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Oldesloe-Alaaf ist längst verklungen

Bad Oldesloe Oldesloe-Alaaf ist längst verklungen

Bei Jutta und Gerd Metzger in Barkhorst lagert noch ein fast lückenloses Archiv von den karnevalistischen Sitzungen in der Kreisstadt — mit Fotos und Eintrittskarten.

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Könnten Männerbeine schöner sein? Der Saal tobte angesichts dieser Balletteinlage. Zu Beginn feierten die Narren im Oldesloer Hof, als der Andrang immer größer wurde in der Stormarnhalle. Ab 2003 zogen sie in die kleinere Festhalle um.

Quelle: Fotos: Hfr

Bad Oldesloe. „Alaaf, Helau , wolle mer se reinlasse?“ Dass diese Frage einst im lupenreinen Dialekt durch die Oldesloer Stormarnhalle scholl, war keinem Geringerem als ihm zu verdanken: August König, seines Zeichens Musikdirektor der Kreisstadt, brachte gewissermaßen die Jungfrau zum Kind. Der gebürtige Rheinländer importierte das, was dieser Tage wieder Tausende Menschen auf Tischen tanzen, rote Plastiknasen und gestreifte Hütchen tragen und bierselig bis in die frühen Morgenstunden schunkeln lässt. Er brachte den Karneval nach Bad Oldesloe.

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Auch die Orden, die jedes Jahr neu gestaltet wurden, haben Jutta und Gerd Metzger aufbewahrt.

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In diesem Jahr wäre diese Form von Ausnahmezustand bereits zum 65. Mal in der Kreisstadt zelebriert worden, wenn den Organisatoren nicht das Geld und damit auch die Puste ausgegangen wäre. Bei Gerd und Jutta Metzger in Barkhorst leben die Erinnerungen aber wieder auf. Die beiden haben alles rund um den Oldesloer Karneval gesammelt und archiviert. Eintrittskarten, Büttenreden, zig Fotos und sogar die Ablaufpläne der spaßigen Abende mitsamt den Skizzen, die jedem Akteur den genauen Platz auf der Bühne zuweisen.

„An der Bar“ heißt es unter einer Schwarz-weiß-Fotografie aus dem Jahre 1958, die gut und gerne einem Revuefilm mit Marika Rökk aus dieser Zeit entsprungen sein könnte. Ein lächelnder Mann in schickem Zwirn und blendend weißem Hemd hält in jedem Arm eine andere. Die Damen, ulkige Bischofsmützen auf dem Kopf, die Münder zu O-Rufen gespitzt, posieren extra neckisch für den Fotografen.

Ein paar Jahre und einen Aktenordner später sind auch in der Kreisstadt Flower-Power und sittentechnische Libertinage ausgebrochen: Glänzendes langes Kunsthaar quillt unter den Hüten der Männer hervor. Sie tragen bewusst Nickelbrillen und offene Hemden, vor behaarter Brust baumeln Indianerkettchen und Hawaiblümchen. Am Rand des Fotos prangen einschlägige Parolen wie „Make love not war“ oder „Hasch“.

„Ich habe damals die Tontechnik gemacht“, erzählt Gerd Metzger. Seine Frau Jutta gehörte der Oldesloer Singakademie an, die das närrische Treiben gemeinsam mit dem Männerchor von 1844 gestaltete.

Eines Tages rutschte Metzger während der Proben ein Satz heraus, der ihn fortan zur Mitarbeit verpflichtete. „Was die können, kann ich auch“, sagte er halblaut. Doch die anderen hatten es gehört.

„Von da an musste ich auch Büttenreden schreiben“, erinnert sich Metzger, der übrigens aus dem Bergischen Land stammt.

