnete Tätigkeiten unterbrechen, um den Herz-Patienten unmittelbar zu versorgen. „Der Patient kommt sofort auf die Trage, ein EKG wird gemacht, und zeitgleich nimmt die Pflegekraft Blut ab“, erläutert Rahnenführer. In die Kategorie Rot kommen auch alle anderen Patienten mit hoher Behandlungsdringlichkeit. Personen, die nicht ansprechbar sind, die unter Schock stehen oder Atemprobleme haben.

Die übrigen Patienten ordnet das Oldesloer Notaufnahme-Team in vier weitere Gruppen. Kategorie Orange bedeutet: sehr dringende Behandlung. Ein Arztkontakt sollte innerhalb von zehn Minuten erfolgen.

Kategorie Gelb: dringende Behandlung. Der Arzt sollte den Patienten innerhalb von einer halben Stunde sehen. Kategorie Grün: normal. Die Behandlung sollte innerhalb von 90 Minuten eingeleitet werden.

Am längsten warten müssen Patienten der Kategorie Blau: nicht dringend. Sie müssen sich bis zu zwei Stunden gedulden. Karin Rahnenführer weist darauf hin, dass das Patientenaufkommen in einer Notaufnahme nicht planbar sei. „Es kann immer vorkommen, dass besonders viele Patienten sehr dringend behandelt werden müssen. Dadurch verlängern sich die Wartezeiten der anderen.“

Vor Einführung des Manchester-Triage-Systems gab es kein standardisiertes Verfahren an der Asklepios Klinik. Wer zuerst und wer zuletzt an die Reihe kam, entschied der Mitarbeiter, der zuerst Kontakt mit dem Patienten hatte. „Da sind vermutlich auch mal Fehlentscheidungen getroffen worden“, so Christin Dometzky. „Doch mit dem MTS kann man nichts falsch machen.“ Das Ergebnis bei der Einschätzung eines Patienten sei unabhängig vom Mitarbeiter. „Dadurch ergibt sich ein deutlicher Qualitätssprung für alle Patienten“, so Gesundheits- und Krankenpflegerin Rahnenführer.

„Mit Einführung des MTS wurde auch ein neuer Behandlungsraum für die Notfall-Patienten eingerichtet“, teilt der Geschäftsführer der Asklepios Klinik Andreas Reichardt mit. Rund 50000 Euro habe die Klinik für Umbau, Weiterbildung der Mitarbeiter und IT-Einrichtung investiert.

Das Klinikum

Seit 130 Jahren ist die Klinik in Bad Oldesloe verwurzelt. Aus dem 1885 gegründeten städtischen Unfallkrankenhaus entstand 1928 das Kreiskrankenhaus Stormarn mit 25 Betten. Seine heutige Gestaltung erfuhr es 1960 in einem Neubau des Bettenhauses, dem sich 1996 der Anbau eines Funktionstraktes mit Ambulanz, Intensivstation und drei Operationssälen anschloss. Seit 2002 gehört die Klinik zur Asklepios Gruppe. Die Asklepios Klinik verfügt über 182 Betten. 340 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

 Britta Matzen

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