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Stormarn So schützen Sie sich gegen Einbrecher
Lokales Stormarn So schützen Sie sich gegen Einbrecher
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06:03 03.02.2019
Achtung in der dunklen Jahreszeit! Zertifizierte Fachfirmen bieten gute Schließtechniken. Quelle: dpa
Bad Oldesloe

Die gefühlte und die tatsächliche Kriminalität in einem Ort differiert häufig. Das ist offenbar auch in Bad Oldesloe so, was das Thema Wohnungseinbrüche betrifft. „Im Wahlkampf vor einem Jahr wurden wir häufig angesprochen von Bürgern, die sich unsicher fühlten“, berichtet Hans-Jörg Steglich von der Wählergemeinschaft Freie Bürger für Bad Oldesloe. Grund genug für ihn, eine Veranstaltung mit der Polizeidirektion Ratzeburg und deren Präventionsbeauftragtem Gerd Dietel zu organisieren, bei der sich jetzt zudem zwei Fachfirmen für den Einbruchschutz präsentierten.

Und der hatte gute Nachrichten mitgebracht: Die Zahl der Einbrüche in Stormarn, die vor drei Jahren noch exorbitant hoch war, geht weiter zurück – von 778 im Jahr 2016 auf 675 ein Jahr später. 2018 ist die Zahl laut Polizei nochmals gesenkt worden, die genaue Statistik wird demnächst veröffentlicht.

Präventionsbeamter Gerd Dietel: „Der Schraubenzieher ist bei Einbrechern ein beliebtes Werkzeug.“ Quelle: mc

Der Erfolg hat einen Grund: Die Polizei setzt schon länger Sondereinsatzgruppen ein. „Und Bad Oldesloe ist auch lange nicht so betroffen wie etwa Ahrensburg und Reinbek“, sagte Dietel. In Bad Oldesloe wurden 54 Einbrüche gezählt, in Ahrensburg waren es fast dreimal so viele. Mit offenen Präsenzstreifen und vielen Zivilkräften zu den Haupttatzeitpunkten habe man jedoch auch am Hamburger Rand einen deutlichen Rückgang der Delikte erzielt, so Dietel weiter, der trotzdem keine Entwarnung geben wollte und eine Menge Tipps für Haus- und Wohnungsbesitzer parat hatte.

Mit Gartenstuhl auf den Carport

Der Beamte brachte das Beispiel einer Frau, die ihre teure Immobilie nach einem ersten Einbruch mächtig aufgerüstet hatte und trotzdem erneut zum Opfer wurde. Die Täter kamen dabei über das Dach, benutzten das Regenfallrohr und entfernten dann die Dachziegel. „Das waren jedoch Profis, die sich das Gebäude ausgeguckt hatten“, berichtete Dietel. „Die meisten Einbrecher sind dagegen Gelegenheitstäter, wollen ohne großes Risiko und ohne Bewohnerkontakt schnell rein ins Objekt und auch schnell wieder raus.“

Täter kommen am Donnerstag

Schon seit 25 Jahren gibt es in Großhansdorf die Bürgerinitiative „Mehr Sicherheit in Großhansdorf“, von der auch einige Mitglieder bei der Veranstaltung in Bad Oldesloe waren. „Wir gehen jeden Tag durch die Wohngebiete, kommen so auf rund 40 000 Kilometer pro Jahr“, sagt der Vorsitzende Hans-Jürgen Bendfeldt. Derzeit hat die Initiative rund 90 Mitglieder, dazu rund 100 fördernde Mitglieder, mittlerweile auch immer mehr junge Leute. „In Großhansdorf haben wir zuletzt viele Autoaufbrüche gehabt“, erzählt Bendfeldt. „Und“, so hat er beobachtet, „die Einbrecher kommen nicht mehr freitags, sondern donnerstags zwischen 16 und 20 Uhr.“ Seine Erklärung: „Donnerstags gibt es die neuen Supermarkt-Angebote, und die Leute fahren am Abend zum Einkaufen.“

