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Stormarn Ohne Haushalt: Reinfeld hat auch kein Geld für Spielplätze
Lokales Stormarn Ohne Haushalt: Reinfeld hat auch kein Geld für Spielplätze
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11:05 29.06.2017
Demontage: Am Eichenweg können die Schaukel und die Seilbahn derzeit nicht mehr benutzt werden. Quelle: Fotos: M. Thormählen/archiv
Reinfeld

Eigentlich ist es bestes Spielplatzwetter, doch Seilbahn und Schaukel am Eichenweg in Reinfeld bieten einen eher trostlosen Anblick. Auch die beiden zwei und vier Jahre alten Töchter von Sebastian Seth müssen zurzeit auf Rutschpartien verzichten. Denn die Sitzmöglichkeiten wurden abgebaut. „Ohne einen Haushalt haben wir auch kein Geld, um die Geräte zu erneuern“, erläuterte Bauhofleiter Marian Stickel.

Die Jungen und Mädchen können immerhin noch auf der großen Holzburg toben oder durch den angelegten Tunnel krabbeln. „Das ist ein sehr schöner Spielplatz“, betonte auch Sebastian Seth, der mit seinen beiden Töchtern zu den regelmäßigen Besuchern zählt. Und das Areal werde auch von vielen anderen Familien geschätzt, die in der Nachbarschaft wohnen. Es gebe nämlich keinen weiteren Spielplatz in der Nähe.

Erwachsene und Kinder mussten erleben, wie Anfang Mai die beiden Sitzmöglichkeiten für die Schaukel sowie für die rund 20 Meter lange Seilbahn von Bauhofmitarbeitern abgebaut wurden. Die Eltern Klaus Runge und Claudia Bockholdt wandten sich darauf hin an Bürgermeister Heiko Gerstmann, der darauf hinwies, dass die Spielgeräte leider nicht mehr standsicher seien. Sie könnten erst 2018 ersetzt werden, sobald der Haushalt für das kommende Jahr von der Kommunalaufsicht des Kreises genehmigt worden sei.

Bauhofleiter Stickel erklärte, im Rahmen der üblichen Jahreskontrolle sei von einem externen Fachmann die Standsicherheit der Anlagen überprüft worden. Und die könne nicht mehr garantiert werden.

„Wir können nicht das Risiko eingehen, dass ein Kind verletzt wird.“ Deshalb seien die Sitzmöglichkeiten für Schaukel und Seilbahn demontiert worden. „Wir mussten ja sicherstellen, dass sie nicht mehr benutzt werden“, so Marian Stickel. Es gehe eben nicht um die Sitze – dafür seien die Anschaffungskosten nur gering: „Wir müssen aber neue Geräte aufstellen. Und dafür haben wir zurzeit kein Geld.“

Die aktuelle finanzielle Situation der Stadt spielte auch während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses am Dienstag eine Rolle. Die Verwaltung arbeitet an der Vorlage der Eröffnungsbilanz, um Vermögen und Schulden aufzulisten. Diese Bilanz gilt als Voraussetzung, um einen Haushalt für das laufende Jahr zu verabschieden. Bis dahin wird eine Interimswirtschaft praktiziert – Ausgaben sind nur für Pflichtausgaben zulässig, freiwillige Leistungen und Investitionen sind dagegen gestrichen. „Viele Bürger wissen nicht, und es ist ihnen auch nur schwer zu vermitteln, welche Folgen das hat“, stellte Ausschussvorsitzender Lorenz Hartwig (CDU) fest.

Bei der weiteren Sanierung der Matthias-Claudius-Schule bestehe die Gefahr, dass die Stadt ein Jahr bei diesem Vorhaben verlieren werde: „Und die Kinder sind die Leidtragenden.“ Auch die Planungen für weitere Vorhaben könnten derzeit nicht fortgesetzt werden, so für die Bahnquerung an der Holländerkoppel oder das neue Rettungszentrum.

Stadtverordneter Stephan Heinrich von der Wählerinitiative Reinfeld (WIR) forderte mit Nachdruck, dass „wir für 2017 noch einen Haushalt hinkriegen müssen“. Geert Karnick (Grüne) bezeichnete es als skandalös, dass noch immer keine Eröffnungsbilanz vorliege: „Ich glaube auch nicht an den Haushalt 2017.“ Falls dennoch ein Etat verabschiedet werden könne, dann handele es sich vermutlich um einen Sparhaushalt. Bauhofleiter Stickel wies auf die Anstrengungen innerhalb der Verwaltung hin, um Daten für die Zahlenwerke vorzulegen. Für seinen Bereich gelte das für die Jahre 2017 und 2018.

 Michael Thormählen

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