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Nie mehr zurück ins Brandhaus

Reinfeld Nie mehr zurück ins Brandhaus

Nach dem Feuer vor zwei Wochen in Hamberge suchen die ehemaligen Bewohner eine neue Bleibe – Das Geschehene hat sie tief schockiert – Aber sie erlebten eine Welle der Hilfsbereitschaft.

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Philipp (v.l.) und Sebastian haben ihr Elternhaus verloren. Nachbarssohn Niklas hilft beim Aufräumen. Mahmoud hatte das Feuer entdeckt.

Reinfeld. Noch immer ermittelt die Kriminalpolizei, warum es im Hamberger Buchenweg vor zwei Wochen gebrannt hat. Der Dachstuhl eines Doppelhauses war ausgebrannt, das Gebäude ist nicht bewohnbar. „Da war wohl ein Kabel im Dach durchgeschmort“, sagt Sebastian Weßler (19), als er vor der Ruine seines Elternhauses steht.

LN-Bild

Nach dem Feuer vor zwei Wochen in Hamberge suchen die ehemaligen Bewohner eine neue Bleibe – Das Geschehene hat sie tief schockiert – Aber sie erlebten eine Welle der Hilfsbereitschaft.

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„Wir kennen die

Ursache noch nicht. Da war wohl ein Kabel im Dach durchgebrannt.“ Sebastian Weßler

Hier hat er gelebt, solange er denken kann. Bis zu der Nacht von Donnerstag auf Freitag vor zwei Wochen, als alle außer Mahmoud (17) schon schliefen. Plötzlich stürmte der junge Syrer in das Zimmer von Sebastians Bruder Philipp (23). „Rauch, Rauch“ rief er. Mahmoud hatte wegen des Ramadans noch gebetet und eine Kleinigkeit gegessen. „Feuer, Bomben, Rauch, Raketen, das kenne ich“, sagt er leise, als die jungen Leute einmal mehr Ziegelsteine und Schutt aus dem verwüsteten Garten räumen.

Die Weßlers haben den jungen Mann bei sich aufgenommen vor gut einem Vierteljahr. Mahmoud gehörte zu einer Gruppe elternloser Flüchtlingskinder im Oldesloer St. Josef-Stift. Gerade fühlte er sich geborgen in Hamberge, hatte wieder ein Dach über dem Kopf. Aber das hat Dachdecker Olaf Brüß inzwischen mit einer Plastikfolie überzogen. „Schon am nächsten Morgen hat er uns geholfen“, sagt Sebastian. Das Haus, habe der Architekt festgestellt, werde wohl nie wieder bewohnbar sein.

Dankbar sind die Weßlers allen, die ihnen in den schweren Stunden halfen, als die Flammen ihr Zuhause fraßen: Den Johannitern, die mit 15 Leuten anrückten und beim Leerräumen des Hauses anpackten.

Sie schleppten Möbel, Bücher, Computer hinaus. Der Feuerwehr, die wegen parkender Autos in der verwinkelten Gasse zwischen Hecken und Zäunen einige Schwierigkeiten hatte, ihre Drehleiter in die richtige Position zu bringen und, wie die jungen Leute berichten, am nächsten Morgen mit allerlei Gerät aushalf.

Und schließlich dem Ibis-Hotel am Berliner Platz in Lübeck, wo die Mutter arbeitet, wo die Familie für vier Wochen eine kostenlose Bleibe gefunden hat. Philipp möchte von dort gar nicht mehr weg:

„Morgens gibt es Waffeln und Ei, da muss man aufpassen, dass man nicht zu dick wird.“

Noch schlechter als um das Haus der Weßlers scheint es um die andere Doppelhaushälfte zu stehen. „Der Wind“, deutet Philipp auf die rußgeschwärzten Dachsparren, „hat das Feuer nach nebenan getrieben.“ Die Nachbarn hätten wohl schon eine Bleibe irgendwo in Stormarn gefunden.

So genau weiß er das nicht. Durch das ganze Durcheinander nach dem Feuer habe man sich aus den Augen verloren.

Sie selber suchten jetzt möglichst in Lübeck eine Vier- bis Fünfzimmerwohnung, berichten die jungen Leute. „Nein. Was wir hier erlebt haben, hat uns schockiert“, sagt Sebastian. Eigentlich wollten sie nicht mehr zurückkehren, „obwohl wir so lange hier zu Hause waren. Das vergisst man nicht.“ Die Jungen würden ohnehin bald ihre eigenen Wege gehen. Da brauche die Familie das Haus eigentlich nicht, trösten sich die Weßlers. Und sie hätten sich trotz aller Helfer geärgert über einen Nachbarn. Der habe sich beschwert, als die Johanniter am nächsten Tag das Brandhaus leer räumten und gerettete Möbel, Kisten und Kästen zunächst auf dem Weg und vor oder auf seinem Grundstück stapelten.

Und die Zigarettenkippen, die auf dem Weg landeten, als die Helfer mal eine Pause machten, hätten ihn erzürnt. „Obwohl wir die sowieso weggefegt hätten“, sagt Phillip, selber seit sieben Jahren als Helfer bei der Johanniter Unfall-Hilfe.

Dass der Nachbar dann, als das Feuer endlich gelöscht war, auch noch „demonstrativ am nächsten Tag sein Haus und den Zaun putzte“, können die jungen Leute nicht nachvollziehen. „Aber irgendwie muss es weitergehen“, sagt Philipp. Auch für Mahmut. „Wenigstens sein Zeugnis und seinen Pass haben wir gerettet.“ Wäre das nicht gelungen, „hätte er seine Lebensgrundlage verloren“.

Uwe Krog

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