Die Polizeidirektion Ratzeburg hat schon den nächsten Termin im Visier. Zusammen mit dem Peter-Rantzau-Haus in Ahrensburg lädt die Direktion am Donnerstag, 14. Februar, von 18 bis 19.30 Uhr interessierte Bürger zu einer weiteren Präventionsveranstaltung zum Thema Einbruchschutz ein. An diesem Abend stehen mit zwei Fachfirmen für Einbruchschutz kompetente Ansprechpartner für mechanische Sicherungen und elektronische Einbruchmeldeanlagen für eine individuelle Beratung zur Verfügung. Die Besucher erhalten auch hier von Polizeihauptkommissar Gerd Dietel aus dem Sachgebiet Prävention wichtige Tipps und Hinweise, wie man sich durch sein eigenes Verhalten vor Einbruchskriminalität schützen kann. Im Anschluss daran stehen der Referent und die Fachfirmen des Handwerks für weitere Fragen zur Verfügung. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Sie wie die aus dem zweiten Beispiel: An der mehrfach verriegelten Terrassentür waren die Einbrecher noch gescheitert; allerdings kletterten sie dann mithilfe eines Gartenstuhls auf den Carport und gelangten über ein auf Kipp gestelltes Fenster hinter zur Hälfte heruntergelassenen Jalousien in das Haus und durchwühlten alles. „Häufig ist die Tatsache, dass Einbrecher in der Wohnung waren, das schlimmste für die Betroffenen“, sagt Dietel. Dass Gegenstände gestohlen werden, sie häufig zweitrangig.

Hilfe unter Nachbarn

Manchmal reicht also ein Stuhl, um einen Einbruch zu ermöglichen; es können laut Polizei aber auch die nicht zurückgestellte Mülltonne an der Straße, natürlich ein voller Briefkasten, ein Carport ohne Auto oder ein komplett dunkles Haus sein, die Einbrecher anlocken. Dietel setzt daher unter anderem auch auf die Hilfe der Nachbarn, die nicht nur wachsam sind, sondern im Urlaubsfall den Briekasten leeren, ihr eigenes Auto in die Einfahrt stellen oder einfach mal Licht anmachen. Außerdem gibt es Aufkleber und Schulder „Wachsamer Nachbar“, der schon manchen Einbrecher laut Dietel abgeschreckt hat. Alles helfe jedoch am Ende nichts, wenn die Urlauber selbst ihre Ankunft auf Mallorca sofort in den sozialen Medien mitteilen.

Fenja Hesselschwerdt von der Segeberger Tischlerei Bartholl erklärt einem Oldesloer Bürger den digitalen Türspion. Quelle: mc

Neben den eigenen Verhaltensweisen gibt es natürlich auch viele technische Möglichkeiten, um sein Heim zu sichern. Auf der Internetseite der Polizei in Schleswig-Holstein gibt es eine Liste mit Fachfirmen, die seriös sind und auf dem neuesten Stand der Dinge. Bei der Veranstaltung im Oldesloer Bürgerhaus waren die Segeberger Firmen Mebo und Tischlerei Bartholl vertreten, um Schließtechniken, Fenstersicherungen, Überwachungssysteme oder Alarmanlagen zu präsentieren. Über die KfW-Bank und auch das Land Schleswig-Holstein gibt es dafür Fördermittel.

Beliebter Schraubenzieher

Auch die Einbrecher auf der anderen Seite benutzen technische Hilfsmittel, sind meist mit Werkzeugen ausgestattet. Besonders beliebt ist laut Polizei der Schraubenzieher. Gerd Dietel: „Der ist gut anzuwenden und kann im Fall einer Polizeikontrolle schnell weggeworfen werden.“ Mit einem selbst gebastelten Leerrohr plus einem Band ließen sich innerhalb von 30 Sekunden auf Kipp gestellte Fenster öffnen. Oft zur Ausrüstung eines Einbrechers gehöre auch der sogenannte Türfallenspachtel, mit dem sich Türen leicht öffnen ließen. „Dagegen hilft aber schon, einfach die Tür abzuschließen“, erklärt Polizeibeamter Dietel.

Markus Carstens

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