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Stormarn Oldesloer Politik: Flüchtlinge sollten besser betreut werden
Lokales Stormarn Oldesloer Politik: Flüchtlinge sollten besser betreut werden
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18:10 08.02.2018
Bad Oldesloe

Die meisten Asylbewerber stammen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak. Das geht aus einer Statistik der Johanniter hervor, die die Unterkünfte im Sandkamp und der Kastanienallee im Auftrag der Stadt betreuen. Insgesamt leben dort Menschen aus elf Nationen. Zudem gibt es laut Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak 27 von der Stadt angemietete Wohnungen, von denen derzeit 20 besetzt sind.

Vieles noch offen

Fragen über Fragen tauchten während der Ausschuss-Sitzung auf – so etwa wie lange Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften leben, bevor sie in Wohnungen untergebracht werden, oder wie lange Asylverfahren dauern. Im April soll es dazu genauere Informationen geben.

Auf die Frage, ob die Art der Unterbringung bestimmten Prinzipien folge, erklärte Leiterin Ilka Lambke-Muszelewski: „Wir haben ein Stufenkonzept entwickelt als Anreiz zur Integration.“ Im Sandkamp seien ausschließlich Männer untergebracht. In der Kastanienallee wohnten Migranten, die sich schon sehr gut eingelebt hätten, eine Realschule besuchten, oder Einstiegsqualifizierungen zur Berufsausbildung absolvierten. Sie dort gemeinsam unterzubringen habe sich sehr bewährt. Schließlich profitierten dort alle von den ruhigen Wohnverhältnissen. In der Hamburger Straße wiederum wohnten Geflüchtete, die bereits so weit Fuß gefasst hätten, dass sie für den Arbeitsmarkt vermittelbar seien. Im Übrigen seien viele Bewohner der Unterkünfte gar nicht daran interessiert, umzuziehen.

Auf die Frage, wie mit den angemieteten Wohnungen verfahren werde, erklärte Sobczak, dass sie zu groß seien, um sie etwa an Einzelpersonen weiterzugeben. Bei einer, so stellte sich heraus, handelt es sich um ein Objekt in der Emma-Ihrer-Straße, das 2016 Schlagzeilen machte. Besagte Wohnung befindet sich nämlich in einem Haus, in dem auch ein Bordell betrieben wird. Aygün Caglar (CDU) warnte im Ausschuss davor, sie überhaupt noch einmal zu vermitteln. Der Fall der Familie mit Töchtern, die von Kunden des Puffs für Prostituierte gehalten wurden, sei schon unangenehm genug gewesen. Auf Nachfrage erklärte Sobczak, dass der Mietvertrag ohnehin bald auslaufe und nicht mehr verlängert werden solle.

„Es wird der Eindruck erweckt, als sei alles geregelt. Aber nichts ist gut“, meldete sich Hartmut Jokisch (Grüne) zu Wort. Er schilderte einen Fall, wonach Flüchtlinge in den Nachbarschaftsladen „Kaktus“ kamen, die von einer Kündigung bedroht seien. Bei der Stadt hätten sie zu hören bekommen, sie müssten sich selbst kümmern und fielen nicht mehr unter die Betreuung der Stadt. „Ab wann entlassen Sie Flüchtlinge in die Wildnis, damit sie sich selbst freischwimmen?“, wollte Jokisch wissen.

Damit wies er offenbar auf eine juristische Grauzone hin. Die Betreuung seitens der Stadt laufe so lange, wie ein Flüchtling Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz bekomme, hieß es. Wer bereits anerkannt sei und unter das Sozialgesetzbuch II (SGB II) falle, dem sei freigestellt, eine Wohnung anzumieten. Kristin Schwarz-Klatt, Leiterin der Migrationssozialarbeit ergänzte, dass die Diakonie einen Vertrag mit der Stadt habe, anerkannte Flüchtlinge „niedrigschwellig“ zu unterstützen. Damit sei eine allgemeine Beratung gemeint, keine intensive Begleitung zu Behörden sowie weitere Hilfestellungen. „Wir unterstützen zwar auch bei der Wohnungssuche. Aber der Wohnungsmarkt gibt derzeit nicht mehr her. Da hat auch die Migrationsberatung nur begrenzte Möglichkeiten“, sagte Schwarz-Klatt. Erschwerend komme hinzu, dass manche Vermieter gute Deutschkenntnisse voraussetzten, um sicherzugehen, dass die neuen Mieter die Hausordnung verstehen.

Außer Jokisch monierte Maria Herrmann (SPD), dass im Vortrag über die Situation der Geflüchteten Probleme bei der Betreuung unter den Tisch gekehrt wurden. „Wir sehen hier nur Zahlen. Was im Alltag an uns herangetragen wird, ist aber eine ganz andere Welt. Ich bin auf der Zinne“, sagte sie. Schwarz-Klatt schlug vor, ein Integrations-Konzept zu entwickeln, um neue Lösungen zu finden. „Da bringen wir gern unsere Erfahrungen ein“, sagte sie.

Dorothea von Dahlen

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