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Stormarn Oldesloe ist Hochburg bei Kinderarmut
Lokales Stormarn Oldesloe ist Hochburg bei Kinderarmut
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23:23 30.05.2018
Birgitt Zabel und Ingo Loeding vom DKSB-Stormarn stellten den 3. Armutsatlas zur Kinderarmut vor. Quelle: Foto: B. Albrod
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Bargteheide

Nach der Kommunalwahl stellt sich die Politik in Kreis, Städten und Kommunen in Stormarn neu auf. Das möchte der Deutsche Kinderschutzbund, Kreisverband Stormarn (DKSB), nutzen, um mit dem „3.

Armutsatlas für den Kreis Stormarn“ auf ein Thema hinzuweisen, bei dem er dringenden Handlungsbedarf sieht. Denn trotz sinkender Arbeitslosenzahlen und trotz großen Wohlstandes im Kreis steigt die Zahl von Kindern, die in Armut leben, weiter an.

Mit 4071 Kindern sind in Stormarn 9,83 Prozent aller Kinder aus Familien, die Hartz IV beziehen, betroffen. Nimmt man diejenigen Kinder hinzu, die Anspruch auf Sozialleistungen haben, erhöht sich die Zahl auf 7124 (17,2 Prozent). Hochburg bei der Kinderarmut sind seit zehn Jahren Bad Oldesloe (18,9 Prozent) und Glinde (16,91 Prozent). Einzig in Bargteheide hat die Zahl armer Kinder abgenommen (6,7 Prozent), das aber ist, so Ingo Loeding, Geschäftsführer des DKSB in Stormarn, darauf zurück zu führen, dass arme Familien wegen der hohen Wohnungsmieten aus der Stadt wegzögen.

„Wir haben erstmals vor 15 Jahren zum Thema Kinderarmut berichtet“, sagte Birgitt Zabel, Vorsitzende des DKSB-Stormarn. Seitdem seien 2010 und 2014 die ersten beiden Armutsatlanten heraus gekommen.

2018 folgt nun die dritte Publikation. Sie seien an einem Punkt angekommen, wo Unverständnis und Wut größer würden, ergänzte Ingo Loeding. „Trotz des Wohlstandes im Kreis steigen die Zahlen zur Kinderarmut weiter an.“ Das hänge zwar auch mit der Zahl der Flüchtlinge zusammen, aber nicht nur. Nach offizieller Statistik der Arbeitsagentur lebten in Bad Oldesloe 830 Kinder, die Hartz-IV-Leistungen beziehen. „Rechnet man die Kinder dazu, die Anspruch auf das „Bildungs- und Teilhabepaket“ haben, kommt man auf 1450 Kinder. Das ist ein Drittel aller Kinder in Bad Oldesloe.“

Doch auch in den anderen Kommunen gebe es Kinder, die erleben müssten, dass sie bei vielen Aktivitäten der Altersgenossen nicht dabei sein könnten, weil das Geld fehle. „Kinderarmut ist immer Elternarmut“, so Loeding. „Deshalb setzen wir uns seit Jahren für eine Kindergrundsicherung ein.“ Inzwischen werde darüber auf Bundesebene diskutiert. Aber bisher sei kein ernsthaftes Interesse zu erkennen, die Situation armer Kinder zu verbessern. Hartz IV reiche nicht aus. „Kindern unter sechs Jahren stehen pro Jahr 87,96 Euro für Schuhe zur Verfügung, Kinder bis 14 Jahre bekommen 3,86 Euro pro Tag für Nahrung und Getränke.“ Das reiche nicht. „Arme Kinder sieht man nicht, weil sie nicht teilnehmen können.“

Aus der Arbeit beim Kinderschutzbund wissen Loeding und Zabel, dass ein Zusammenhang zwischen sozialer Situation und Kindswohl besteht. „Kinderarmut ist ein Risikofaktor“, betont Loeding, „es gibt strukturelle Gewalt, nach der das Kindswohl durch schlechte Rahmenbedingungen bedroht ist.“ Unausgewogenes Essen schädige die Gesundheit, die mangelnde Teilhabe die Lebenssituation insgesamt. Dabei sehen Birgitt Zabel und Ingo Loeding durchaus Möglichkeiten, wie Politiker die Situation armer Kinder im Kreis verbessern könnten.

„Offene Ganztagsschulen sollten zusätzliche Bildungsangebote kostenlos anbieten, das macht bisher nur Glinde. Dann können auch Kinder aus einkommensschwachen Familien teilnehmen.“ Dasselbe gelte für Ferienangebote. „In Ahrensburg sind die städtischen Ferienangebote inzwischen kostenlos und damit offen für alle. Aber das müsste bei allen Kommunen so sein.“ Schließlich müsse der Schulbesuch kostenlos sein, laut einer Erhebung müssten Schulkinder zwischen 300 und 400 Euro pro Schuljahr für Extras beisteuern. „Hierfür gibt es aber nur 100 Euro.“

Nothilfefonds

Wenn die Brille kaputt geht, ein Kind nicht das Geld fürs Schwimmbad hat oder anderswo schnelle Hilfe im Alltag nötig ist, hilft der DKSB-Stormarn mit dem Familienhilfe-Notfonds. Der speist sich aus Spenden auf das Konto

DE 50 2135 2240 01300083 54, Stichwort Familienhilfe-Notfonds. Vergangenes Jahr konnten daraus 770 Einzelhilfen finanziert werden. 1450 Kindern konnte geholfen werden.

 Bettina Albrod

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