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Stormarn Oldesloe setzt Zeichen gegen Fremdenhass
Lokales Stormarn Oldesloe setzt Zeichen gegen Fremdenhass
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00:54 17.04.2016
Rund 1000 Teilnehmer nahmen am Sonnabend bei der Demonstration des Bündnisses gegen Rechts teil. Quelle: Jens Burmester

In großer Geschlossenheit zogen gestern 1000 Bad Oldesloer und Unterstützer des Bündnisses gegen Rechts durch die Innenstadt, um zu demonstrieren, dass die Kreisstadt bunt und weltoffen ist und auch so bleiben soll. Auf Fahnen und Transparenten bezogen sie Stellung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Der Rundgang vom Bahnhof durch die Fußgängerzone verlief friedlich. Bei einer Kundgebung in der Brunnenstraße meldeten sich Vertreter der Parteien zu Wort. Aber den wohl größten Beifall spendeten die Demonstranten Pfarrer Nicolaj Dusek. Hass und Angst werde von den Nationalisten geschürt, sagte er. „Es klingt so, als wären wir die Perle der Kulturgeschichte und alle um uns herum Barbaren, die uns die Welt wegnehmen.“

Weitab von dieser Veranstaltung hatten indes radikale Protestler einige Sabotageakte vorbereitet. So sollte die vom NPD-Ratsherrn Mark Proch aus Neumünster angemeldete Kundgebung am Bahnhof bereits um 13 Uhr beginnen. Doch wie die Polizei meldete, brannten auf der Bahnstrecke bei Büchen hinter Mölln Autoreifen und Möbel im Gleisbett. Auch hatten sich Autonome auf der Eisenbahnbrücke über die Bundesstraße 208 auf die Gleise gesetzt, um die Anreise weiterer NPD-Anhänger zu verhindern. Der Zugverkehr war aufgrund dieser Aktion eineinhalb Stunden unterbrochen.

Des weiteren passten laut Stelke maskierte Autonome den Regionalexpress von Lübeck in Richtung Hamburg, in dem sich wohl ebenfalls NPD-Anhänger befanden, 500 Meter vor der Einfahrt in den Bahnhof ab und bewarfen ihn mit Pflastersteinen. „Beschädigt wurde der Zug, er konnte aber ohne weiteres zurückfahren“, sagte der Polizeisprecher. Ihm zufolge stellten seine Kollegen bei gerade aus Hamburg angereisten Autonomen mehrere mit Farbe gefüllte Christbaumkugeln sicher, die als Wurfgeschosse dienen sollten.

Für einen der Rechtsextremen wurde es ein kurzer Auftritt. Während er auf seine Gefolgschaft vor dem Bahnhof wartete, erhob er die Hand zum Hitlergruß. Das fiel den mit Kameras ausgerüsteten Polizisten zu seinem Leidwesen auf. Der Mann wurde abgeführt.

Endlich vollzählig, richteten sich NPD-Funktionäre in längeren Reden an ihr Klientel. Proch und der NPD-Landesvorsitzende Ingo Stawitz erklärten: „Wir warnten vor dem Untergang der deutschen Kultur.“

Diese Äußerungen wurden vom lauten Pfeifen der Gegendemonstranten begleitet, die selbst nach Abschluss der Kundgebung vom Bündnis gegen Rechts noch geblieben waren, um ihrem Unmut gegen die Neonazis kundzutun.

Ihren eigentlich über den Schanzenbarg geplanten Aufmarsch konnten die NPD-Leute nicht verwirklichen. Denn an sämtlichen Straße, die vom Bahnhof wegführten, hatten Gegendemonstranten Sitzblockaden veranstaltet oder Menschenketten gebildet. So gingen Proch und seine Anhänger nur einmal im Kreis herum — begleitet von einem starken Polizeiaufgebot. Zwischendrin flogen immer wieder Steine, Flaschen und auch Knallkörper aus dem Block der Autonomen. Letztlich gelang es der Polizei, die widerstreitenden Gruppen auf Distanz zu halten und in die Züge zu geleiten. Gegen 16.30 Uhr wurde Unterbrechung des Zugverkehrs aufgehoben.

Die Polizei war mit 860 Beamten aus Schleswig-Holstein und Hamburg sowie 482 Bundespolizisten im Einsatz. Sie nahmen sechs Personen in Gewahrsam und sprachen 60 Platzverweise aus. „Bei so einer hohen Zahl von Teilnehmern ist zum Glück wenig passiert. Wenn mehrere Gebäude entglast worden wären, hatte man gefragt: ‘Und wo war die Polizei?‘“, zog Stelke ein Resumee. Walter Albrecht vom Bündnis gegen Rechts war zufrieden: „Dass so viele Menschen friedlich auf die Straße gegangen sind, macht mich unglaublich happy.“

Von Dorothea von Dahlen

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