Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn „Oldtimer“ am Lenkrad: Fahrlehrer schult Senioren
Lokales Stormarn „Oldtimer“ am Lenkrad: Fahrlehrer schult Senioren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:37 22.10.2017
Fahrschulbetreiber Bernd Ehlers gibt Senioren Tipps zum sicheren Autofahren. Quelle: Foto: B.albrod

Denn anders als bei jüngeren Autofahrern treten bei den älteren allmählich körperliche Einschränkungen auf. „Der Hals wird steifer, so dass man sich nicht mehr locker umsehen kann, und Reaktions-, Seh- und Hörvermögen lassen nach. Das führt zu altersbedingten Unsicherheiten“, so Ehlers. Der Fahrlehrer bietet Senioren Auffrischungen fürs Autofahren an und gibt Tipps zum sicheren Fahren im Alter.

„Gerade ältere Menschen brauchen Mobilität“, betont Ehlers. „Das Auto ist für sie oft die einzige Möglichkeit, eine Kiste Getränke zu holen, zum Friedhof zu kommen oder die Enkel zu besuchen.“ Damit ältere Verkehrsteilnehmer auf Nummer Sicher fahren, gibt Ehlers Fahrstunden nach Wunsch und hält Vorträge wie unlängst auf Einladung des Bürgervereins in Ammersbek. Denn die Zahl der Unfälle, die von Senioren verursacht wurden, steigt, bedingt auch dadurch, dass ihr Anteil im Verkehr größer wird.

Die Polizeidirektion Ratzeburg hat 2016 einen Verkehrssicherheitsbericht erstellt. Demnach wurden im Kreis Herzogtum Lauenburg 151 Unfälle durch Senioren verursacht, bei 89 davon waren die Fahrer älter als 75 Jahre. In Stormarn waren Senioren 196 Mal Schuld an Unfällen, 110 davon waren über 75 Jahre alt. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum gab es in Stormarn 166 Unfälle in der Gruppe der 18 bis 24-jährigen Fahrer, im Herzogtum Lauenburg waren es 155. Damit war die Zahl der Unfallverursacher bei jungen und alten Leuten etwa gleich hoch.

„Wer sicher Auto fahren will, muss immer am Ball bleiben und sich fortbilden“, rät der Fahrschulbesitzer. Ab und zu kämen Leute zu ihm, die schon Jahrzehnte den Führerschein hätten, aber Vorfahrtsregeln auffrischen oder etwas über neue Verkehrsschilder erfahren wollten. „Dafür berechne ich keine Gebühren“, sagt Ehlers, der sich über das Verantwortungsbewusstsein freut. „Gerade in letzter Zeit hat sich im Verkehr viel verändert.“ Allem voran der Radverkehr, der überall auf die Straße geholt wird. „Längst hat noch nicht jeder die neuen Regeln verinnerlicht, das ist ein Gefahrenpotenzial“, sagt der Fachmann. „Die Leute sind verunsichert, viele Radfahrer fühlen sich auf der Straße nicht sicher, und Autofahrer wissen nicht, dass Radfahrer rechts an ihnen vorbei fahren können.“

Wer Bedarf hat, kann sich nachschulen lassen. „Viele Fahrlehrer bieten das Auffrischen der Theorie an, aber auch Fahren in speziellen Situationen wie Autobahnfahren, Fahren im Parkhaus, das Abfahren bestimmter Strecken zum Arzt oder in die Stadt oder energiesparendes Fahren sind bei mir möglich“, zählt Ehlers auf. „Der Klassiker sind Damen, die zwar den Führerschein haben, aber immer die Männer haben fahren lassen. Wenn die ausfallen, müssen sie plötzlich selber überall hinfahren.“ Eine Dame, die über 80 sei, komme regelmäßig zum Tüv zu ihm – nicht dem des Wagens, sondern ihres Fahrvermögens. „Sie fährt mit mir durch die Stadt, und ich soll beurteilen, ob sie noch sicher fährt. Bisher gibt es keinen Grund, warum sie nicht mehr fahren sollte.“ Andere würden vom Partner geschickt, der sich Sorgen macht. Groß ist allerdings auch die Gruppe derer, die fährt, ohne sich in Frage zu stellen. „Niemand gibt gerne den Führerschein ab“, weiß Ehlers, „es gibt auch keinen Grund dafür, wenn man noch sicher Auto fährt.“

Kleinigkeiten können dabei helfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. „Ein Rentner muss nicht im Berufsverkehr in die Stadt fahren“, rät Ehlers, „er kann auch zwei Stunden später losfahren.“ Wichtig seien regelmäßige Hörtests und regelmäßige Überprüfung des Sehvermögens. „Auch Diabetes kann beim Autofahren gefährlich werden.“ Bei Medikamenten müsse geklärt werden, ob sie das Fahrvermögen beeinträchtigen. „Eine Fahrerin hat mal drei parkende Autos angefahren, hinterher stellte sich heraus, dass ihre Medikamente zu stark waren.“ Wer schlecht sehe, solle nicht im Dunkeln fahren und schwierige Situationen wie enge Parkhäuser meiden. Angepasstes Fahren ist sicherer, und das gilt nicht nur für Senioren.

Vorfahrtsfehler am häufigsten

Vorfahrt-Missachtung ist der Hauptfehler bei Senioren, die in Unfälle verwickelt sind. „Die häufigsten Unfallursachen bei den Senioren waren „Vorfahrtsfehler“ (17,6 Prozent) sowie Fehler beim „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ (16,6 Prozent), hat die Deutsche Verkehrswacht ermittelt.

Sofern im Jahr 2016 über 64-Jährige als Pkw-Fahrer an einem Unfall beteiligt gewesen seien, hätten sie in zwei Drittel (67,1 Prozent) der Fälle die Hauptschuld an dem Unfall getragen, bei den 75-Jährigen und älteren zu 75,1 Prozent. www.deutsche-verkehrswacht.de

 Bettina Albrod

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige