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Stormarn Oldesloer Polizeichef hängt die Uniform an den Nagel
Lokales Stormarn Oldesloer Polizeichef hängt die Uniform an den Nagel
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21:27 25.08.2016
Es ist so weit: Wolf-Rüdiger Traß betritt zum letzten Mal als Revierleiter die Wache am Berliner Ring. Quelle: Fotos: M Thormählen/ln-Archiv
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Bad Oldesloe

„Ich würde alles noch einmal machen – und zwar genauso“, sagt Wolf-Rüdiger Traß rückblickend. Der Erste Polizeihauptkommissar schaut weit zurück, war er doch vor 43 Jahren als junger Anwärter eingestiegen und beendet heute als Revierleiter in Bad Oldesloe seine Karriere. Egal, wo er im Dienst war, für den Polizisten galt der Grundsatz: „Ich wollte immer für den Bürger da sein.“

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Wolf-Rüdiger Traß hat heute seinen letzten Arbeitstag – Der 60-Jährige war bei den Großdemos in Brokdorf dabei und sorgte für neue Strukturen in Nordstormarn.

Das allerdings ist dem Beamten nicht immer ganz leicht gefallen – vor allem in der Zeit um 1977, als Demonstranten gegen den geplanten Bau des Kernkraftwerkes in Brokdorf protestierten. „Auch wir Polizisten waren ja gegen Atomkraft. Doch wir mussten unseren Auftrag erfüllen und die Baustelle schützen – selbst wenn wir den Demonstranten eigentlich Recht gaben“, so Wolf-Rüdiger Traß.

Er wurde am 12. Oktober 1955 in Ratzeburg im Kreis Herzogtum Lauenburg geboren und begann im Herbst 1973 nach dem Besuch des Fachgymnasiums seine Ausbildung in Eutin im Kreis Ostholstein.

Anschließend war er als Ausbilder und Gruppenführer bei der Bereitschaftspolizeiabteilung im Einsatz. Von 1980 bis 1983 drückte der Beamte dann wieder die Schulbank auf der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz bei Kiel, um sich für die Laufbahn des gehobenen Dienstes zu qualifizieren.

Anschließend ging es als Chef auf die Wachen, er leitete Dienststellen in Timmendorfer Strand und Bad Schwartau im Kreis Ostholstein und wechselte 2011 nach Bad Oldesloe. Wolf-Rüdiger Traß ist nach eigenen Worten glücklicherweise nie gezwungen gewesen, auf einen Menschen zu schießen: „Ich habe Warnschüsse bei der Verfolgung von mutmaßlichen Einbrechern abgegeben. Und die sind dann stehengeblieben.“

In Ostholstein und Stormarn hat er alle Strukturreformen mitgemacht – als Leiter von Stationen, Zentralstationen und Revieren. Aber nicht nur Bezeichnungen haben sich geändert – auch Inhalte. „Der Polizist war früher eine Respektsperson. Das ist heute nicht mehr der Fall. Man muss sich den Respekt der Bürger verdienen und erarbeiten“, so der 60-Jährige. Damit werde der „Mensch in der Uniform“

mehr gefordert – und der Beamte selbst müsse auch ganz andere Anforderungen bewältigen. Die Schutzpolizei habe eine Vielzahl von Delikten zu verfolgen und übernehme bei jedem Einsatz den sogenannten ersten Angriff, auch wenn Ermittlungen später von Kriminalisten weitergeführt werden. „Zum Beispiel bei dem Großfeuer in Nütschau – da haben wir den Brandherd und auch die Spuren gesichert. Unsere Arbeit ist wesentlich anspruchsvoller geworden“, sagt der Revierleiter.

Umfangreicher ist jetzt auch der Papierkrieg. Vorgänge müsse detailliert und umfassend protokolliert werden. Doch für den Ersten Polizeihauptkommissar steht die Sicherheit der Bürger an erster Stelle. 51 Beamte sind in Nordstormarn in den beiden Dienststellen in Oldesloe und Reinfeld im Einsatz: „Wir haben zu jeder Zeit drei Streifenwagen auf den Straßen. Mein Anspruch ist: Zehn Minuten nach der Alarmierung sind wir da.“

Um Hab und Gut von rund 60000 Bürgern zu schützen, kann sich Wolf-Rüdiger Traß nach eigenen Worten auf „hochmotivierte Kollegen“ verlassen. Er habe außerdem versucht, die personelle Situation weiter zu verbessern. Das werde sicherlich auch eine Aufgabe für seinen Nachfolger Michael Demski sein, der zum 1. Oktober von Mölln nach Bad Oldesloe wechselt.

Wolf-Rüdiger Traß hat dann seine Uniform in den Schrank gehängt und fühlt sich von seinen ehemaligen Kollegen gut beschützt – übrigens auch von Kolleginnen, denn er hat den Einstieg von Frauen bei der Schutzpolizei vor 30 Jahren miterlebt. „Frauen sind oft feinfühliger. Auch das hat die Polizei weiter nach vorn gebracht.“

Schutz für Prominente und tödliche Unfälle

Helmut Kohl war noch Bundeskanzler, als die CDU in den achtziger Jahren ihren Parteitag im Ostseebad Timmendorfer Strand veranstaltete. Dem jungen Polizeikommissar Wolf-Rüdiger Traß

unterstanden damals zwei Hundertschaften, um die Politiker zu beschützen. Mit diesen Aufgaben kannte er sich schon aus, weil er in den siebziger Jahren beim Baader-Meinhof-Prozess in Stuttgart zum Schutz der Richter eingesetzt war. Nahe gegangen seien ihm tödliche Verkehrsunfälle. „Ein Förster kam mit seinem Sohn bei einem Zugunglück ums Leben. Das war prägend“, sagt der sechsfache Vater und Großvater. Seine drei Söhne sind auch Polizisten geworden.

„Ich freue mich auf meinen neuen Lebensabschnitt“, so der künftige Pensionär, der mit Ehefrau Iris zunächst zu einer Motorradtour durch Deutschland startet. Für das in Bad Schwartau lebende Paar sind Tanzen und Tauchen weitere gemeinsame Hobbys.

 Michael Thormählen

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