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Stormarn Pläne für neue Öko-Siedlung
Lokales Stormarn Pläne für neue Öko-Siedlung
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22:33 15.11.2016
Ein Blick von oben: Ein neuer Stadtteil soll entstehen, um Ziele des Klimaschutzes zu erfüllen. FOTO: MANFRED GIESE

Eine möglichst geringe Versiegelung der Böden, Förderung der E-Mobilität, Regenwassernutzung und zurückhaltender Autoverkehr sind weitere Elemente des Konzepts. Sieben Investoren haben sich beworben. Während einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energie stellte Diplomingenieur Jan Gerbitz Möglichkeiten vor, wie ein klimafreundlicher Ökostadtteil aussehen könnte.

So wird Energie gewonnen

Photovoltaik: Umwandlung von Lichtenergie der Sonne in elektrische Energie.

Sonnenenergie: Sonnenkollektoren gewinnen Wärme aus der Strahlung.

Eisheizung: Wenn Wasser gefriert, wird Kristallisations-Energie frei gesetzt.

Geothermie: Nutzung der in der Erdkruste gespeicherten Erdwärme

Biogas: Vergärung von Biomasse zur Energieversorgung.

In den Mittelpunkt stellte Gerbitz den Nachhaltigkeitsaspekt. Der ist zum einen Maßstab für die gewählte Wärmeversorgung, bei der die Politik bisher auf eine zentrale Eisheizung setzt, zum anderen Richtschnur für die Baumaterialien. Stichwort ist die „Graue Energie“. „Damit wird die Energie bezeichnet, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird“, erläuterte der Fachmann. Hier komme es darauf an, die Energiebilanz des Bauprojekts im Blick zu haben. „Die Herstellung von Stahlbeton oder Backsteinen verbraucht Energie“, erklärte Gerbitz, „nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Lehmbauplatten oder recycelte Baustoffe sind besser, um eine größere CO2-Einsparung zu erreichen.“ Bei Dämmstoffen könne man beispielsweise Zellulose verwenden, die aus recyceltem Papier hergestellt werde.

Für das Bargteheider Projekt ist das Effizienzhaus 40plus eine Möglichkeit, für das es zinsgünstige Darlehen und einen Tilgungszuschuss von 15000 Euro gibt. „Für eine zentrale Wärmeversorgung, beispielsweise durch eine Eisheizung, ist eine Voruntersuchung nötig“, riet Gerbitz. „Die Frage ist, ob der Ökostadtteil eine zentrale Wärmeversorgung bekommen soll oder eine, bei der jedes Haus Selbstversorger ist.“ Eine zentrale Wärmeversorgung – sei es durch Blockheizkraftwerk, Biogas, Solarthermie in der Fläche, Biomasse, industrielle Abwärme oder Eisheizung – verlange eine größere Investition. „Gebäude mit geringem Energiebedarf ziehen einen höheren Energiepreis des Anbieters nach sich“, so Gerbitz. Durch die geplante lockere Bebauung und dadurch lange Rohrverbindungen gehe zudem Energie verloren.

Für ein Nahwärmenetz gebe es die Wahl zwischen Niedertemperatur-Nahwärme, mittlerer und hoher Temperatur. „Bei der Wasserversorgung sind 65 Grad Temperatur vorgeschrieben, um die Bildung von Legionellen zu verhindern. Es würden also Wärmepumpen nötig und Frischwasserstationen im Haus. Energie muss dann mit Energie aufgewärmt werden.“ Bei der dezentralen Lösung gewinne jedes Haus seine Energie durch Photovoltaik oder Solarmodule selbst, überschüssiger Strom könne in Batterien gespeichert und ins Stromnetz eingespeist werden. „Hier ist auch der Anschluss für E-Mobilität möglich. Die Häuser wären energetische Selbstversorger.“ Ein Sonnenhaus mit Stromgewinnung auf solarthermischer Basis brauche allerdings einen riesigen Speicher.

„Ziel muss eine möglichst gute Energie- und Haushaltsbilanz bei angemessenen Preisen sein“, schloss Gerbitz. Die Bewerber um das Bauprojekt müssten auch die Investitionskosten für die Energieanlagen und die Wärmepreise für den Verbraucher in ihrem Konzept mit angeben. Im März wird eine Jury über die Konzepte entscheiden.

 Bettina Albrod

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