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Stormarn Oldesloer Schüler spielen Kommunalpolitik
Lokales Stormarn Oldesloer Schüler spielen Kommunalpolitik
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11:12 27.11.2018
Jugendliche Stadtverordnete in der Festhalle: Nach kontroversen Diskussionen wurde abgestimmt. Quelle: M. Thormählen
Bad Oldesloe

Kein Mathe oder Latein und auch kein Physik-Unterricht: Dieses Mal stand für 24 Schüler der Theodor-Mommsen-Schule (TMS) das Fach Kommunalpolitik auf dem Stundenplan. Und die Jugendlichen aus dem elften Jahrgang sollten sich nicht nur mit der Theorie auseinandersetzen, sondern den Politikbetrieb in der Praxis kennen lernen. Dieses Planspiel Kommunalpolitik war von der Friedrich-Ebert-Stiftung vorbereitet worden.

Die etwa 17 Jahre alten Schüler hatten sich in vier unterschiedlichen Fraktionen zusammen geschlossen – also wie im richtigen Leben. Und die jugendliche Stadtverordnetenversammlung wurde auch von der Oldesloer Bürgerworthalterin Hildegard Pontow geleitet. Fragen beantworteten außerdem Bürgermeister Jörg Lembke und sein Stellvertreter Horst Möller.

Wer soll das bezahlen?

Ziemlich einig waren sich die TMS-Stadtverordneten bei der Frage, ob Bad Oldesloe eine Partnerschaft mit einer Stadt in Russland eingehen sollte. Zunächst ging es dabei um Moskau, später wurde der Name der Stadt offen gelassen. Argumentiert wurde, dass vor allem junge Leute wichtige Kontakte knüpfen sollten. Allerdings verbreitete sich quer durch die Fraktionen auch die Sorge, wie denn so eine Städtepartnerschaft überhaupt finanziert werden könnte – immerhin fielen ja erhebliche Reisekosten an. Trotzdem gab es mit 22 Ja-Stimmen eine überwältigende Mehrheit für diesen Antrag.

Der stellvertretende Bürgermeister lieferte Beispiele aus der Praxis, wie dann Beziehungen zu anderen Städten aufgenommen würden: „Der Wunsch muss aus der Bevölkerung kommen, aus dem Kreis der Oldesloer.“ Die Stadt könne dieses Anliegen später unterstützen, um es dann offiziell zu einer Städtepartnerschaft aufzuwerten. „Dann haben wir auch einige 1000 Euro im Haushalt“, erläuterte Horst Möller. Erwachsene müssten im Übrigen die Reisen in die Partnerstädte selbst finanzieren, Schüler könnten dabei in den Genuss von Zuschüssen kommen.

Keine Mehrheit gab es für den Antrag, zwei Mal zum Ende der Sommerferien ein Public Viewing mit Kinofilmen an zentraler Stelle – auf dem Exer oder auf dem Markt – zu veranstalten. Nach Angaben der Befürworter sollten die fälligen Kosten in Höhe von rund 10 000 Euro durch Spenden sowie dem Verkauf von Speisen und Getränken finanziert werden. Der Kinobesuch sollte auf jeden Fall kostenlos sein. Möglich sei auch, jeweils einen Film zu zeigen, der die Interessen von weiblichen oder männlichen Jugendlichen berücksichtige. Es soll keine Vorstellungen für kleine Kinder geben.

Kritiker wiesen darauf hin, dass der Aufwand für zwei Kinoabende unter freiem Himmel zu groß sei. Auch seien die Ausgaben von geschätzten 10 000 Euro zu hoch – man könne dieses Geld besser für andere Zwecke verwenden. Möglich sei stattdessen, so hieß es weiter, Vorstellungen im Oldesloer Kino anzubieten. Bei einem Public Viewing bestehe ohnehin das Risiko, dass die Witterung schlecht sei. Dieser Antrag wurde anschließend mit 17 Stimmen abgelehnt.

Engagiert bei der Sache

Public Viewing rückte noch einmal in den Fokus, als es um die Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2020 ging. So sollten die Partien der deutschen Mannschaft sowie alle K.o.-Spiele auf dem Exer, auf dem Markt oder im Travestadion gezeigt werden. Die Antragsteller argumentierten, Public Viewing sei bereits in anderen Städten erfolgreich organisiert werden und die Oldesloer Fußballfans könnten sich dann die Wege nach Bad Segeberg oder Lübeck sparen. Der Antrag wurde mit 22 Stimmen angenommen.

Der stellvertretende Bürgermeister wies dann den Weg, den dieser Vorschlag in der „richtigen“ Politik gehen würde. „Es gäbe dann eine Ausschreibung durch die Stadt, um einen Veranstalter zu finden. Vielleicht könnte es dann einen Zuschuss von 10 000 Euro geben. Doch die Stadt kann so ein Public Viewing nicht allein wuppen“, meinte Horst Möller. Bürgerworthalterin Hildegard Pontow zog nach dem Ende des Planspiels ein positives Fazit: „Die Schüler waren ganz engagiert dabei und haben auch sehr sachlich argumentiert.“ Und in einem Fall sogar verblüffend offen: Man könne zu einem Thema gar nichts sagen, weil man sich darüber noch keine Gedanken gemacht habe, gestand ein jugendlicher Stadtverordneter im Laufe der Debatten ein.

Mit Stiftung in die Praxis

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) bereitet das Planspiel Kommunalpolitik für Schüler vor. In diesem Fall hatte sich die TMS an Christian Testorf gewandt, der die Aktionen organisiert. Es sei auch möglich, dass sich die Oberstufenschüler aus mehreren Schulen an einem Planspiel beteiligten. Die FES, die ihren Sitz in Bonn hat, gilt als größte und älteste parteinahe Stiftung in Deutschland. Sie ist nach dem SPD-Politiker Friedrich Ebert benannt, der von 1919 bis zu seinem Tode im Jahr 1925 Reichspräsident war.

M. Thormählen

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