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Stormarn Nobelpreisträger wagte ein Tänzchen
Lokales Stormarn Nobelpreisträger wagte ein Tänzchen
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20:34 10.10.2016
Der Nobelpreisträger Professor Eric Kandel tanzte mit seiner Frau Denise in die Aula. Quelle: Fotos: B. Albrod
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Ahrensburg

Mit einem Tanz mit seiner Frau Denise betrat der amerikanische Nobelpreisträger Professor Eric Kandel gestern das Forum des Ahrensburger Gymnasiums, das 2015 nach ihm benannt wurde. Es wäre interessant zu wissen, was dabei in seinem Gehirn vorging, denn der Neurowissenschaftler wurde im Jahr 2000 für seine Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem und für seine Forschungen auf dem Gebiet der Lernvorgänge im Gehirn mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Am Montag war der 86jährige zu Besuch, um zum ersten Mal den Eric-Kandel-Schulpreis zu verleihen und sich den Fragen der Schüler zu stellen.

Professor Eric Kandel kam zur ersten Preisverleihung in das nach ihm benannte Ahrensburger Gymnasium.

„Wir sind, was wir sind, weil wir ein Gehirn haben“, erklärte Kandel, der 1929 in Wien geboren wurde, die Faszination für sein Forschungsgebiet. „Noch heute arbeite ich an meinen Forschungen im Labor.“ Er erzählte, dass ursprünglich Geschichte und Literatur seine Lieblingsfächer waren. Nachdem er ein Stipendium für die Elite-Universität Harvard bekommen hatte, begann er, sich für die Funktion des Gedächtnisses zu interessieren und studierte Medizin, um Psychiater zu werden, interessierte sich aber vor allem für die biologischen Vorgänge im Gehirn. „Ich habe als erster Signale von Schnecken aufgefangen“, sagte Kandel. „Ich arbeite zum Hippocampus, einem Teil des Gehirns, und bei der Aplysia, einer Meeresschnecke, kann man die Nervenzellen am besten untersuchen.“

Nachdem er den Anruf bekommen habe, dass er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden solle, habe seine Frau gesagt: „Bloß noch nicht jetzt. Alle Nobelpreisträger haben danach aufgehört zu arbeiten.“

Aber er habe auch danach bis heute immer weiter geforscht, vor allem an Schnecken und Mäusen. Als Geschenk erhielt er deshalb von den Schülern eine Schnecke aus Stoff.

Kandel bezeichnete es als „die größte Ehre nach dem Nobelpreis“, dass eine Schule ihn als Namensgeber ausgesucht habe. „Die Schule ist wunderbar“, lobte er, „eine Schule muss immer versuchen, die Liebe zum Lernen weiter zu geben.“ Seine Mutter habe nach jedem Schultag nicht gefragt, ob er eine gute Antwort gegeben, sondern ob er eine gute Frage gestellt habe. „In jungen Gehirnen wachsen die Synapsen noch leichter, genau das passiert beim Lernen.“

Er musste bereits als Neunjähriger umlernen, als er 1939 zusammen mit seinem 14jährigen Bruder wegen ihrer jüdischen Herkunft vor den Nazis aus Wien nach Amerika floh. „Meine Eltern sind erst sechs Monate später nachgekommen, aber wir hatten keine Angst, weil sie uns immer Zuversicht gelehrt haben.“ Kandel hieß den Umgang Deutschlands mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit gut.

„Anders als Österreich hat Deutschland sich seiner Geschichte gestellt. In Österreich hat man lange nicht dazu gestanden, dabei gab es dort auch KZ, und Eichmann war Österreicher.“ Zum Thema Flüchtlingspolitik lobte Kandel die Kanzlerin: „Angela Merkel ist eine Heilige.“

Kandel bekannte, dass er immer schlecht in Sport war, aber bis heute gerne schwimme und Tennis spiele. Mit seiner Frau Denise, Sozialmedizinerin, die zum Thema Drogenkonsum forscht, ist er seit 60 Jahren verheiratet. Sein Leben sei sehr schön verlaufen: „Das ist wichtiger als Reichtum“, sagte Kandel. Mit der schnellen technologischen Entwicklung sieht Kandel ein neues Zeitalter aufziehen. „Die neue Technik verändert alles“, so der Wissenschaftler, „das ist eine ebenso große Veränderung wie die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg.“ Die Konzentration werde dadurch abnehmen, gleichzeitig werde aber alles schneller gehen. „Daraus wird eine neue Intelligenz wachsen.“ Für die Hirnforschung eröffne das ein ganz neues Forschungsgebiet.

Mit dem ersten Eric-Kandel-Schulpreis für herausragendes Engagement für die Schule wurden Vera und Lena Stein sowie Jasmin Grollmuß ausgezeichnet.

2000 ausgezeichnet

Eric Kandel wurde 1929 in Wien geboren. 1939 musste er auf der Flucht vor den Nazis in die USA auswandern, weil er jüdischer Herkunft ist. An der Schule erhielt er ein Stipendium für Harvard. 1952 begann Kandel ein Medizinstudium und wurde Psychiater; dann begann er seine neurobiologischen Forschungen und machte den Prozess des Erinnerns im Gehirn zu seinem Schwerpunktgebiet.

2000 bekam er den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Bettina Albrod

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