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Stormarn Nobelpreisträger kam zur Namensgebung
Lokales Stormarn Nobelpreisträger kam zur Namensgebung
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21:21 11.09.2015
Gruppenbild mit Nobelpreisträger: Dana (v.l.), Nada, Professor Eric Kandel, Christof, Erik und Dr. Denise Kandel. Quelle: Fotos: Albrod

„Eric-Kandel-Gymnasium“ lautet seit 1. März der neue Name des Ahrensburger Gymnasiums Am Heimgarten, kurz EKG. Am Puls der Zeit bewegt sich auch der Namensgeber, Professor Eric Kandel, Neurowissenschaftler an der Columbia University in New York und im Jahr 2000 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Er war gemeinsam mit seiner Frau Dr. Denise Kandel angereist, um bei der offiziellen Umbenennung der Schule gestern dabei zu sein. Der 85-Jährige nahm sich viel Zeit für die Schüler, die in mehreren Projekttagen seinen Besuch und Fragen zu Kandels Fachgebiet vorbereitet hatten.

„Wenn Sie morgen an das Gespräch heute denken, werden Sie ein anderes Gehirn haben“, brachte Kandel, der als Jude vor den Nazis nach Amerika fliehen musste, seine Erkenntnisse in der Hirnforschung auf den Punkt. Denn Kandel konnte im Laufe seiner Forschungen nachweisen, dass beim Lernprozess Veränderungen in Nervenzellen verursacht werden, die zusätzliche synaptische Verbindungen im Gehirn erzeugen. Damit war der Beweis erbracht, dass Erfahrungen langfristige Veränderungen im Nervensystem bewirken. Kurz gesagt: Lernen verändert das Gehirn.

„Die Veränderungsmuster sind nicht immer dieselben“, so Kandel weiter, damit sei eine automatische Kodierung der Synapsen bei Überspringung des Lernprozesses also nicht möglich. Wohl aber eröffne die Hirnforschung der Gefahr einer Manipulation Tor und Tür. „Forschung muss deshalb reglementiert werden“, betonte Kandel, der nach wie vor forscht und lehrt. „In der Hirnforschung bewegen wir uns noch ganz am Anfang, aber es ist ein wunderbares Fach.“

Das Thema Lernen ist es, das die Brücke zur Ahrensburger Schule schlägt, die sich den Namen Kandels aus 80 Vorschlägen ausgesucht hat. „Man muss Lernen mit dem Leben verbinden“, sagte Professor Kandel, „Wissenschaft darf man nicht nur theoretisch, sondern muss sie auch im Labor lernen.“

Ein Grundprinzip, dem sich laut Schulleiter Gerd Burmeister auch die ehemalige Heimgartenschule verbunden sieht. „Wir hatten vor zwei Jahren die Idee, unseren Namen zu ändern“, erklärte Burmeister.

„Dabei haben wir nach einer Persönlichkeit gesucht, die Vorbild ist, Identifikationsfigur, nachhaltig wirkt und soziales Engagement beweist.“ Kandel verkörpere alle diese Anforderungen in idealtypischer Weise.

„Ich bin begeistert“, erklärte der Namensgeber, der mit stehenden Ovationen empfangen wurde — am Vormittag war er bereits bei den Schülern gewesen. Deren Projekttage stehen unter dem Motto: „Hast Du heute eine gute Frage gestellt?“, das auf die Mutter eines Physikers zurückgeht, die ihren Sohn damit zur Wissenschaft gebracht hat. Gute Fragen sollten auch die Schüler stellen, und sie hatten sich mit „Wozu gibt es Wespen?“ oder „Wird man irgendwann die Zeit anhalten können?“ viel einfallen lassen.

Die Zeit wiederholt sah Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst in Kandels Biografie. Er sei vor den Nazis nach Amerika geflohen und „vom Flüchtling zum Nobelpreisträger“ geworden. Damit, so auch Burmeister, stehe er für die Biografie deutscher Geschichte. Heute sei Deutschland ein Land, in das Menschen fliehen würden. Das sei ein Grund, stolz zu sein. „Menschlichkeit wird derzeit in Deutschland auf die Probe gestellt.“ Kandel lobte den Umgang Deutschlands mit seiner Geschichte: „Deutschland hat die Frage der Schuld offen aufgegriffen und arbeitet daran, die Schuld anzunehmen und die Wahrheit zu sagen.“

Kandels Leben wurde bereits verfilmt
Zwei Jahre lang hat ein Arbeitskreis getagt, um einen neuen Namen für das Gymnasium am Heimgarten zu finden. Unter 80 verschiedenen Namen einigte man sich mit großer Mehrheit auf Professor Eric Kandel. Die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst hob hervor, dass damit ein zeitgenössischer Gelehrter zum Namensgeber werde, was außerordentlich selten sei. Er sei ein Mann, der Naturwissenschaft, Geschichte, Literaturwissenschaft und Kunst verbinde und damit typisch für das fächerübergreifende Lernen sei.



Professor Eric Kandel wurde 1929 in Wien als Sohn eines Spielwarenhändlers geboren. 1939 floh die Familie nach Amerika. Dort erhielt Kandel ein Stipendium der Harvard Universität, um Literatur und Geschichte zu studieren. Später begann er, sich für Medizin und Neurobiologie zu interessieren. 2000 wurde er für seine neurobiologischen Forschungen mit dem Nobelpreis geehrt.



Der Film „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ von Petra Seeger zeigt eindrücklich, dass die persönlichen Erfahrungen, die Kandel als Verfolgter und Flüchtling machen musste, bestimmend für seine wissenschaftliche Laufbahn waren.
„Wenn Sie morgen an das Gespräch heute denken, werden Sie ein anderes Gehirn haben.“
Eric Kandel, Nobelpreisträger

Bettina Albrod

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