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Nur keine Angst vor dem Zeugnis

Bad Oldesloe Nur keine Angst vor dem Zeugnis

Ansporn und Bestätigung zugleich: Wie Schüler und Eltern mit den Halbjahresnoten umgehen.

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Hausaufgaben müssen sein. „Meist machen sie auch Spaß“, sagt Viertklässler Max — hier mit Schwester Anna (8).

Bad Oldesloe. Heute werden sie wieder ausgegeben, die Halbjahreszeugnisse, umgangssprachlich auch gerne als „Giftblätter“ bezeichnet. Während sich einige Kinder auf ihre Noten freuen, sehen andere der Bewertung ihrer Leistung mit einem mulmigen Gefühl entgegen. Was werden wohl Mama und Papa sagen, werden sie zufrieden mit mir sein? Alle halbe Jahre gibt es wieder das „Freud‘ und Leid“ mit den Zeugnissen.

Doch sind die Eltern heutzutage tatsächlich so ehrgeizig? Und was erwarten die Kinder in ihren Zeugnissen ? Was sagen die Lehrer? Die LN haben sich in Bad Oldesloe und Umgebung mal umgehört.

„Ich freue mich ganz doll auf meine ersten Noten und hoffe auf eine ,Eins‘ in Deutsch“, fiebert die achtjährige Anouk schon ganz gespannt dem heutigen Tag entgegen. Nach den ersten vier Zeugnissen in Text- und Ankreuzform, bekommt die Drittklässlerin nun ihre ersten Zensuren. Das für sie neue Bewertungssystem, hat die Grundschülerin im letzten Halbjahr total angespornt. Diese Motivation durch „richtige Zensuren“ haben auch die Grundschulpädagoginnen Gudrun Eskierski (Klaus-Groth-Schule) und Katrin Lohse (Stadtschule) in ihren Klassen und an den eigenen Kindern erkannt. „Bei meiner Großen, inzwischen geht sie in die siebte Klasse, war das sehr eklatant“, erinnert sich Lohse. Auch heute muss sie die Zwölfjährige immer noch überzeugen, dass eine „Drei“ kein Unglück ist. „Für mich ist es wichtig, dass die Kinder Hausaufgaben machen, sich den Stoff vor einer Arbeit noch mal angucken und dann ihr Bestes geben. Wenn es dann trotzdem nicht zu einer guten Note reicht, ist das nicht schlimm“, findet die 44-Jährige. Auch ihre Kollegin Eskierski sieht das so: „Wichtig ist, dass die Kinder das leisten, was sie können. Da darf man dann als Eltern auch nicht zu ehrgeizig sein und die Kinder stundenlang an den Hausaufgaben sitzen lassen.“

Beide gucken sich jedoch auch die Leistungsbewertung in den Teilbereichen wie Lesen, Schreiben und Konzentration an, die weiterhin zusätzlich zu den Zensuren durch Kreuze in vier Spalten markiert wird. „Daraus kann man schon eine Menge ablesen“, erklärt Katrin Lohse.

Angst vor den Zeugnissen braucht im Grunde niemand zu haben. „Bei Kindern, die Probleme in der Schule haben, werden die Eltern schon frühzeitig, bei uns an der Stadtschule schon nach den Herbstferien, informiert und wir suchen gemeinsam Lösungen, wie dem Kind geholfen werden kann.“

Das bestätigt auch Kathrin Dölling, Mutter von drei schulpflichtigen Kindern, und sieht der Zeugnisvergabe daher entspannt entgegen: „Bei unserer Anna (8) zum Beispiel wissen wir, dass Mathe ihr Problemfach ist. Wir üben viel mit ihr, schimpfen aber nicht, wenn es mal nicht hinhaut, sondern loben sie vielmehr für ihren unermüdlichen Einsatz und für ihre guten Leistungen in den anderen Fächern.“

Sehr viel strenger ist Christoph Ruge, Vater des Gymnasiasten Luke und einer Grundschülerin. Der selbstständige Zimmerer guckt genau auf die Leistungen seiner Kinder, eine „Vier“ ist dabei für ihn schon grenzwertig. „Einen gewissen Druck finde ich gut, er bereitet auf‘s spätere Berufsleben vor", betont der 39-Jährige. Und seine beiden wissen auch: „Klappt es in der Schule nicht mehr, gibt es Einschränkungen im sportlichen Freizeitbereich.“

Eine Überraschung der besonderen Art erlebte Joachim Meyer. Als die Leistungen seines ältesten Sohnes nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule zunächst absackten, wollte er dem Fünftklässler zeigen, dass dies bei ihm damals nicht der Fall war. Doch entsetzt musste er feststellen, dass auch seine Noten zu Anfang seiner Gymnasialzeit ordentlich abgesackt waren. „Seitdem gehe ich sehr viel lockerer mit dem Thema um“, lacht der 46-Jährige.

Mit ehrgeizigen Eltern hat Martina Radde es in der gymnasialen Oberstufe der Beruflichen Schule Ostholstein in Bad Schwartau eigentlich gar nicht zu tun. „Die Schüler sind meistens mindestens siebzehn, sind freiwillig da und wollen ja selbst etwas erreichen“, erklärt die Pädagogin. Überrascht werden ihre Schüler aber auch nicht von den Noten. Wie im Grundschulbereich wird auch hier im Problemfall frühzeitig gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht.

Und bereits vor der eigentlichen Zeugnisausgabe wird jedem Schüler im Einzelgespräch die Zensur mitgeteilt und erläutert, wie sie sich zusammensetzt. „Und sollte es dann doch Unverständnis und Erklärungsbedarf geben, sind alle Lehrer vor Ort und zu Gesprächen bereit“, betont die Reinfelderin. Edith Preuß

Die Nummern bei Zeugnis-Kummer
Wie gehe ich mit dem Zeugnis meines Kindes um, wenn die Noten nicht meinen Erwartungen entsprechen?



Der Deutsche Kinderschutzbund bietet bundesweit eine kostenlose und anonyme Beratung am Elterntelefon. Die Telefonnummer 0800/1110550 ist montags bis freitags von neun bis elf Uhr sowie auch dienstags und donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr zu erreichen.



Für Kinder und Jugendliche, die Stress mit dem Zeugnis haben, gibt es — ebenfalls vom Kinderschutzbund, kostenlos und anonym — Hilfe unter der bundesweiten Telefonnummer 0800/
1110333, und zwar montags bis sonnabends von 14 bis
20 Uhr. EP

LN

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