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Ohne Pflanzenschutz: Ernte in Gefahr

Reinfeld Ohne Pflanzenschutz: Ernte in Gefahr

Jung-Landwirt Lars Wichmann aus Reinfeld beteiligt sich an einer bundesweiten Aktion.

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Landwirt Lars Wichmann (23) in seinem Weizenfeld an der B 75 am Abzweiger nach Benstaben: Vorne die sogenannte Nullparzelle ohne den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Das Getreide liegt flach und wird von ungewünschten Pflanzen überwuchert.

Quelle: Fotos: Verena Bosslet

Reinfeld. Mickrig sind die Ähren, Braunrost hat Blätter befallen, einige Pflanzen haben „Fußpilz“ (Halmbruch), liegen flach auf dem Boden. Unkraut überwuchert die sogenannte Nullparzelle, die Lars Wichmann am Rande seines Weizenfeldes an der B 75 am Abzweiger nach Benstaben angelegt hat. Ein Schild mahnt: „Ernte in Gefahr – Die Pflanzenschützer“.

„So sieht Getreide aus, wenn man es nicht düngt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt“, sagt der Jung-Landwirt vom gegenüberliegenden Travenhof. Wichmann unterstützt die bundesweite Aktion „Die Pflanzenschützer“ – eine Initiative für die deutsche Landwirtschaft. Seine Intention: „Ich möchte nicht, dass über uns geredet wird, sondern dass man mit uns redet“, sagt der 23-Jährige, der kürzlich sein Studium der Agrarwissenschaften in Kiel abgeschlossen hat und jetzt als selbstständiger Landwirt auf dem elterlichen Betrieb einsteigt. „Wir müssen erklären, warum Pflanzenschutz wichtig ist.“ Nur so könne man erreichen, dass der Verbraucher dem Lebensmittelproduzenten wieder vertraue.

Lars Wichmann hat seine Erfahrungen gemacht, wenn er mit der ausladenden Spritze auf dem Feld unterwegs ist. „Ich wurde schon als Giftspritzer beschimpft und mir wurde der Vogel gezeigt“, berichtet der Landwirt, der für seinen Beruf „brennt“. Dabei ist ihm nichts wichtiger, als ein qualitativ hochwertiges Produkt zu erzeugen. „Wir wollen den Boden optimal nutzen und den höchsten Ertrag erzielen. Das alles aber nachhaltig.“

Pflanzenschutz beginnt bei den Wichmanns bereits bei der Bodenbestellung. „Je sorgfältiger wir dabei sind, desto weniger müssen wir später machen“, erklärt der Bauer. Wird der Boden gewissenhaft gepflügt und vorbereitet, haben Schnecken, Wühlmäuse und Unkraut im Nachhinein wenig Chancen. Nach der Aussaat wird gedüngt. „Die Pflanzen brauchen Nährstoffe, hauptsächlich Stickstoff, Phosphor und Kali“, erklärt Lars Wichmann. Da der Betrieb nicht nur Ackerbau betreibt, sondern zudem 150 Sauen hält, kommt neben Kunstdünger auch organischer Dünger auf die Felder. „Wir nutzen unsere Gülle.“ Sie darf zwischen 1. Februar und 31. Oktober ausgebracht werden.

Je nach Frucht „füttern“ die Wichmanns ihre Pflanzen drei bis fünf Mal im Jahr. Um sie gegen Krankheiten, Pilze und Insekten zu schützen, setzten sie – wie üblich in der konventionellen Landwirtschaft – verschiedene Pflanzenschutzmittel ein. „200 Liter werden pro Hektar gesprüht, 100 Milliliter davon sind Chemie – hochgradig mit Wasser verdünnt“, betont der Landwirt. Das alles koste Geld. „Da ist es schon in unserem eigenen Interesse, mit nur so viel loszufahren, wie auch notwendig ist.“

Was, wann, wo und in welcher Menge ausgebracht wird, dokumentiert der Bauer in der Ackerschlagkartei. „Es gibt viele Vorgaben und wir werden ständig kontrolliert. Das ist auch gut so“, sagt Lars Wichmann. Für dieses Jahr ist er mit Düngen und Pflanzenschutz durch. In drei Wochen beginnt die Ernte. Erst kommt die Gerste runter, in fünf Wochen der Weizen. Wenn der Ertrag gut ausfällt, ergibt ein Quadratmeter 25 Brötchen. In der Bio-Landwirtschaft, die ohne konventionellen Pflanzenschutz auskommt, wären es zehn, hat der Landwirt ausgerechnet.

Raps schlecht, Mais gut

„Die Rapsernte wird schlecht“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer des Stormarner Kreisbauernverbandes. „Zurückzuführen ist das auch auf die Pflanzenkrankheit Kohlhernie, die die Wurzeln des Raps befallen hat und die Versorgungswege verstopft, aber auch auf Probleme bei der Herbstbestellung im vergangenen August. Die Böden waren zu feucht. Es ist mit erheblichen Einbußen zu rechnen.“

Dem Mais dagegen geht es gut. Gleich nach der Bestellung im April/Mai habe es geregnet. „Und das feuchtwarme Wetter der vergangenen Tage hat ihm gut getan“, erklärt Koll. Bei Gerste und Weizen erwarten die Stormarner Bauern eine durchschnittliche Ernte. „Wir brauchen dafür aber noch ein wenig mehr Sonne.“

Verena Bosslet

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