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Stormarn Oldesloer „Mühle“ öffnet wieder
Lokales Stormarn Oldesloer „Mühle“ öffnet wieder
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22:38 06.02.2018
Alessio Zagari mit Ute Struppek und Brauereipartner Klaus Limberts (v.l.) vor dem Lokal „Zur Mühle“. Quelle: Fotos: Von Dahlen
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Bad Oldesloe

Das trifft auch auf die Traditionsgaststätte „Zur Mühle“ zu, die Kult-Kneiper und Fußballidol Harry Struppek gemeinsam mit Ehefrau Ute über Jahrzehnte hinweg führten. Eine Vermietung vor fünf Jahren brachte nicht den gewünschten Erfolg, die Kneipe blieb lange Zeit geschlossen. Nun hat sich der Chef des „Café Laurents“, Alessio Zagari, ein Herz gefasst. Er kauft das Geburtshaus Ute Struppeks und will die Gaststätte wieder auf Vordermann bringen.

Alles ist im Fluss. In der Oldesloer Innenstadt tut sich einiges. Die LN haben sich in den Einkaufsstraßen umgeschaut und selbst hinter abgehängte Schaufenster geblickt. Das Ergebnis: In einigen bis dato leer stehenden Gewerbeimmobilien zieht neues Leben ein.

Wie sehr die frühere Stammkundschaft den alten Zeiten in der „Mühle“ hinterhertrauert, erzählte einer der Gäste im „Laurent“. „Er saß heulend da. Über 40 Jahre kehrte er dort regelmäßig ein. Als er hörte, dass ich den Laden jetzt übernehme, hat er mich umarmt. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit“, sagt Zagari. Da die Kneipe vom Flair der guten alten Zeit lebe, werde er grundsätzlich nicht viel verändern. Schließlich sei die „Mühle“ eine richtige Institution gewesen, davon zeugten jedenfalls die vielen Schwarz-Weiß-Fotos, die die Struppeks ihm gezeigt hätten.

„Natürlich werden wir die Toiletten und die Hygiene verbessern. Ansonsten soll alles weitgehend so bleiben“, sagt der Gastronom, der auch den Fußballclubs aus der Region wieder einen passablen Treffpunkt bieten und den Sparclub reaktivieren will. An seiner Seite weiß Zagari Klaus Limberts von der Flensburger Brauerei, die sich an den Umbauarbeiten finanziell beteiligen wird. „Wenn alles glatt geht, ist alles Ende April Anfang Mai fertig“, sagt Limberts.

Ein Haus weiter klebt ein Sticker am Schaufenster. Die Firma Mäc Geiz sucht Personal. Der Billigwaren-Anbieter lässt sich am einstigen Sitz des Drogeriediscounters „Ihr Platz“ nieder und bezieht damit eine 1a-Lage in der Stadt. Das seit vielen Jahren verwaiste Gebäude ist inzwischen entkernt und repräsentabel hergerichtet. Die Wohnungen über dem 400-Quadratmeter großen Laden sind vermietet.

Ein weiteres gastronomisches Angebot wird es in absehbarer Zeit auf der Hindenburgstraße geben. Dort eröffnet Esma Kayak (33), die vor 31 Jahren mit ihren Eltern aus der Türkei nach Bad Oldesloe kam, ein Café, in dem es mit Eis und Früchten gefüllte Waffeln, aber auch Crêpes, ein zünftiges Bauernfrühstück und Kaffee-Spezialitäten geben wird. „Meine beiden Kinder sind inzwischen in der Schule, ich selbst koche und backe gern. Da habe ich überlegt, mich selbständig zu machen“, erzählt Esma Kayak. Ihr Mann Gültekin ist Koch und arbeitet in einer Pizzeria.

Bewegung auch in der Oldesloer Bahnhofstraße: Kaum hatte Burkhard Bruszies dort seinen Laden zum ersten Mal aufgesperrt, rannten ihm die Kunden schon die Bude ein. „Das ging gleich voll los“, sagt der Geschäftsmann. Viele ältere Menschen seien mit dem Fensterputzen völlig überfordert und deshalb dankbar, dass sie diese Arbeit nun in Auftrag geben können. Den jüngeren fehle das Know-how, die Scheiben streifenfrei zu säubern oder auch die Zeit, weil sie beruflich stark eingespannt seien.

Mit seiner Fensterreinigung in der einstigen Videothek ist Bruszies in guter Nachbarschaft. Im Quartier am südlichen Stadteingang siedeln sich immer mehr Dienstleistungsbetriebe an – angefangen von der Änderungsschneiderei über Schuster und Friseur bis hin zum PC-Doktor. Preiswertere Mieten ermöglichen es, weniger betuchten Geschäftsleuten, hier zu firmieren. Zwei Gemüsegeschäfte, von denen eines erst kürzlich eröffnet hat, bringen mehr Farbe in den sonst eher blassen Teil der Stadt.

Die Kaufmannschaft wünscht sich indes mehr Vielfalt in der Innenstadt. „In Bad Oldesloe haben wir ein Überangebot an Billiggeschäften, es gibt ein starkes Angebot in der Mittelpreislage. Das Premiumangebot ist unterbesetzt, es fehlt an hochwertigem Angebot“, sagt Nicole Brandstetter, Beisitzerin und Sprecherin der Oldesloer Wirtschaftsvereinigung.

 Von Dorothea von Dahlen

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