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Stormarn Oldesloer demonstrieren für Frieden
Lokales Stormarn Oldesloer demonstrieren für Frieden
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09:52 02.09.2017
Krieg bringt Tod – das symbolisierte diese Verkleidung.
Bad Oldesloe

Miriam wollte unbedingt mit. „Aber die Taube musste Mutti malen“, sagte die Siebenjährige gestern und streckte ihr kleines Schild, auf dessen Rückseite ein Peace-Zeichen prangte, in die Höhe. In den Kindernachrichten hatte das Mädchen mitbekommen, dass Menschen in vielen Ländern in Angst und Schrecken leben, weil dort Krieg ist. Als sie hörte, dass sich ihre Eltern einer Friedensdemonstration in Bad Oldesloe anschließen, war schnell klar, dass sie mitlaufen würde.

Miriam (7) führt den Zug durch die Innenstadt an – Bündnis-Chef erinnert an dunkle Geschichte.

Seit 60 Jahren

Der 1. September ist weltweit der Antikriegstag. Vor 78 Jahren löste Deutschland mit dem Überfall auf Polen den 2. Weltkrieg aus. 1957 wurde erstmals an dem Tag an die Schrecken und Leiden des Krieges erinnert.

„Wir fanden das gut. Sie sollte nach den Krawallen vom G-20-Gipfel nicht den Eindruck bekommen, dass Demonstrationen aus Prügeleien zwischen Polizei und schwarzem Block bestehen, sondern etwas Positives sind“, erklärte Miriams Vater, Jens Schulger. Und so durfte die junge Oldesloerin sogar die Demonstration vom Bahnhof aus durch die gesamte Innenstadt bis zur Hude anführen.

Nur etwa 70 Leute waren dem Aufruf des Bündnisses gegen Rechts gefolgt, was einige der Teilnehmer bedauerten. „Aber dafür, dass um diese Zeit noch viele bei der Arbeit oder noch in den Ferien sind, ist es nicht schlecht“, sagte Detlef Mielke von der Oldesloer Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft/ Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK).

Vom dunkelsten Tag deutscher Geschichte, der für Millionen Toter und Vertriebener und die Teilung des Landes stehe, sprach Bündnis-Chef Walter Albrecht auf der Abschlusskundgebung und meinte den 1. September 1939, als der 2. Weltkrieg begann. „Wir haben die Pflicht zum Erhalt und Ausbau einer friedlichen Gesellschaft und müssen jeglicher Versuchung widerstehen, aggressive kriegerische Auseinandersetzungen zu führen“, schloss sich Bürgerworthalter Rainer Fehrmann an. Er bezog sich damit nicht nur auf Aufrührer, sondern spielte auch auf die „bürgerkriegsähnlichen Zustände“ beim G-20-Gipfel an.

Der DGB-Kreisvorsitzende Heiko Winckel-Rienhoff erinnerte an „das unermessliche Leid und das Grauen, das die beiden Vernichtungskriege und die Schreckensherrschaft der Nazis über die Menschen gebracht haben“. So etwas dürfe sich nicht wiederholen.

Eine gute Klimapolitik als Mittel zur Vermeidung von Krieg propagierte Ingrid Nestle (Bündnis 90/Die Grünen), während Cornelia Möhring (Linke) sich für die Kürzung der Rüstungsausgaben stark machte, von denen nur die Waffenindustrie schamlos profitiere.

„Sehen Sie mir nach, dass ich hier keinen Wahlkampf betreiben will“, sagte Alexander Wagner (SPD) unter Beifall. „Als Segeberger möchte ich einen weisen Mann zitieren, den Häuptling der Apachen:

,Frieden verlangt mehr Mut als Krieg’“. Wolfgang Gerstand (CDU) dankte dem Bundestagskandidaten Wagner für diese Worte und bezog auch die Oldesloer Stadtverordneten in seinen Friedens-Appell ein, „lieber miteinander zu sprechen als übereinander.“

Eigens aus Hamburg angereist war auch der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinschaft DITIB. „Wir leben in einem Land, in dem wir unsere Meinung frei äußern können“, sagte Sedat Simsek. Leider gewännen die rechtspopulistischen Parteien immer mehr an Boden. Das weise Parallelen zum Faschismus und den Geschehnissen von damals auf. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass braune Parteien an die Macht kommen. Deshalb machen wir uns stark für eine tolerante Gesellschaft.“

 Dorothea von Dahlen

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