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Stormarn Oldesloe wehrt sich gegen den Müll
Lokales Stormarn Oldesloe wehrt sich gegen den Müll
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21:02 05.10.2017
Schön sieht anders aus: Sperrmüll wird manchmal Wochen vor Abholung rausgestellt. Quelle: Fotos: Matzen
Bad Oldesloe

hat ein Problem: Die Stadt wird immer schmutziger. Überquellende Abfallbehälter, herumfliegender Dreck, aufgeplatzte gelbe Säcke, achtlos weggeworfene Getränkedosen, Berge von Zigarettenkippen, in einigen Ecken der Stadt lagern über Wochen gar riesige Haufen von Sperrmüll – viele Bürger sind entsetzt über den schmuddeligen Zustand ihrer Heimatstadt. „Im Rahmen des Services ,Stadtsauberkeit‘ wurde durch die Stadtverwaltung festgestellt, dass es vermehrt zu Beschwerden und Meldungen über widerrechtlich abgelegten Müll oder aber auch sogar über zu früh bereitgestellten Müll kommt“, teilt die Stadt in einer Pressemittelung mit und weist aus gegebenem Anlass auf die bestehenden und einzuhaltenden Regelungen der Abfallwirtschaftssatzung des Kreises Stormarn hin.

Kein schönes Bild: Herumfliegender Müll verunstaltet Straßen, Wege und Plätze in Bad Oldesloe. Bürger beschweren sich darüber bei der Stadt. Bislang jedoch ohne Erfolg. Grünen-Politikerin Karin Hoffmann fordert deshalb ein rigoroses Vorgehen gegen Müllsünder.

Danach dürfen Abfallbehälter beziehungsweise gefüllte gelbe Säcke erst am Abfuhrtag rechtzeitig bis 6 Uhr bereit gestellt werden. „Ein Bereitstellen der Abfallbehälter beziehungsweise insbesondere der gefüllten gelben Säcke bereits mehrere Tage vor dem Abholtermin ist nicht erlaubt“, heißt es in der Satzung. Aus der Regelung geht zudem hervor, dass nach der Entleerung Abfalleimer und Abfallreste unverzüglich von der Straße zu entfernen sind.

„In der Fußgängerzone hat es in der Vergangenheit vermehrt Beschwerden gegeben“, weiß Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak. So würden Geschäftstreibende ihren Müll teilweise schon am Freitagabend vor die Tür stellen, obwohl dieser erst am Montag in der Früh abgeholt werde. „Ja, hier können durchaus Probleme auftauchen, wenn die Behälter am Freitagabend oder Sonnabend nach Geschäftsschluss auf die Straße gestellt werden“, gibt auch Olaf Stötefalke, Pressesprecher der Abfallwirtschaft Südholstein, zu.

Gabriele Lübcke hatte sich schon mehrfach bei der Stadt beschwert, weil überquellende Müll- und Papiertonnen dauerhaft in der Besttorstraße stehen. „Der Müll fliegt quer über die Straße“, schimpft Lübcke. Sogar Ratten hat die Bad Oldesloerin an den Fassaden der Häuser, vor denen die Abfallbehälter abgestellt wurden, herumklettern sehen.

Ein weiteres Problem gibt es in der Stadt mit herrenlosem Müll. „Oftmals können gelbe Säcke und andere abgestellte Dinge nicht zugeordnet werden“, sagt Bürgeramtsleiter Sobczak. Diese würden dann von den Entsorgungsbetrieben auch nicht abgeholt.

„Siehst du Dreck und Papier, wähle 504-504“ – so lautet der Slogan der Oldesloer Hotline für Stadtsauberkeit, die auf Initiative der Grünen-Politikerin Karin Hoffmann ins Leben gerufen wurde. „Aber ich habe die Hoffnung bald aufgegeben, dass es in unserer Stadt noch mal sauberer wird“, sagt Hoffmann. Die Müllsäcke, die Tage vor der Abholung vor vielen Geschäften in der Innenstadt herumfliegen, regen Hoffmann besonders auf. „Über einen Bäcker in der Hindenburgstraße habe ich mich schon so oft geärgert. Die gelben Säcke liegen draußen rum, Aschenbecher werden nicht geleert, dazwischen mag man gar nicht mehr sitzen und was essen.“ Meistens seien es Hausmeister, die die Müllbehältnisse zu früh auf die Straße stellten. „Bei inhabergeführten Geschäften passiert das nicht, die sorgen schon dafür, dass es vor ihrer Tür picobello aussieht“, ist Hoffmann sicher.

Besonders schlimm sehe es auch rund um den Parkplatz am Kurpark aus, hat die Stadtpolitikerin festgestellt. „Jeden Sonntag sehe ich dort Berge von Unrat, halbe Computer, Tapeten- und Teppichreste – alles wird da weggeschmissen. Aber wenn das nie geahndet wird, machen die Leute natürlich so weiter.“ Karin Hoffmann ärgert das schon lange, dass Sauberkeit für viele Menschen anscheinend keine Rolle mehr spiele. Die Stadt müsse deshalb dringend Maßnahmen ergreifen, fordert die Grünen-Politikerin. „Die Übeltäter muss man sich zur Brust nehmen. Das Ordnungsamtpersonal sollte viel rigoroser sein und Knöllchen an diejenigen verteilen, die die Stadt vermüllen – und nicht nur an die Autofahrer.“ Mit Kameras und Strafzetteln gehen zumindest andere Städte gegen Müllsünder vor. Anderenorts droht sogar ein Bußgeld, wenn Abfallbeutel Tage vor dem eigentlichen Abholtermin herausgestellt werden.

Im Frühjahr fand in Bad Oldesloe nach zwei Jahren wieder eine Müllsammel-Aktion statt. Eine ganze Woche sammelten Schulklassen, Kitas, Vereine, die Schanze und viele Einzelpersonen Müll in der Kreisstadt. Die Aktion war ein großer Erfolg. Mehr als 120 Müllsäcke voller Unrat kamen dabei zusammen. Dass das große Aufräumen stattfand, war Karin Hoffmann zu verdanken. Die Stadt sah sich wegen Personalmangels nicht in der Lage, den Frühjahrsputz zu organisieren. Also besorgte die Grünen-Politikerin Sponsoren, Präsente und Gewinnkarten, die sie in mühevoller Kleinarbeit an 200 Müllsäcke tackerte. Auch den ersten Preis hatte Karin Hoffmann gespendet: einen siebentägigen Aufenthalt für drei Personen an der Mecklenburger Seenplatte.

Ob sich Hoffmann im Frühjahr 2018 wieder für eine Müllsammelaktion engagiert, ist fraglich. „Ich bin ja nicht die Müllfrau von Bad Oldesloe“, so die Politikerin verärgert.

 Von Britta Matzen

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