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Nütschauer Wegekreuz mit Geschichte

Nütschau Nütschauer Wegekreuz mit Geschichte

Mit 16 baute Norbert Weppelmann (69) das Fundament für die Christusstatue am Kloster und pflegt sie seitdem.

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Landwirtschaft betreiben die Mönche am Kloster längst nicht mehr. Sie verpachten die Ländereien.

Nütschau. „Was macht dieser Mann da nur?“, fragte sich Bruder Benedikt leicht irritiert, als er von einem Spaziergang rund ums Kloster Nütschau zurückkehrte. Dass sich der ältere Herr an dem Wegekreuz auf der Anhöhe zu schaffen machte, an dem manch feierliche Prozession vorbeiführt, stimmte den Mönch erst misstrauisch. Als er näherkam, sah er, dass der Mann eine Maurerkelle in Händen hielt. Vorsichtig verputzte er damit die Fugen des Sockels, auf dem das Christuskreuz thront.

LN-Bild

Mit 16 baute Norbert Weppelmann (69) das Fundament für die Christusstatue am Kloster und pflegt sie seitdem.

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Die beiden kamen ins Gespräch. Die anfängliche Skepsis wich der Neugier. Fasziniert vernahm Bruder Benedikt die Geschichte des Mannes, der zu dem Wegekreuz eine ganz eigene Beziehung pflegt. Sie beeindruckte ihn so, dass er den in Bad Schwartau lebenden Rentner jetzt einlud, um von ihm weitere Einzelheiten zu erfahren und das Kreuz zu besuchen. Immerhin hat Norbert Weppelmann (69) dafür gesorgt, dass die vom Bildhauer Heinrich Lückenkötter geschaffene Christusstatue überhaupt am Kloster aufgestellt werden konnte.

Wie der gebürtige Lübecker erzählt, verbrachte er mit 16 Jahren seine Sommerferien auf dem einstigen Gut, das die Benediktinermönche erworben hatten und in den Anfangsjahren auch weiter landwirtschaftlich nutzten. Sein Vater kannte den Prior und so fuhren er und sein Bruder Burkhard hin, um bei der Heuernte auszuhelfen.

„Wir zelteten in der Nähe des Klosters, und da lag eine Christusfigur aus Sandstein auf dem Boden“, erinnert sich Weppelmann. Als Prior Pater Amandus ihn fragte, ob er dafür einen Feldsteinsockel errichten könne, ließ er sich nicht lange bitten. Denn kurz zuvor hatte er beim Bau der elterlichen Garage mitgeholfen. Nach der Schule durfte er eine ganze Wand allein mauern.

Am Kloster stand dem freiwilligen Helfer aber so gut wie kein Material zur Verfügung. „Also bin ich zur nächsten Baustelle gewandert und habe den Arbeitern dort einen Sack Zement abgeschwatzt“, erzählt Weppelmann amüsiert. Die Feldsteine sammelte er gemeinsam mit dem Bruder von den Äckern ab. Denn die gab es dort wie Sand am Meer. Intuitiv rührte der junge Baumeister die richtige Mischung an und schichtete Stein auf Stein zu einer Pyramide auf. In der Mitte ließ er einen Hohlraum, so dass das Eisengestell darin versenkt werden konnte, mit dem ein Metallbauer die Christusfigur eingefasst hatte.

Die schlacksigen Jungen aus Lübeck wären unter der Last sicher zusammengebrochen. Für die Mönche aber war es ein Leichtes, das Kreuz auf den Sockel zu heben. „Gleich nach ihrem Morgengebet kamen sie alle herbei und hievten das Teil gemeinsam mit einem Ruck hoch“, berichtet der Rentner.

Über 50 Jahre sind seither vergangen. Die Erinnerung an diese Begebenheit ist für Weppelmann immer noch sehr präsent und mehr noch, sie hat ihn stark geprägt. Nicht, dass er den Beruf des Maurers ergriffen hätte. Aber selbst im Seniorenalter fühlt er sich immer noch für den Zustand des Wegekreuzes verantwortlich. Mindestens einmal im Jahr verfüllt er die Fugen neu. Und dass Pilger an dieser kleinen Stätte der Andacht Rast machen können ist ihm ebenfalls zu verdanken. Vor einigen Jahren stiftete der Berufsschullehrer im Ruhestand eine Gartenbank, die unweit des Kreuzes aufgestellt wurde.

„Eine sehr schöne Geschichte“, sagt Bruder Benedikt und betrachtet begeistert das Schwarz-Weiß- Foto, das Weppelmann als Jugendlichen beim Bau des Feldsteinsockels zeigt.

Der Ordensbruder hat übrigens schon oft beobachtet, dass der etwas erhöhte Platz auf viele Menschen eine besondere Anziehungskraft ausübt, sei es, auf Klosterbesucher, Wallfahrer, die dem Mönchsweg folgen oder ganz einfache Spaziergänger. „Die Leute bleiben stehen und gehen in sich. Es scheint ein Ort der Besinnung zu sein. Die Menschen kommen dort zur Ruhe“, sagt er. Eigentlich stehe das Kreuz ja für Marter, sei ein Folterwerkzeug, unter dem Christus viele Qualen erlitten habe. Gleichzeitig rufe die Darstellung ein starkes Gefühl der Empathie beim Betrachter hervor. „Ich empfinde mit ihm, er aber auch mit mir. Das schenkt irgendwie Trost“, sagt der Ordensbruder. Für Christen sei das Kreuz deshalb ein Zeichen des Aufbruchs, der Auferstehung und der Überwindung schwerer Zeiten.

Und als folgte es einer Regieanweisung taucht plötzlich ein Ehepaar auf. Vor dem Kreuz zieht der Mann seine Kappe. Beide streichen über die Füße der Christusfigur. „Das bringt uns Glück. Wir kommen oft her“, sagt Holger Küssner und seine Frau Marion nickt zustimmend. Die beiden sind vor neun Jahren aus Hamburg nach Wolkenwehe gezogen. Die Kraft, die vom Kreuz ausgehe, hätten sie gleich gespürt.

Kurse geben Kraft

Als Bildungsstätte der besonderen Art genießt das Kloster Nütschau bereits seit vielen Jahren einen guten Ruf. Neben den streng auf die katholische Liturgie ausgerichteten Kursen werden den Teilnehmern dort auch Themen wie innere Einkehr und Spiritualität auch in zeitgemäßer Form vermittelt.

Meditation und Tanz hat etwa eine Seminarwoche vom 25. bis 29. April zum Inhalt. Die dänische Kursleiterin Angela Rammé bringt Musik und Gebärde mit biblischen Texten in Verbindung.

Zen-Meisterin Gundula Meyer führt die Klostergäste in die Kunst des Schweigens und der Stille ein. Die Übungstage gehen vom 2. bis 6. Mai.

Theater als Selbsterfahrung und Quelle der Kraft will Marie-Paule Renaud von der Academia Tango Gotan aus Hamburg mit ihren Kursteilnehmern erschließen. Der Wochendworkshop geht vom 8.

bis 19. Juli.

Anmeldungen und Informationen im Haus St.-Ansgar unter Telefon 04531/5004140

Von Dorothea von Dahlen

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