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Stormarn Pferde als Spiegel der Seele
Lokales Stormarn Pferde als Spiegel der Seele
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20:51 02.10.2017
Wie ein eingespieltes Team: Nathalie Iden kam prima zurecht mit Islandpferd „Bjarki“. Der 14-jährige Wallach folgte aufmerksam. Quelle: Fotos: Von Dahlen
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Reinfeld/Heidekamp

Und so trug der Workshop, für den alle sieben Teilnehmerinnen ins Schulzentrum der Karpfenstadt gekommen waren, auch den Untertitel „Die eigene Körpersprache für sich entdecken.“ „Pferde spiegeln unser eigenes Verhalten. Sind wir unsicher, vermitteln wir ihnen das mit unserer Körpersprache“, erklärte Hannalies Krüger, die den Kurs gemeinsam mit Andreas Windsio gab. Uns Menschen sei dies nicht so bewusst. Beim Pferd komme dieses Verhalten aber als starkes Signal an. Es spüre, dass es besser wäre, sich dem unentschlossenen Menschen, der seinen Weg noch nicht gefunden hat, besser nicht anzuschließen und wende sich womöglich ab.

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Pferdeflüsterer waren eine Zeitlang groß in Mode. Sie zeigten, dass Kommunikation mit den großen Vierbeinern ohne Druck und Gewalt besser ist. Bedingung ist eine klare Körpersprache. Dass Menschen davon profitieren können, weil Pferde in dieser Beziehung „Testpersonen“ sind, machte jetzt ein Kurs bei der Volkshochschule in Reinfeld deutlich.

Soweit der theoretische Part des Workshops, der im Schulzentrum absolviert wurde. Für den Praxistest begaben sich alle zum Islandpferdehof Solbakur nach Heidekamp, den die Inhaber Stefanie Lanz und Tim Haag für den Kurs zur Verfügung stellten. Auf dem Reitplatz merkten alle ziemlich schnell, dass es tatsächlich nicht egal ist, wie sich jemand den großgewachsenen Tieren nähert. Wer zögerlich und unentschlossen auftrat, hatte schon seine Mühe, das Pferd an seiner Seite im Kreis oder durch ein aus Stangen gelegtes L zu führen – ganz zu schweigen davon, rückwärts zu richten.

Nathalie Iden aus Lasbek hatte als Jugendliche zum letzten Mal beim Reitunterricht mit Pferden zu tun. Auf die Reaktion von Islandpony „Bjarki“, der beim Workshop als „Seelenspiegel“ zum Einsatz kam, war sie schon sehr gespannt. Bei anderen Kursteilnehmern hatte sie beobachtet, dass der 14-jährige Wallach seinen zweibeinigen Begleiter austestete. Statt aufmerksam am Führstrick mitzulaufen, sperrte sich der Kerl und zupfte lieber das Gras vom Reitplatzrand. „Ich dachte erst, das macht er bei mir auch. Aber es hat letztlich alles geklappt“, sagte sie erleichtert.

Den Kurs belegte Nathalie Iden, weil auch sie wissen wollte, wie sie nach außen hin wirkt. Als Kita-Leiterin hat sie viel mit anderen Menschen zu tun – nicht nur mit den ihr anvertrauten Kindern, auch mit den Eltern, die ihre Schützlinge sicher verwahrt wissen wollen. „Da hilft es sehr, wenn man seine Ideen und Argumente selbstsicher nach außen tragen kann“, erklärte sie. Gelernt habe sie im Kurs auch, dass es besser sei, unvoreingenommen in eine Situation zu gehen. Beim Pferd sei das deutlich spürbar. Wer sich schon vorher ausmale, was alles passieren wird, könne sicher sein, dass der Vierbeiner nicht so reagiert, wie man sich das wünsche. „Es ist dann wie eine selbsterfüllende Prophezeihung“, sagte die Kita-Leiterin.

Um den Teilnehmern ihre Körpersprache einmal vor Augen zu führen, wurden während der praktischen Übungen kleine Videos gedreht und zum Abschluss des Kurses ausgewertet. Dabei ging es indes nicht um eine Bewertung. „Es gibt da kein Richtig oder Falsch. Was jeder für sich daraus zieht, bleibt jedem selbst überlassen. Wir agieren nur als Dolmetscher, übersetzen die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd“, erklärte Kursleiterin Hannalies Krüger. „Insofern ist der Kurs auch nicht als Therapie oder Coaching zu verstehen. Das übersteigt unsere Kompetenz.“

Obgleich oder vielleicht gerade weil das Ganze nicht in Tipps Handlungsanweisungen mündete, ist der Kommunikationskurs bei den sieben Frauen sehr gut angekommen. Einige haben sich schon erkundigt, wann es die Fortsetzung geben wird. „Ein Anfang ist auf jeden Fall gemacht. die Teilnehmer sind sich bewusster darüber geworden, wie sie nach außen auftreten“, sagte Hannalies Krüger, die vor 15 Jahren erstmals einschneidende Erfahrungen damit machte, wie Pferde positiv auf das Wesen von Menschen wirken können. Und das schließt Veränderungen im Verhalten ein. „Wenn sie das nächste Mal mitmachen, kann das Ergebnis auch ganz anders ausfallen“, weiß die Fachfrau.

Nirgends ist’s so sonnig wie auf dem Pferderücken

Solbakur – auf Deutsch Sonnenrücken – so heißt der Reitstall, den Stefanie Lanz und Timm Haag in Heidekamp führen. Das pferdebegeisterte Paar hat sich auf die Zucht und Haltung von Islandpferden spezialisiert. Gegründet haben sie den Reitstall im Jahr 2004. 16 Reitpferd, darunter auch „Bjarki“, sorgen dafür, dass junge, aber auch erwachsene Schüler Gefallen am Pferdesport finden.

Bodenarbeit, Voltigieren, Theorietage, Ausritte und Ferienfahrten auf die Insel Fehrmarn gehören ebenso zum Programm wie Abzeichenlehrgänge und Theorietage.

Das Besondere an Isländerpferden sind ihre vielen Gangarten. Außer Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie den Tölt, manche auch den Rennpass.

Details www.islandpferde-solbakur.de/

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