Jahr für Jahr ließen sich die Oldesloer Jecken ein neues Motto einfallen, um die Leute zu begeistern. Wegen seiner hintersinnigen Sprachakrobatik liebte das Publikum die Büttenreden von Dr. Carsten Hager, der stets im Eulenspiegelkostüm über die Bühne wandelte und natürlich auch die Prinzengarde mit den feschen Kostümen, deren Damen unter Leitung von Petra Petersen und Anita Buck fleißig die Beine gen Himmel fliegen ließen. Als großer Impresario warf sich auch Jürgen Diercks, einer der Hauptsponsoren der Festivität, Jahr für Jahr in Schale. Nicht zu vergessen Tosca Auerbach mit ihren ausgefallenen Roben und Dr. Otto Fickel, dessen Apothekenreklame nahezu jedes Programmheft zierte. „Ist die Visage hin nach durchtanzter Nacht, Jojoba-Liposomen-Gel wieder fit Sie macht“, lautete einer seiner Slogans. Mit ein wenig Sozialkritik würzte Karin Hoffmann das karnevalistische Geschehen. In ihrem kleinen Sketch nimmt sie die Furcht des Oldesloers vor den schwarzen Krähen auf die Schippe. Das Neubaugebiet Steinfelder Redder wurde auch gern durch den Kakao gezogen.

„Die Rente ist sicher.“ Gern hätten die Oldesloer Narren diesen Satz aus berufenem Munde vernommen. 1983 hatten sie den Urheber, den damaligen Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm eingeladen, der selbst gern mal in die Bütt steigt. Er war indes verhindert. Immerhin entschuldigte sich der Minister brav bei den Karnevalisten, da ihm ein Auslandsaufenthalt dazwischengekommen sei. Doch die Oldesloer wissen zu improvisieren. Auch wenn das Geld späterhin knapp wurde, so schlüpften sie selbst in die Rolle der Stars — war ja schließlich Karneval. Wohl beleibt gaben sich Peter Boldt und Erich Weber als Wildecker Herzbuben die Ehre. Auch Trude Müller — eng verwandt mit Marlene Jaschke — brachte das Publikum zum Kreischen.

Waren die Eintrittskarten lange Zeit so begehrt, dass sich beim Vorverkauf lange Schlangen bildeten, so ging es späterhin bergab. 1997 löste sich das Komitee aus Geldmangel auf. Die Oldesloer Karnevalsgesellschaft übernahm das Ruder. 2006 hallte ein letztes Mal „Oldesloe-Alaaf“ durch den Saal.

KARNEVAL IN KÜRZE

Hits der 80er und 90er

statt Schlagerparty

Lasbek . Einmal wieder so richtig abrocken, das können die Lasbeker am Sonnabend, 27. Februar, denn dann wird im Gemeindehaus Alte Schule in Lasbek Dorf eine Party veranstaltet.

Wer mag, darf verkleidet kommen, zwingend ist es nicht. Das Warm-Up beginnt um 20 Uhr. DJ Hansi legt dieses Mal Hits aus den 80ern und 90ern anstelle von Schlagern auf.

Rehhorster Kids

feiern Fasching

Rehhorst . Am Aschermittwoch ist in Rehhorst nicht alles vorbei. Am Sonnabend, 13. Februar, steigt der traditionelle Kinderfasching, veranstaltet von der SPD. Spiele, Musik und Tanz für Kinder und Jugendliche stehen auf dem Programm. Beginn ist um 14.30 Uhr, das geplante Ende um 17.30 Uhr. Eltern, Großeltern und Freunde erwartet Kaffee und Kuchen im Gemeinschaftshaus Rehhorst.

Maxi Knopp überrascht die jungen Meddewader

Meddewade . Clown und Jongleur Maxi Knopp hält für die jüngsten Meddewader wieder allerlei Überraschungen parat. Die Mädchen und Jungen sind für Sonntag, 14. Februar zum Kinderfasching eingeladen. Auch DJ Volker sorgt für gute Stimmung. Eltern und Großeltern dürfen sich über Kaffee und Kuchen freuen. Start ist um 15 Uhr in der Alten Schule.

Dorothea von Dahlen

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