Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Pferde auf den Gleisen stoppen Regionalbahn Lübeck-Hamburg
Lokales Stormarn Pferde auf den Gleisen stoppen Regionalbahn Lübeck-Hamburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 20.06.2016
Eine Regionalbahn auf dem Bahnhof in Bad Oldesloe. Quelle: Uwe Krog
Anzeige
Bad Oldesloe/Bargteheide

Tausende Zugpendler zwischen Hamburg und Lübeck mussten gestern Morgen lange warten, weil sechs Pferde von ihrer Weide bei Tremsbüttel ausgebüxt waren und auf den Gleisen umherliefen.

Zur Galerie
Bahnverkehr zwischen Lübeck und Hamburg stundenlang gesperrt – Tausende drängten sich auf Bahnsteigen.

Sechs Bundespolizisten hätten die Tiere dann wie „Cowboys ohne Lasso“ wieder eingefangen, berichtet Bundespolizeisprecher Gerhard Stelke. Das Problem für die Bahn war, dass sie nach einer Warnung zunächst ab 7.25 Uhr sperrte, dann eine Entwarnung bekam, um daraufhin gleich wieder sperren zu müssen. „Da war aber unser Notfallkonzept angelaufen, und das ist nicht sofort und beliebig wieder umkehrbar“, erklärt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Deshalb gab es bis etwa 11.30 Uhr einen Schienenersatzverkehr zwischen der Kreisstadt und Bargteheide.

„Es ging nichts mehr, so bevölkert waren die Bahnsteige und die Bahnhofshalle“, beschreibt Gabriele Adolph von der Bahnhofs-Bäckerei von Allwörden die Situation in Bad Oldesloe. Nebenan, bei „Press & Books“, erlebten die Angestellten mit, wie die Reisenden vom Bahnhofspersonal von einem Bahnsteig auf den anderen geschickt wurden. Immer hin und her.

Erst kurz vor 10 Uhr entspannte sich die Situation, als die Schienenersatz-Busse fuhren. Zu diesem Zeitpunkt traf Thomas Hagenow am Oldesloer Bahnhof ein. Der „P&B“-Gebietsverkaufsleiter betrat zwar noch eine gut gefüllte Bahnhofshalle, stellte aber fest, dass diese sich gerade etwas leerte. Das Gröbste schien überstanden zu sein. Um 11.25 Uhr fuhr dann zumindest der erste Schnellzug Richtung Hamburg – wenn auch mit zehnminütiger Verspätung – und auf dem Oldesloer Bahnhof kehrte wieder Ruhe ein.

Aber im Internet gab es eine Welle der Empörung. Für Pendlerin Christina Hollstein nicht das erste Mal, dass Sie derartigen Umständen ausgesetzt war. Sie ist von der Bahn auf der Strecke Hamburg-Lübeck bereits einiges gewöhnt: „Im Sommer sind zweieinhalb Stunden informationslose Wartezeit am Gleis ja fast noch ein Geschenk“, berichtet die Journalistin entnervt. „Ich habe ähnliche Situationen auch bereits im dunklen Winter bei Schneeregen und ohne Unterstand erlebt.“

Die Frau wünscht sich zumindest etwas mehr Ehrlichkeit im Umgang mit den Bahnkunden. „Man hat häufig das Gefühl, Informationen werden uns absichtlich vorenthalten“, schüttelt sie den Kopf und vermutet als Grund dafür völlige Fehlorganisation bei der Bahn, sobald es zu Problemen auf der Strecke kommt. Ganze drei Mal erlebte Hollstein an diesem Morgen mit, wie die Fahrgäste gebeten wurden, in aus Lübeck ankommende Züge einzusteigen, um dort dann die Information zu erhalten, dass der Zug doch wieder zurück nach Lübeck fahre. Auch nach zweieinhalb Stunden Wartezeit war immer noch kein Schienenersatzverkehr nach Hamburg eingerichtet worden, der dann zwar in Aussicht gestellt wurde, aber auch nur bis Ahrensburg fahren sollte.

Bei LN-Online meldete sich Leser Wolfgang Meier: „Ich möchte berichten, was im Zusammenhang mit der Streckensperrung Lübeck -Hamburg heute wieder einmal bei der Bahn abgelaufen ist. Ich bin Bahnpendler und habe den Regional Express um 7.08 Uhr ab Lübeck genommen. In Bad Oldesloe bliebt der Zug stehen: wegen der ausgebrochenen Pferde. Unser Zug fuhr nach kurzer Zeit nach Lübeck zurück – soweit, so nachvollziehbar. Aber es gab nur sinnentleerte Durchsagen aus der Konserve, keine brauchbaren Informationen. Der nächste Zug aus Lübeck fuhr dann ebenfalls wieder zurück. Laut Zugpersonal sollte es Schienenersatzverkehr geben. Es liefen fast alle zum Busbahnhof. Dann rauschte plötzlich der Kopenhagen-Express aus Hamburg durch. War die Strecke also frei ? Alle wieder zurück. Es folgte der ICE aus Lübeck. Der fuhr ebenfalls nach Hamburg durch. Strecke frei!

Und dann eine echte Durchsage, keine Konserve: „Der nächste Zug aus Lübeck fährt weiter nach Hamburg.“ Zug fährt ein, doch: Alle steigen wieder aus, Zug fährt wieder zurück nach Lübeck. Das Zugpersonal telefoniert, versucht alles, aber vergeblich: Zug muss nach Lübeck zurückfahren.

Und jetzt die Aussagen des Zugpersonals dazu, die waren genauso auf „180“ wie wir Passagiere: „Die Strecke ist wieder freigegeben.“ Es gebe aber einen Notfallplan der Deutschen Bahn bis 11.30 Uhr. Nur deshalb würden bis 11.30 Uhr keine Züge fahren. „Da war es gerade 9.30 Uhr“, berichtet Wolfgang Meier. Alternativ könne man die Nordbahn über Neumünster nehmen. „Chaos pur“, sagt Meier. „Es warteten Menschen aus mittlerweile drei vollen Zügen.“

Jetzt ermittelt die Bahnpolizei

Die Bahnpolizei untersucht jetzt, ob die Tiere ihre Weide verlassen hatten, weil der Tierhalter fahrlässig gehandelt haben könnte. „Ist er verantwortlich für den Zwischenfall, kann das für ihn teuer werden“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer Lovis. Insgesamt soll es 378 Minuten Verspätung gegeben haben. 18 Züge fielen komplett aus, 19 Züge erreichten nur eine Zwischenstation und fuhren entweder von Bargteheide zurück in Richtung Hamburg beziehungsweise Lübeck und nahmen die Passagiere aus den Bussen mit.

 ep/ukk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige